
Genie und Wahnsinn auf dem Ozeandampfer
Der Schachweltmeister Mirko Czentovic wird auf einem Passagierdampfer erkannt und gegen Geld zu mehreren Schachpartien bewegt. Der Protagonist hat zwar großes Interesse an Schach, ist aber selbst ein Laie und so nimmt er die Rolle des Beobachters ein. Er achtet dabei sogar eher auf die Spielenden als die Partien selbst, wodurch man einiges über die menschliche Psyche lernt und man versteht so auch wie nah sich sich Genie und Wahnsinn sind. Diese Novelle wurde 1942 kurz nach dem Tod des Autors Stefan Zweig veröffentlicht und zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Klassikern. Sie ist jedoch sprachlich nicht wirklich komplex und eignet sich so wunderbar als Einstieg in die klassische Literatur. Zusätzlich ist dieser Text keineswegs nüchtern, sondern er steckt voller eindrucksvoller Bilder, wie diese Passage zeigt: „Man lebte wie ein Taucher unter der Glasglocke im schwarzen Ozean dieses Schweigens und wie ein Taucher sogar, der schon ahnt, dass das Seil nach der Außenwelt abgerissen ist und er nie zurückgeholt werden wird aus der lautlosen Tiefe.“ Ich habe in meiner Schulzeit mehrere Schachkurse besucht und ich habe sogar mal an einem Turnier teilgenommen. Allerdings habe ich das meiste schon längst wieder vergessen und somit konnte ich mich besonders gut in den laienhaften Protagonisten hineinversetzen. Für mich hat das Buch deshalb super funktioniert und es hat mich komplett gepackt. Diese Novelle eignet sich besonders für Leser, die sich langsam an klassische Literatur herantasten möchten. Ich denke die Lektüre funktioniert auch gut ohne schachliche Vorkenntnisse. Trotzdem wirkt sie wahrscheinlich deutlich besser, wenn man Interesse mitbringt und zumindest grundlegend mit dem Spiel vertraut ist.




























































