28. Jan.
Rating:5

Meist geht es bei den leisen, den introvertierten Kindern darum, dass ihnen gesagt wird, dass „sie mal aus sich herausgehen sollen“ oder „sich in der Schule einfach mehr melden sollen“. Viel zu selten sprechen wir von ihren Stärken und dass es gut ist, wie sie sind. „Lauter leise Kinder“ verspricht schon im Untertitel „Vom Glück, ein introvertiertes Kind zu haben“ etwas anderes. „Lauter leise Kinder“ ist ein Buch über die stillen, die leisen Kinder. Manchmal sind sie einfach ruhig, manchmal gibt es die, die schüchtern sind (schüchtern heißt nicht introvertiert), es gibt hochsensible Kinder, die ruhig sind und noch viele weiter Facetten der stillen Kinder. Das Buch ist in die folgenden Kapitel unterteilt: Vorwort Von still zu stark – lasst uns die Perspektiver wechseln Das Einmaleins der Stille – oder was hat mein Kind mit Barack Obama zu tun? Ist Stillsein angeboren oder anerzogen? Leise Mädchen, laute Jungen? Warum Stillsein (k)eine Frage des Geschlechts ist Gut gemacht! – Die Stärken der Stillen Die stille Revolution oder – wer darf mit zum Mars? Antje Kunstmann geht darauf ein, dass stille Kinder oft nicht nur nicht unterstützt, sondern auch oft nicht wahrgenommen werden, was dazu führen kann, dass sie sich nicht akzeptiert fühlen, vor allem, wenn ihnen das Stillsein auch noch vorgeworfen wird. Stille Kinder brauchen genauso Anerkennung wie die lauten und wenn sie nicht gesehen werden, kann es auf das Selbstwertgefühl und die Motivation schlagen. Antje Kunstmann fragt zu Recht „Wie anders und wie viel besser wäre die Schulzeit für sie und andere stille Kinder, wenn sie ihr Selbstbild nicht immer wieder verteidigen müssten gegen die Erwartungen, sie sollten anders sein als sie sind?“ Auch geht sie darauf ein, wie wir die ruhigen Kinder bestärken können und wie wichtig es ist, dass die Welt nicht nur aus Extrovertierten besteht. Introvertiertheit und Selbstbewusstsein schließen sich nicht aus, auch laut sein, eine Rampensau sein, ist als introvertierter Mensch möglich. Wir brauchen danach nur eine Pause, um uns von den Menschen zu erholen. „Lauter leise Kinder“ ist auch ein Aufruf an all diejenigen, die mit Kindern zu tun haben, auch den leisen Kindern Aufmerksamkeit und Anerkennung zu geben. Traut ihnen etwas zu! Durchsetzungsvermögen und Intelligenz hat nichts mit Lautstärke zu tun. Eine Gesellschaft profitiert davon, dass die Menschen unterschiedlich sind. Deshalb ist es wichtig, schon Kindern dies mitzugeben und sie zu stärken. Das ist das, was mir an dem Buch gefällt. Es holt uns auch als Eltern noch einmal ab und hilft uns, einen Schritt zurückzugehen, um die Situation von außen zu betrachten und relaxter zu sein. Schön, wenn der Kumpel vom Kind schon aufsteht und das Busticket allein kaufen kann. Das eigene Kind braucht noch ein wenig Unterstützung und wird es dann machen, wenn es sich soweit fühlt. Dies ist nicht leicht zu akzeptieren, aber wir tun unserem Kind einen Gefallen, wenn wir ihm Zeit geben, auch wenn andere eine andere Meinung dazu haben im persönlichen Umfeld. „Lauter leise Kinder“ ist ein Buch, dass Eltern leiser Kinder hilft, diese besser zu verstehen und zu stärken und Geduld mit der lauten Gesellschaft um sie herum zu haben. Und auch für diejenigen, die sich als Lehrer*innen, Erzieher*innen, Trainer*innen mit Kindern beschäftigen, ist es ein hilfreiches Buch zu mehr Verständnis und mehr Wahrnehmung der Stillen.

