2. Okt.
Rating:4

Meine Meinung So ein Endzeit-Roman ist in meinen Augen mal wieder ein wenig Abwechslung in der Flut an Dystopien und klassischen Jugend-Liebesgeschichten. In „Dustlands – Die Entführung“ steht weniger die Welt und die Frage warum sie so geworden ist im Vordergrund, sondern einzig und allein Saba, die nur ein einziges Ziel verfolgt: Lugh aus den Armen der Tonton zurückzuholen. Dennoch ist es interessant, kurz einen Blick auf das Weltbild zu werfen: Die Geschichte spielt in einer zukünftigen Welt, die von einem König mehr unterworfen als regiert wird. Er steuert die Menschen mithilfe einer Droge und überlässt die meisten ihrem Schicksal. Es gibt einige Städte und überwiegend Siedlungen, aber kein Recht, so dass Gewalt- und Straftaten zum Weltbild gehören, wie die Luft zum atmen. Jeder ist also auf sich allein gestellt. In diese raue Welt bricht Saba auf und macht schnell Bekanntschaft mit den Gefahren, die sie hervorbringt. Ihre kleine Schwester Emmi kann sie überhaupt nicht ausstehen, denn ihre Mutter starb bei Emmi’s Geburt. Seit dem hatte sich das Leben der Familie schlagartig geändert. Damit kam Saba nie wirklich zurecht. Saba stand immer im Schatten ihres Bruders, den sie regelrecht vergöttert. Sein Wort ist ihr Gesetz, kein Wunder also, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht, als ihren Bruder wieder bei sich zu haben. Die unbarmherzige Welt, die sie auf dem Weg zu ihrem Ziel kennenlernt, verändert Saba. Sie lernt mit ihr umzugehen und macht sich ihre Fähigkeiten zu Nutze, die sie immer mehr ausbauen kann. Trotz all der Grausamkeiten, die sie miterleben muss, verliert sie nie ihren Kampfgeist, wächst über sich hinaus und lernt dazu noch Freunde kennen, die ihr treu zur Seite stehen. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit Saba warm zu werden, denn ihre eigenbrötlerische Art und die Abneigung ihrer Schwester gegenüber, machten es mir schwer, sie zu mögen. Doch meine Sympathie wuchs mit ihrer Charakterentwicklung und so wurden wir ein gutes Team! Zu Sabas Freunden gehört eine Gruppe von Rebellinnen, die viele starke Frauen vereint. Sie haben allesamt ihren eigenen Kopf sowie Ecken und kannte. Man muss sie einfach irgendwann mögen. Zu jedem Young Adult Roman gehört eine Liebesgeschichte. Diese hier kann absolut überzeugen, denn von Kitsch gibt es keine Spur. Sie verläuft eher so nebenher, ohne eine zu große Rolle einzunehmen. Jack, dem Saba in Hopetown begegnet, macht nicht wirklich einen Hehl daraus, dass sie ihm gefällt. Allerdings kann die sture Saba nicht gut damit umgehen und bleibt eigenbrötlerisch. Jack beißt sich an dem Mädchen fast die Zähne aus und das ist herrlich mit anzusehen. Insgesamt mag ich diese, nennen wir es, schroffe Atmosphäre. Sie verleiht der Geschichte einen ganz eigenen Charme. Dazu trägt vor allem die Lesung von Laura Maire bei, auch wenn ich mich anfangs daran gewöhnen musste. Ihr gelingt es meiner Meinung nach nicht immer, einzelnen Charakteren mit ihrer Stimme eine persönliche Note zu verleihen, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch. Wo wir beim gewöhnen sind: Der Schreibstil von Moira Young ist definitiv so eigen wie Saba. Sie lässt die Geschichte von Saba selbst erzählen, bedient sich dabei oft abgehakten Sätzen und keiner wörtlichen Rede. Außerdem ist das Buch sehr umgangssprachlich geschrieben, so dass oft Endungen verschluckt werden, was mich zu Beginn wirklich lang irritierte. Erst mit der Begründung, dass der Schreibstil Sabas Welt, in der nur wenige lesen und schreiben können, widerspiegeln soll, konnte ich mich darauf einlassen. Darüber hinaus fehlte es mir in der ersten Hälfte des Buches an mitreißender Spannung, es hat einfach gedauert, bis ich damit warm geworden bin. Aber spätestens ab der zweiten Hälfte war ich voll dabei und hellauf begeistert! Das Ende ist sehr spannend und dramatisch. Es ist in sich geschlossen, lässt aber genügend Fragen für den nächsten Teil offen. Fazit „Dustlands – Die Entführung“ von Moira Young ist der Auftakt einer spannenden Endzeit-Trilogie mit einer starken, wenn auch eigensinnigen Protagonistin. Die Geschichte überzeugt mit originellen Charakteren und einer spannenden Handlung, die genau die richtige Portion Brutalität und Liebe vereint. Einzig und allein der Schreibstil ist eigen, so dass man sich darauf einlassen muss um richtig in diese Welt eintauchen zu können.

