Alise
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Kristoffer +Brita
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Asle (7J. ) und Olav + Oma (gelbe Mütze)
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Vater und Mutter
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Geschwister und Asle + Signe
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Keine Kinder
Jon Fosse schreibt ohne Punkte, lediglich Kommata und Fragezeichen. Das verstärkt die Sogwirkung der Erzählung. Von einem Haus an einem norwegischen Fjord und der Familie von Alise. Die Geschichte lässt viel Raum für eigene Interpretation.
Sie sagt, denkt er, sagt er, denkt sie, sie denkt ich denke, ich bin nicht intellektuell genug für die Geschichte, sage ich.
Je umständlicher das Buch desto mehr Nobelpreis. Denke ich.
Fosse und ich sind noch kein Match. Ich fand die Geschichte an sich sehr ansprechend, intensiv, traurig und schmerzend. Mit der Sprache hatte ich aber meine Mühe. Das ewige "sie denkt", "dachte er",.... ging mir so sehr auf die Nerven, dass es leider kein Lese-, resp. Hörgenuss mehr war.
Das ist Alise“ von Jon Fosse
aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
erschienen 2003 im Mare Verlag
114 Seiten
„… denn seit er verschwunden und nie wiedergekommen ist, ist nichts mehr, wie es war, die ist einfach hier, ohne hier zu sein,…“ (S. 5)
Ein altes Haus in Norwegen am Meer: Segne liegt auf einer Bank. Sie denkt an Asle, ihren Mann. Asle, der vor zwanzig Jahren mit seinem Boot bei Sturm und Regen hinaus zum Fjord fuhr und nicht wiederkehrte. Signes Gedanken kreisen um diesen Moment des letzten Aufeinandertreffens mit ihm und gehen weiter zur Geschichte der Familie. Sie traumwandelt zu Alise, der Ururgroßmutter , zu Kristoffer und seiner Frau Brita, die ihren Sohn ebenfalls an das Meer verloren haben.
Zentrale Elemente der Novelle ist das alte Haus mit seinen Bewohnern aus Vergangenheit und Gegenwart, das Boot, der Fjord und das unstete Meer. In dem Werk findet ein Perspektivwechsel zwischen den verschiedenen Charakteren statt. Während das Buch zunächst aus der Perspektive von Signe beginnt, wird sie später weiter fortgeführt von Asle, bis sie schließlich letztendlich bei Alise endet.
Stilistisch ist das Besondere, dass Satzzeichen sehr sparsam eingesetzt werden. Erst in der Mitte des Buches gibt es den ersten Punkt. Daneben fallen mir die vielen Wortwiederholungen auf. Das gibt dem Buch etwas meditatives und sehr ruhiges. Das Hauptaugenmerk liegt dabei meiner Meinung nach eher auf den Naturbeschreibungen und den Beziehungen der Protagonist:innen zueinander und weniger auf der Handlungsebene.
Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um mich an Fosses Erzählstil zu gewöhnen, zumal es das erste Buch des Nobelpreisträgers ist, das ich lese. Ich konnte mich aber schließlich durch die vielen metaphorischen Beschreibungen gut in die Szenerie hineinversetzen. Ein Buch, das ich gerne gelesen habe und allen empfehlen kann, die ruhige atmosphärische Bücher zu schätzen wissen, die zum nachdenken anregen.
Literaturnobelpreis-Autor lesen ist manchmal verwirrend
Die Geschichte fängt mit einer Frau an, die darüber siniert allein alt geworden zu sein, weil Ihr Partner vor 30 Jahren bei schlechtem Wetter mit seinem Boot auf den Fjord fuhr und nie zurückkehrte.
Die Dialoge zwischen den beiden karg, in der Erinnerung der Frau. Hätte sie etwas ändern können. Ihn zurückhalten? Wer weiß. Irgendwann vermischt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit. Sind es Albträume, Erinnerungen oder Gedanken? Keine Ahnung.
Die Verwandten haben auch schonmal geliebte Menschenverloren. Kinder sind ertrunken. Der Schmerz der verschiedenen Frauen, die den Verlust erlebten, parallel, obwohl Jahrzehnte dazwischen liegen.
