Mal wieder überrascht mich die SZ-Krimibibliothek wirklich positiv mit einem Titel, den ich sonst vermutlich nie gelesen hätte. Ich hab noch einen Toten in Berlin (in Anlehnung an das alte Lied von Marlene Dietrich) von Ulf Miehe ist eine unkonventionelle Geschichte, die spannend und amüsant zu gleich ist. Ein Drehbuchautor und ein Regisseur sind auf der Suche nach neuem Stoff für ihren nächsten Film. Durch einen Kontakt im kriminellen Milieu erfahren sie, dass jede Woche ein Flugzeug mit dem Sold für die amerikanischen Soldaten in Berlin landet. Dieses Geld - ca. eine Million US-Dollar - wird dann durch die Stadt transportiert, um anschießend an die Soldaten verteilt zu werden. Der Transport ist nicht besonders gut bewacht, es wäre ein Leichtes, ihn zu überfallen. Die beiden beschließen, einen Film aus dieser Idee zu machen. Um ein möglichst realistisches Drehbuch zu schreiben, recherchieren sie in der Unterwelt, besorgen sich Waffen und falsche Pässe. Da kommt ihnen der Gedanke, das Ding doch einfach selbst zu drehen - im wahrsten Sinn des Wortes. Gangsterfilme sind normalerweise nicht so meins, ich mag lieber Krimis und Thriller aus Polizeisicht. Doch dieses Buch ist sehr gut gemacht, der Spannungsaufbau äußerst gelungen. Hier kommt dem Autor zugute, dass er selbst Drehbuchautor ist - was nicht immer etwas Gutes verheißt. Wer also auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Krimi ist, ist hier gut bedient.
23. Sept.Sep 23, 2022
Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek / Ich hab noch einen Toten in Berlinby Ulf MieheSüddeutsche Zeitung
