Die Nesthäkchen-Reihe hatte ich als Kind verschlungen, immer wieder denke ich an die Geschichten mit Annemarie. Dass Else Ury Jüdin war, wusste ich lange nicht. Nun wollte ich endlich mehr über die Autorjn erfahren. Schwer war es, über ihr Schicksal zu lesen. Gleichzeitig ist es so wichtig, nicht zu vergessen und hinzugucken. Nur etwas sperrig empfand ich den Erzählstil. Ich tue mich schwer damit, wenn Sachbücher zu viel mit persönlichen Hypothesen verwoben sind.
Trauriges Schicksal der Nesthäkchen-Autorin
Else Ury ist die Schriftstellerin, der wir die Nesthäkchenreihe, aber auch zahlreiche andere Jugendbücher zu verdanken haben. Die Biographie "Mir kann doch nichts geschehen" versucht der Person Else Ury näher zu kommen. 1877 in Berlin geboren, besucht sie 10 Jahre lang das Lyzeum. Anders als die meisten Frauen ihrer Zeit entscheidet sie sich gegen eine Heirat und für die schriftstellerische Tätigkeit. Else Ury war ihrer Familie sehr verbunden. Zusammen mit ihrer Mutter und zwei Brüdern lebt sie in einer 9-Zimmer- Wohnung in einer Art WG und kann gut von den Tantiemen ihrer erfolgreichen Kinder- und Jugendromane leben. Durch den finanziellen Erfolg ihrer Bücher kann sie sich ein Eigenheim als Feriendomizil in Krummhübel, heute Karpacz in Polen, leisten. Hier hatte sie schon früher ihre Ferien verbracht und liebte den Ort im Riesengebirge als Wahlheimat. Die Schriftstellerin lebte ein gutbürgerliches Leben im Kreise ihrer Lieben. Sie ging ins Theater, liebte Familienfeste und Geselligkeit. Ihren weiblichen Romanfiguren gönnte sie Bildung und Mitspracherecht, sicher noch weit entfernt von heutigen Vorstellungen der Emanzipation, aber mit für die damaligen Zeiten nicht selbstverständlicher offener Einstellung. Anfang bis Mitte der 30er Jahre wird der Antisemitismus immer schlimmer in Deutschland. Else Ury wird am 6. März 1935 aus der Reichsschrifttumkammer ausgeschlossen. Sie, die eine große Patriotin ist und sich durch und durch als Deutsche empfindet, verschließt noch die Augen vor der dem politischen Horror. Nach und nach werden den Juden jedoch sämtliche Privilegien entzogen. Juden dürfen keine Parkbänke benutzen, nur eine Stunde am Tag einkaufen gehen, nicht in den Wald gehen. Ärzten und Anwälten wird die Lizenz entzogen oder die Berufstätigkeit nur eingeschränkt erlaubt. Juden dürfen nicht ins Theater, nicht ins Kino und müssen einen Judenstern tragen. Urys Bruder Hans verübt aufgrund der Diskriminierungen Selbstmord, die Verwandten emigrierte nach und nach ins Ausland. Else entschied sich fürs Bleiben, da sie die über 90jährige Mutter nicht im Stich lassen will. Als diese verstirbt, wird Else Ury kurz darauf am 6. Januar 1943 nach Ausschwitz deportiert und vergast.