Lauter leise Kinder
Lauter leise Kinderby Antje KunstmannUllstein extra
28. Jan.
Rating:5

Meist geht es bei den leisen, den introvertierten Kindern darum, dass ihnen gesagt wird, dass „sie mal aus sich herausgehen sollen“ oder „sich in der Schule einfach mehr melden sollen“. Viel zu selten sprechen wir von ihren Stärken und dass es gut ist, wie sie sind. „Lauter leise Kinder“ verspricht schon im Untertitel „Vom Glück, ein introvertiertes Kind zu haben“ etwas anderes. „Lauter leise Kinder“ ist ein Buch über die stillen, die leisen Kinder. Manchmal sind sie einfach ruhig, manchmal gibt es die, die schüchtern sind (schüchtern heißt nicht introvertiert), es gibt hochsensible Kinder, die ruhig sind und noch viele weiter Facetten der stillen Kinder. Das Buch ist in die folgenden Kapitel unterteilt: Vorwort Von still zu stark – lasst uns die Perspektiver wechseln Das Einmaleins der Stille – oder was hat mein Kind mit Barack Obama zu tun? Ist Stillsein angeboren oder anerzogen? Leise Mädchen, laute Jungen? Warum Stillsein (k)eine Frage des Geschlechts ist Gut gemacht! – Die Stärken der Stillen Die stille Revolution oder – wer darf mit zum Mars? Im ersten Kapitel geht es darum, die Perspektive zu wechseln, Introvertierte mal mit anderen Augen zu sehen. Oftmals bekommen sie Stempel aufgesetzt, die wenig schmeichelhaft sind und nicht auf ihre Stärken eingehen, sondern es wird oftmals nur versucht, laute Menschen aus ihnen zu machen. Wenn wir sie stärken wollen, sollte laut sein nicht der Maßstab sein. Kapitel 2 thematisiert die Ausprägungen der Stille und welche Vorurteile es gibt. So vermuten viele bei Barack Obama nicht, dass er ein introvertierter Mensch ist, oder? Antje Kunstmann dröselt hier die Unterschiede zwischen Introversion, Schüchternheit und Hochsensibilität auf und zieht verschiedene wissenschaftliche Quellen hinzu. Um die Frage, ob Stillsein angeboren oder anerzogen ist, geht es im dritten Kapitel. Liegt es an mir, dass meine Kinder eher introvertiert oder extrovertiert sind oder ist eine Sache der Erziehung? Das vierte Kapitel schließt daran mit der Frage an, ob Stillsein eine Frage des Geschlechts ist. Hier werden Vorurteile überprüft und welche Auswirkungen sie haben. In Kapitel 5 geht es schließlich um die Stärken der Stillen und um das Problem der stillen Menschen: es wird ihnen einfach zu wenig zugetraut. Zu jedem Unterpunkt gibt es einen wissenschaftlichen Hintergrund, Tipps zur Stärkung der Stärken und ein Kind erzählt etwas aus seiner persönlichen Erfahrung dazu. Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Fantasie und Kreativität, Konzentration, Gelassenheit, Unabhängigkeit und Vorsicht und laut sein, wenn man es selbst will, sind die Stärken, die angesprochen werden. Wer darf mit zum Mars und warum – darum geht es im letzten Kapitel. Aber nicht nur darum. Es wird die Entwicklung aufgezeigt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Extroversion als Ideal gesehen wurde und wie es die Welt der Stillen verändert. Die wichtigste Message gibt Antje Kunstmann gleich am Anfang: Liebe leise Kinder, BLEIBT RUHIG, WIE IHR SEID! Es ist ein großes Geschenk für euch und für andere. Und ja, ich finde, das musste mal laut gesagt werden. Und geschrieben – in diesem Buch. Lauter leise Kinder, Antje Kunstmann Sie geht darauf ein, dass stille Kinder oft