
Welch ein schwieriges Unterfangen. Kierkegaard wollte bewusst kompliziert erscheinen und noch schlimmer, Philosophie und Theologie vermischen, bzw. gegeneinander prallen lassen. Zum Thema Angst: Angst ist der „Schwindel der Freiheit“. Sie entsteht, wenn der Mensch erkennt, dass er unendlich viele Möglichkeiten hat – und damit die Last der Wahl trägt. Die Komplexität liegt im Paradox: Angst ist zugleich lähmende Qual und das Tor zur Größe, da sie uns aus der geistlosen Sicherheit reißt. Zum Thema Krankheit zum Tode: Die Verzweiflung ist die Krankheit, an der man nicht sterben kann. Sie ist der missglückte Versuch des Ichs, sich entweder selbst zu erschaffen oder sich selbst loszuwerden. Hier wird der Mensch als Synthese aus Endlichkeit und Unendlichkeit definiert, die nur durch den Bezug auf das Göttliche ins Gleichgewicht kommt. Der ungelöste Widerspruch: Die Schwierigkeit besteht darin, dass Kierkegaard Philosophie und Theologie nicht harmonisiert, sondern kollidieren lässt: Philosophisch fordert er die Vernunft bis zum Äußersten, nur um sie an ihr Ende zu führen. Theologisch verlangt er den „Sprung“, der für den Verstand ein absurder Widerspruch bleibt. Das System scheitert bewusst, denn für Kierkegaard lässt sich die Existenz nicht denken, sondern nur im Leiden und im Glauben vollziehen.
