Die Geschichte ist ja schon allein deswegen interessant, weil sie 1938 geschrieben wurde. Das merkt man dann auch am Inhalt, Aufbau und Schreibstil. Und das hat mir sehr gut gefallen. Kein Schnick Schnack, keine unnötigen Dialoge oder Handlungen, die die Spannung in die Länge ziehen. Es war bis auf wenige Seiten sehr fesselnd und durchgehend unterhaltsam. Eine gute, kurzweilige Geschichte für zwischendurch.
Cornell Woolrichs "Die Leiche der Jane Brown" ist ein typisches Beispiel für den unnachahmlichen Stil des Autors, der ihn zum Meister des Noir gemacht hat. Wer seine Werke kennt, weiß, dass er eine einzigartige Fähigkeit besitzt, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen und den Leser in ein Netz aus Verzweiflung und Schicksal zu ziehen. Dieses Buch ist da keine Ausnahme und bietet eine packende, wenn auch düstere Leseerfahrung. Die Geschichte um den Piloten Penny O'Shaughnessy, der nach einem Absturz in der Wildnis auf ein abgelegenes Anwesen stößt und dort auf mysteriöse Ereignisse trifft, ist von Anfang an hochspannend. Woolrich zieht die Schraube der Spannung immer weiter an und lässt den Leser kaum Luft holen. Die surreal anmutende Handlung, in der eine tote Frau immer wieder zum Leben erweckt wird, ist genial verdreht und sorgt für eine ständige Grundspannung, die sich bis zum bitteren Ende hält. Woolrichs Prosa ist schnörkellos und prägnant, was der Geschichte ein rasantes Tempo verleiht. Er ist ein Meister darin, mit wenigen Worten maximale Wirkung zu erzielen und Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, die sich festsetzen. Die klaustrophobische Stimmung des abgelegenen Hauses und die undurchsichtigen Motive der Charaktere tragen maßgeblich zur beklemmenden Atmosphäre bei. Die typischen Woolrich-Themen wie Isolation, Paranoia und das unentrinnbare Schicksal sind allgegenwärtig und verleihen der Geschichte eine zusätzliche Tiefe. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Charaktere manchmal etwas blass bleiben und eher als Werkzeuge der Handlung dienen, um die bizarre Geschichte voranzutreiben. Manchmal wünschte man sich eine tiefere psychologische Ausleuchtung, um die Beweggründe noch besser zu verstehen. Dennoch ist dies typisch für Woolrichs Stil, bei dem die dichte Atmosphäre und die unerwarteten Wendungen im Vordergrund stehen. Zusammenfassend ist "Die Leiche der Jane Brown" ein Muss für Liebhaber des Noir-Genres und für alle, die Cornell Woolrichs einzigartige Erzählweise schätzen. Es ist ein Buch, das man nicht so schnell vergisst und das beweist, warum Woolrich zu Recht als einer der größten Spannungsschriftsteller gilt. Es ist ein düsterer, verstörender, aber auch brillanter Trip in die Abgründe der menschlichen Existenz
Ein gutes Buch für zwischendurch lies sich gut lesen,


