25. Jan.
Rating:4

Woolf-Fans aufgepasst! 🤩

Schon lange zählt Virginia Woolf für mich zu den faszinierendsten Autorinnen überhaupt! Also musste natürlich „Lunatics“ bei mir einziehen - ein historischer Roman, der auf dem Briefwechsel zwischen Lytton Strachey und Virginia Woolf beruht, sowie ihren Tagebüchern, aber sich auch um die sagenumwobene Bloomsbury Group dreht. „Alle Dichter, alle Sänger, alle Künstler, alle Liebenden haben mit dem Mond zu tun. Mit Luna. Sie sind also im Wortsinne Verrückte. Lunatics. Verstehen Sie, Miss Stephen, was ich damit sagen will? In meinen Augen gibt es absolut keinen Grund, den Wahnsinn zu verachten.“ Laut damaligen Psychiatern (die weit hinterherhinkten im Vergleich zu unseren heutigen Erkenntnissen) war Virginia Woolf an „Wahnsinn“ erkrankt. Sie schleppte sich von einer Therapie zur nächsten - angetrieben durch ihren Ehemann Leonard. Die Eheschließung mit ihm, war mitunter die schlechteste Entscheidung ihres Lebens - er bevormundete sie, wo es nur ging und den ärztlichen Anweisungen Folge zu leisten hatte für ihn oberste Priorität. Er regulierte ihre sozialen Kontakte, sprach Schreibverbote aus, verweigerte ihr Mutter zu werden und Kinder zu bekommen Die Textstellen, die von ihrer Gesundheit und Therapien handelten haben mich ehrlich gesagt sehr mitgenommen - wir alle wissen ja, wie es endete: Mit ihrem Suizid! Mit diesem Wissen liest man bestimmte Passagen einfach mit einem bitteren Beigeschmack, sie haben so vieles in mir ausgelöst: Verzeweiflung, Wut, aber vor allem: Mitgefühl! Aber wer war denn nun eigentlich Lytton Strachey, mit dem Virginia einen regen Briefwechsel führte?! Bei einem Besuch ihres Bruders Thoby in Cambridge lernt sie ihn kennen und er wird zu nichts minderem als ihrem Seelenverwandten. Körperlich eher von langer und ausgemergelter Statur, oft krank, immer frierend, man würde ihn wahrscheinlich auch als sonderbar bezeichnen, nahm der Homosexuelle eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein. Er macht ihr sogar später einen Heiratsantrag und ich frage mich eindringlich, wie wäre ihr Leben wohl verlaufen, wenn er diesen nicht zurückgezogen hätte?! „Virginia. Hör mal, mir kommt da gerade ein Gedanke. Vielleicht sollten wir heiraten. Sag, willst du mich heiraten? Du bist die einzige Frau, die ich das jemals fragen werde.“ Beide werden Mitglieder der legendären Bloomsbury Group, eine Vereinigung von Intellektuellen, Wissenschaftlern und Künstlern, die enormen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung Großbritanniens hatten. Christiane Henke hat mich mit „Lunatics“ absolut überzeugt. Auch wenn ich mich schon länger mit Virginia Woolfs Literatur und ihrem Leben beschäftige, war doch einiges Neues für mich dabei - noch dazu hat mich das Buch unglaublich gefesselt, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Eine große Empfehlung für alle Woolf-Fans und für alle, die es noch werden wollen!

Lunatics
Lunaticsby Christiane HenkeEbersbach & Simon