Dustlands
Dustlandsby Moira YoungDer Hörverlag
22. Sept.
Rating:3

Inhaltsangabe: In einer Welt nach unserer Zeit kämpft eine junge Frau um die Befreiung ihres Zwillingsbruders – und für die Freiheit eines ganzen Landes Die 18-jährige Saba lebt sehr abgeschieden mit ihrem Vater, ihrem Zwillingsbruder Lugh und ihrer kleinen Schwester Emmi am Silverlake – bis eines Tages vier bewaffnete Reiter ihren Bruder entführen. Saba schwört, Lugh zu finden und zu befreien. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernt sie die Welt jenseits des Silverlake kennen: ein Land, in dem es keine Zivilisation mehr gibt, keine Bücher mehr, keine normalen Verkehrsmittel. Es wird von einem durchgedrehten König beherrscht, der die Bevölkerung mit einer Droge und mit seinen Soldaten, den Tonton, in Schach hält. In Hopetown muss Saba in der Arena kämpfen, aber sie trifft dort auch auf einen Mann, der sie liebt, und findet Freunde, die ihr bei ihrer Suche helfen. Meine Meinung: Noch eine Geschichte, die von mir eine zweite Chance erhalten hat, nachdem ich die Buchversion damals bereits relativ zu Beginn abgebrochen hatte. Schuld daran war vor allem der sehr gewöhnungsbedürftige und gewagte Schreibstil. Die Autorin pfeift auf die gängigen Grammatikregeln und lässt beim Erzählen ihrer Geschichte alle Anführungszeichen weg, so dass man selbst merken muss, was denn nun direkte Rede ist und was nicht. Ausserdem hat sie eine sehr umgangssprachliche Sprache gewählt und schreibt so wie man spricht - ganz unabhängig davon, was der Duden eigentlich vorgibt. Für mich war das eine absolute Qual, denn ich lege generell sehr viel Wert auf die Rechtschreibung eines Buches. Inzwischen habe ich Hörbücher für mich entdeckt und da mir Laura Maire als Sprecherin schon bei anderen Büchern sehr positiv aufgefallen ist, wollte ich es noch einmal mit Dustlands versuchen - und wurde nicht enttäuscht! Durch Maires angenehme Erzählstimme viel es mir relativ leicht, in die Geschichte hineinzufinden. Sie schafft es nahezu perfekt, Sabas Charakter in ihre Erzählweise mit einfliessen zu lassen, so dass ich immer wieder gespannt zugehört habe und nicht abwarten konnte zu erfahren, was als nächstes passiert. Anders als andere Jugendbücher, geht die Autorin sehr schonungslos mit den Charakteren um und beschreibt dem Leser eine sehr düstere und angsteinflössende Zukunft. So hat es mich auch nicht überrascht, als immer wieder einige Charaktere, die Saba auf ihrer Reise trifft, das Zeitliche segnen mussten. Trotz dieser positiven Sachen, habe ich im letzten Drittel ein wenig das Interesse an der Geschichte verloren. Irgendwie konnte mich die Brutalität des Buches kaum mehr schocken und mir hat das "gewisse Etwas" gefehlt. Ich wurde zwar durchweg gut unterhalten, aber das Ende hielt dann wenige Überraschungen bereit, so dass ich die Geschichte für mich als beendet ansehe und kein Bedürfnis habe, die Reihe weiterzuverfolgen. (Ausserdem gibt es den zweiten Band ohnehin nicht mehr als Hörbuch-Version.) Fazit: Rasant, actionsreich und schonungslos, mit einer mutigen Protagonistin, die ihren ganz eigenen Kopf hat. Als kurzweilige Unterhaltung durchaus empfehlenswert, aber ein zweites Mal würde ich das Hörbuch nicht mehr anhören.

Dustlands
Dustlandsby Moira YoungDer Hörverlag