Ein solider, düsterer Fall, der sich vertraut anfühlt, mit einer ungewöhnlichen, ziemlich verstörenden Täteridee
Jo Nesbø – Blutmond Zum Buch Harry ist in L.A. gestrandet, trinkt und hält sich mehr schlecht als recht über Wasser. Dort begegnet er Lucille, einer älteren Frau, die vor brutalen Geldeintreibern flieht. Als Harry ihr hilft, gerät er selbst wieder in Bewegung – und schließlich zurück nach Oslo. Dort wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie ist eine von zwei Frauen, die nach derselben Party verschwunden sind. Beide hatten Verbindung zu demselben reichen Mann. Harry soll offiziell nicht ermitteln, wird aber privat in den Fall hineingezogen. Schreibstil Nesbø schreibt wie gewohnt sicher, hart und kontrolliert. Er legt Spuren, verschiebt Motive, lässt Alibis bröckeln und führt einen mehrfach in Richtungen, die erst logisch wirken, bis sich der Blick wieder verändert. Irgendwann merkt man, dass der Fall viel persönlicher, kranker und trauriger ist, als es zunächst scheint. Fazit Besonders stark fand ich diesmal die Idee, wie der Mörder an seine Opfer herankommt. Das war ausgefallen, widerlich, faszinierend und gleichzeitig erschreckend logisch innerhalb dieses Falls. Es ist eine dieser Täterideen, bei denen man kurz innehält, weil sie so absurd klingt und dann merkt, dass sie gerade deshalb funktioniert. Auch der Täter selbst hat mich überrascht. Er ist ein Mörder. Punkt. Sein Handeln ist nicht zu entschuldigen, nicht zu verharmlosen, nicht schönzureden. Aber seine Vorgeschichte macht begreifbar, woher dieser Hass kommt. Nicht gerechtfertigt. Aber nachvollziehbar. Und genau das macht ihn unangenehm interessant. Ich mochte ihn auf eine seltsame Weise, obwohl ich nicht gutheißen konnte, was er tut. Blutmond ist für mich kein perfekter, aber ein sehr solider Harry-Hole-Krimi. Die Ermittlungen sind spannend, die falschen Spuren funktionieren, und die Auflösung ist gleichzeitig packend und zutiefst traurig. Der Fall bleibt vor allem durch seine Täteridee hängen. Durch diese Mischung aus Ekel, Tragik und kalter Planung. Zu Beginn war ich beim Lesen fast ein wenig traurig, weil ich dachte, dass dieses Buch für mich erst einmal einen längeren Abschied von Harry bedeuten würde. Umso schöner war es dann zu lesen, dass es wohl bereits Ende diesen Jahres ein Wiedersehen geben wird.




























