1. Dez.
Rating:5

Einmal Freunde, immer Freunde? „Karnstedt und Simon waren Gefangene oder Soldaten im Kampf gegen die Welt oder […] Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel.“ (S. 161) Simon und Karnstedt – zwei ungleiche Freunde, die eins verbindet: sie werden in der Schule gemobbt. Karnstedt wegen seiner Haarlosigkeit aufgrund eines Gendefekts, Simon wegen seines Kleinwachstums. Außenseiter verbinden sich üblicherweise. Doch hält die Freundschaft ein Leben lang? Nun, (nicht nur) dieser Frage geht Autor Alexander Häusser in seinem jetzt neu aufgelegten und beim Bielefelder Pendragon-Verlag erschienenen Roman „Karnstedt verschwindet“ (Erstveröffentlichung: 2007, jetzt überarbeitet und erweitert) nach und packt auf 220 Seiten so viel Themen, wo andere Autor:innen je Thema ein Buch über 400 Seiten schreiben. Aber länger ist nicht immer besser. Das stelle ich in letzter Zeit immer wieder fest…Egal, zurück zu Karnstedt. Selbiger ist verschwunden und jetzt steht Simon vor dem „Trümmerhaufen“ des Karnstedt´schen Nachlasses in Dänemark. Während er die Papiere ordnet, erinnert er sich… …und nimmt die Leser:innen mit auf eine Reise in die Hintergründe einer besonderen Freundschaft, eines Geheimnisses seit Jugendtagen und in die Gefühlswelten von (pubertierenden) Jungs, die auf der Suche nach sich selbst manchmal auch jemand anderes finden und diesen Jemand am liebsten auf ewig an sich binden würden – manchmal auch zu einem hohen Preis. Alexander Häusser vermeidet es durch seine grandiose empathievolle Figurenzeichnung geschickt, dass man als Leser:in nur Mitleid mit Karnstedt und Simon oder nur „Hass“ für den Obermobber Tummer empfindet. Nein, jeder Charakter darf Stärken und Schwächen und somit komplett andere Seiten zeigen als die, die für ihn von Vornherein „festgelegt“ sind. Das ist großes Autorenkunst(hand)werk! Ein Roman, der nachwirkt und wie schon „Noch alle Zeit“ (ebenfalls von Alexander Häusser) einen Dauerplatz in meiner Bibliothek bekommt! 5* und absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic

Karnstedt verschwindet
Karnstedt verschwindetby Alexander HäusserPendragon