15. Nov.
Rating:4

Was mich beim Lesen besonders berührt hat: Neben all der kreativen Freiheit, den mutigen Ideen und der überraschend modernen Gleichberechtigung in einigen Bauhaus-Paaren steht die politische Realität der Zeit wie ein harter Schnitt im Hintergrund. 1933 musste das Bauhaus schließen, weil es für die Nationalsozialisten ein liberales, jüdisch geprägtes und viel zu modernes Umfeld war. Viele der Künstler:innen – gerade auch die Frauen – mussten ins Exil fliehen, um überhaupt weiterarbeiten oder sicher leben zu können. Und obwohl das Frauenwahlrecht weiterhin bestand, wurde Frauen das passive Wahlrecht wieder entzogen. Ein deutlicher Rückschritt, der zeigt, wie schnell die Hoffnungen der Weimarer Zeit zerstört wurden. Das Buch macht all diese Brüche sichtbar: Die kreativen Frauen, die neuen Wege gegangen sind – und gleichzeitig die politische Brutalität, die so vieles abrupt beendet hat. Gerade deshalb sind ihre Geschichten heute so wichtig.

Frauen am Bauhaus Dessau
Frauen am Bauhaus Dessauby Unda HörnerEbersbach & Simon