Ein Fall voller Verstrickungen und Millennial-Atmosphäre
**** Mein Eindruck **** Die Geschichte spielt im Jahr 1996 und transportiert dieses Setting unglaublich authentisch. Das Millennial-Feeling ist spürbar, vor allem durch die technischen Einschränkungen, die die Ermittlungen auf eine ganz eigene Weise prägen. Genau das verleiht dem Buch eine besondere Atmosphäre. Auch die Rauheit der Figuren passt perfekt in diese Zeit. Dazu kommen die historischen Gegebenheiten, insbesondere im Hinblick auf die irische Situation, die überzeugend und interessant in die Handlung eingebettet sind. Der Fall selbst ist komplex, durchweg brisant und wird mit jeder Seite undurchsichtiger. Die Verstrickungen nehmen zu und fordern Aufmerksamkeit – was mir dank des flüssigen Schreibstils und der dichten Atmosphäre jedoch leicht gefallen ist. Obwohl es sich um den dritten Band der Reihe rund um Wolf und Berg handelt, bin ich problemlos in die Geschichte eingestiegen. Es hat mir an keinen Stellen an Vorwissen gefehlt, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Besonders spannend fand ich die Dynamik zwischen den Figuren. Vera als Journalistin bringt eine erfrischende Perspektive hinein und unterstützt – oder treibt – die Ermittlungen teilweise sogar mehr voran als Wolf selbst, der als eher unkonventioneller Polizist ohnehin aus dem Rahmen fällt. Die Figuren insgesamt sind alles andere als gradlinig. Korruption, Unterstellungen und verschiedenste illegale Machenschaften ziehen sich durch die Handlung. Gleichzeitig begegnet man engagierten Ermittlern, scharfen Dialogen und einem hohen Einsatz für die Wahrheit. Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, was sich auch im Lesefluss bemerkbar macht. In den ersten beiden Abschnitten waren mir viele Zusammenhänge recht schnell klar, teilweise gab es Wiederholungen und ich war gedanklich schon einen Schritt weiter als die Ermittler. In den letzten drei Teilen drehte sich das für mich: Die Handlung wurde dichter, komplexer und ich hätte mir stellenweise etwas mehr Einordnung oder Wiederholung gewünscht, um den Überblick zu behalten. Dadurch wäre es mir leichter gefallen dem Ganzen nicht nur zu folgen, sondern aktiv mitdenken zu können. Trotz dieser Unausgewogenheit hat mich das Buch insgesamt sehr gut unterhalten. Gerade die Verknüpfung von Kriminalfall und Zeitgeschehen macht es zu etwas Besonderem. **** Empfehlung? **** Für alle, die komplexe Krimis mit historischem Setting und vielschichtigen Figuren mögen. Wer sich gerne auf Verstrickungen einlässt und eine dichte Atmosphäre schätzt, wird hier gut abgeholt.


