22. Jan.
Rating:3

Das Buch Tote erinnern sich versammelt Kurzgeschichten, die weniger als klassischer Horror, sondern vielmehr als Western-Pulp mit okkulter oder paranormaler Staffage funktionieren. Die meisten Texte bewegen sich in einem rauen Grenzland-Setting, in dem Gewalt, Tod und Gesetzlosigkeit bereits zur Normalität gehören. Das Übernatürliche tritt hier nicht als fundamentale Störung der Welt auf, sondern als zusätzliches Element, das bekannte Motive wie Aberglaube, verzerrte Mythologie oder pseudo-okkulte Vorstellungen aufgreift. Atmosphärisch bleiben viele Geschichten überraschend blass. Statt eines langsamen Aufbaus von Unbehagen dominiert ein hohes Erzähltempo, das auf Handlung, Konfrontation und schnelle Auflösung setzt. Der Grusel entsteht meist aus der Behauptung des Unheimlichen, nicht aus dessen spürbarer Präsenz. Dadurch entsteht Distanz, statt Sog. Die Rolle der Toten variiert stark: Sie erscheinen als unglückliche Wiederbelebte, als rachsüchtige Akteure oder gelegentlich als hilfreiche Instanz. Diese Vielfalt ist zunächst interessant, bleibt jedoch ohne übergreifendes Konzept. Die Toten tragen keine symbolische oder moralische Bedeutung, sondern erfüllen jeweils eine rein funktionale Rolle innerhalb der Handlung. Gewalt ist häufig präsent, wirkt jedoch im Kontext des Western-Settings stimmig und realistisch. Gerade dadurch verliert sie jede horrortypische Überhöhung: Der Tod ist endgültig, aber selten erschütternd oder existenziell nachwirkend. Auch die Figuren bleiben archetypisch – harte, stoische Männer ohne nennenswerte innere Entwicklung. Sie handeln, reagieren und sterben, ohne dass ihr Innenleben zur Atmosphäre beitragen könnte. Insgesamt ist der Band handwerklich solide und gut lesbar, bleibt jedoch deutlich hinter den Möglichkeiten seines Autors zurück. Wer gut geschriebene Western-Kurzgeschichten mit vereinzelten okkulten oder paranormalen Elementen sucht – ohne größere Tragweite oder nachhaltige Konsequenzen –, wird hier fündig. Für alle anderen zeigt "Die Toten erinnern sich" eher Robert E. Howard als routinierten Pulp-Autor denn als den atmosphärisch starken Erzähler, zu dem er andernorts fähig ist.

Tote erinnern sich
Tote erinnern sichby Robert E. HowardFesta Verlag