Verwirrend.
„Gut so, sagt Signe
Nur ein bisschen spazieren, sagt Asle
Ja, geh du ruhig ein bisschen spazieren, sagt Signe“
Ein innerer Dialog zwischen Mann und Frau. Poetisch und etwas schwer greifbar, diese Sätze ohne Punkt (mit Komma).
In dieser schmalen Novelle in einem Haus am Fjord geht es um die alternde Signe, deren Mann Asle - den es immer wieder in seinem kleinen Boot auf den Fjord hinauszog - vor über 20 Jahren verschwunden ist. Signe sieht sich selbst in der Gegenwart und Vergangenheit, begegnet in Gedanken aber auch Asles Vorfahren, die seit Generationen in dem Haus leben.
Von der Grundidee hat mir dieses Buch gut gefallen, allerdings ist der Stil etwas speziell mit Bandwurmsätzen, die sich über Seiten erstrecken. Das ist sicher auch Geschmackssache, aber ich musste mich erst in den Schreibstil einfinden und mein Fall war er nicht, daher "nur" 4 Sterne.
Ein wunderbarer Jon Fosse. Wenn man sich auf seinen Schreibstil einlässt - ein Genuss. Das Leben und alles was dazugehört in knapp 120 Seiten gepackt. So direkt und schnörkellos.
Literaturpreisbücher und ich sind halt zwei Welten, die nicht zusammengehören...
Sehr extravaganter Schreibstil, fast alles ohne Punkt, nur durch Kommata voneinander getrennt. War für mich extrem schwer zu lesen und macht keine Lust auf mehr. Naja, muss ja auch mal Bücher geben, die ich nicht mag 😏...
Ganz große Erzählkunst in einem besonderen Schreibstil. Man kann sich dem Sog des Buchs kaum entziehen, auch weil die Sätze aufgrund meist fehlender Punktsetzung ineinander fließen.
Durch kleine Abänderungen bekommen die ständigen Wiederholungen innerhalb eines Satzes eine eindringliche Wirkung.
Nichts zum "Wegsnacken", der Text braucht und verdient volle Aufmerksamkeit.
Jon Fosses Werke sind Weltliteratur. Niemand verschiebt Raum und Zeit so gekonnt, wie Jon Fosse. Die Sprache minimalistisch, aufs Wesentliche reduziert, frei von störenden Satzzeichen - dem Leser zur Interpretion freigegeben. Die Einsamkeit des Menschen während seiner alltäglichen Dramen schildert Fosse so eindrücklich wie kein anderer.
„Das ist Alise“ greift die großen Themen Tod, Familie und Herkunft auf einfachste Weise auf. Das Drama liegt zwischen den Zeilen.
„Morgen und Abend“ von Fosse erinnert stark an „Das ist Alise“ - nicht nur, weil sich ganze Sätze wiederholen. Ich empfehle beide Lektüren als Einstieg zu Jon Fosse.
Eine Frau wartet vergeblich auf ihren Mann, Asle, der trotz schlechten Wetters nochmal mit seinem kleinen Boot ins Meer hinausfahren wollte, wie er es immer schon tat. Vor vielen Jahren hat schon einmal eine Frau am Fjord vergeblich auf ihren Mann gewartet: die Ururugroßmutter von Asle.
Und so wie sich diese Geschichten dort am Fjord zwangsläufig immer wiederholen, so ist diese Geschichte eine Ansammlung von sich wiederholenden Gedankenketten, Ereignisketten, erinnerten Gesprächen.
Mit ganz wenigen Worten und einem Stil, als höre man ein Lied oder ein Gedicht, gelingt es Fosse das Leben und die Gefühle seiner ProtagonistInnen sehr intensiv zu beschreiben.
Beeindruckend.
Eine generationenübergreifende Familiengeschichte, in der sich eine schicksalhafte Tragödie zu wiederholen scheint. Der Novelle liegt ein unverkennbarer Rhythmus und Klang zu Grunde, den man von Jon Fosse kennt.