War interessant hat mich jetzt aber nicht geprägt.

Das Buch war ein eindrucksvoller Roman über den Doppelgänger eines einfachen Kanzleibeamten, der ihm nach und nach das Leben wegnimmt. Anfangs war mir der Doppelgänger noch sympathisch, doch mit fortschreitender Handlung wurde er zutiefst unsympathisch und hinterlistig. Der Protagonist ist schüchtern und zurückhaltend, häufig in Gedanken verloren, wohingegen sein Doppelgänger das komplette Gegenteil davon ist. Ich war sehr beeindruckt wie gut Dostojewski es geschafft die Gefühle und Gedanken des Protagonisten zu porträtieren. Eine absolute Weiterempfehlung.
Nicht mein Stil
Ich habe bisher kein Buch von Dostojewski gelesen, liebe aber Klassiker. Daher dachte ich mir, darf er eigentlich nicht fehlen, da man oft von ihm hört. Ich habe aber nun bei Seite 40 circa abgebrochen. Der Schreibstil ist absolut nicht meins. Besonders die Gespräche der Charaktere sind schrecklich. In jedem einzigen Satz wird der komplette Name einer oder zwei Personen genannt. Also wirklich in JEDEM satz. Man könnte meinen, ok ignorier es einfach. Wenn die Gespräche denn wenigstens Inhalt hätten... Ich glaube die Geschichte an sich hat wahrscheinlich was an sich, ich werde mir irgendeine Zusammenfassung durchlesen, aber mit diesem Schreibstil werd ich leider gar nicht warm. Hier mal ein Beispiel: "Ich bin Ihnen dankbar, Krestjan Iwanowitsch, sehr dankbar und empfinde tief alles, was Sie jetzt für mich getan haben. Bis zum Grabe werde ich Ihre Freundlichkeit nicht vergessen, Krestjan Iwanowitsch", sagte Herr Goljadkin." Danach in dem satz kommt natürlich auch wieder "Krestjan Iwanowitsch" vor usw😭

In Der Doppelgänger erzählt Dostojewski die Geschichte eines Beamten namens Golyadkin, der eines Tages seinem eigenen Doppelgänger begegnet. Dieser sieht genauso aus wie er, ist aber ganz anders: selbstbewusst, beliebt und scheinbar überall dort erfolgreich, wo Golyadkin scheitert. Was wie ein merkwürdiger Zufall beginnt, wird schnell zu einem Albtraum. Der Doppelgänger nimmt Golyadkin Stück für Stück das Leben weg seine Stellung, seinen Ruf, sein Selbstbild. Golyadkin wird immer verzweifelter und weiß bald nicht mehr, was wirklich ist und was er sich nur einbildet. Dostojewski zeigt in diesem Buch, wie sehr ein Mensch unter inneren Konflikten leiden kann vor allem dann, wenn er sich selbst nicht annehmen kann. Gleichzeitig übt er Kritik an einer Gesellschaft, in der es mehr um Fassade als um echtes Menschsein geht. Was man aus dem Buch mitnehmen kann: ▶️ Wenn man sich selbst nicht liebt, kann einen das von innen auffressen. ▶️ Nicht jeder, der lächelt, ist ehrlich und nicht jeder, der ehrlich ist, wird akzeptiert. ▶️ Manchmal ist die größte Bedrohung nicht von außen, sondern in uns selbst. ▶️ Es ist wichtig, einen Platz in der Welt zu finden aber noch wichtiger, bei sich selbst zuhause zu sein. Ein intensiver Roman über Identität, Einsamkeit und den Wunsch, gesehen zu werden. Nicht leicht zu verstehen, aber umso wirkungsvoller. Daher nehmt euch doch gern die Zeit dafür.

Ein faszinierender psychologischer Abgrund
Dostojewski erschafft mit Der Doppelgänger eine intensive und beunruhigende Studie über Identität und Wahnsinn. Die Darstellung des inneren Zwiespalts der Hauptfigur ist meisterhaft und vermittelt eindrucksvoll den Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Seiten der Psyche. Auch wenn die komplexe Erzählweise stellenweise verwirrend sein kann, bleibt das Werk fesselnd und tiefgründig. Für mich eines der besten Bücher Dostojewskis – intensiv, verstörend und absolut lesenswert.