nicht nur nicht unterstützt, sondern auch oft nicht wahrgenommen werden, was dazu führen kann, dass sie sich nicht akzeptiert fühlen, vor allem, wenn ihnen das Stillsein auch noch vorgeworfen wird. Stille Kinder brauchen genauso Anerkennung wie die lauten und wenn sie nicht gesehen werden, kann es auf das Selbstwertgefühl und die Motivation schlagen. Antje Kunstmann fragt zu Recht „Wie anders und wie viel besser wäre die Schulzeit für sie und andere stille Kinder, wenn sie ihr Selbstbild nicht immer wieder verteidigen müssten gegen die Erwartungen, sie sollten anders sein als sie sind?“ Da ich selbst introvertiert bin, finde ich das Thema gerade auch im Hinblick auf die stillen Kinder interessant. Es erklärt mir im Nachhinein vieles und mittlerweile weiß ich, dass ich so, wie ich bin, völlig in Ordnung bin und wünsche mir, dass ruhige Kinder heute damit aufwachsen können, dass sie so wie sie sind, gut sind. Es ist so wichtig, Kinder in all ihren Ausprägungen zu akzeptieren und sie nicht verändern zu wollen. Leise Kinder sollten leise sein dürfen und nicht als „merkwürdig“ angesehen werden. Da ist es eine Freude zu lesen, dass es mittlerweile auch bei einigen wenigen Schule schon angekommen ist, dass sich am Bewertungssystem etwas ändern muss und auch kann. Antje Kunstmann geht darauf ein, wie wir die ruhigen Kinder bestärken können und wie wichtig es ist, dass die Welt nicht nur aus Extrovertierten besteht. Introvertiertheit und Selbstbewusstsein schließen sich nicht aus, auch laut sein, eine Rampensau sein, ist als introvertierter Mensch möglich. Wir brauchen danach nur eine Pause, um uns von den Menschen zu erholen. „Lauter leise Kinder“ ist auch ein Aufruf an all diejenigen, die mit Kindern zu tun haben, auch den leisen Kindern Aufmerksamkeit und Anerkennung zu geben. Traut ihnen etwas zu! Durchsetzungsvermögen und Intelligenz hat nichts mit Lautstärke zu tun. Eine Gesellschaft profitiert davon, dass die Menschen unterschiedlich sind. Deshalb ist es wichtig, schon Kindern dies mitzugeben und sie zu stärken. Das ist das, was mir an dem Buch gefällt. Es holt uns auch als Eltern noch einmal ab und hilft uns, einen Schritt zurückzugehen, um die Situation von außen zu betrachten und relaxter zu sein. Schön, wenn der Kumpel vom Kind schon aufsteht und das Busticket allein kaufen kann. Das eigene Kind braucht noch ein wenig Unterstützung und wird es dann machen, wenn es sich soweit fühlt. Dies ist nicht leicht zu akzeptieren, aber wir tun unserem Kind einen Gefallen, wenn wir ihm Zeit geben, auch wenn andere eine andere Meinung dazu haben im persönlichen Umfeld. „Lauter leise Kinder“ ist ein Buch, dass Eltern leiser Kinder hilft, diese besser zu verstehen und zu stärken und Geduld mit der lauten Gesellschaft um sie herum zu haben. Und auch für diejenigen, die sich als Lehrer*innen, Erzieher*innen, Trainer*innen mit Kindern beschäftigen, ist es ein hilfreiches Buch zu mehr Verständnis und mehr Wahrnehmung der Stillen.

Lauter leise Kinder
Lauter leise Kinderby Antje KunstmannUllstein extra
6. März
So viel mehr als erwartet
Rating:5

So viel mehr als erwartet

Der Titel verleitete mich zu einem näheren Blick auf den Inhalt, der dann mein Leseinteresse herauf beschwor. Die Autorin schreibt hier einerseits von ihren eigenen Erfahrungen und denen mit ihren vier Kindern, innerhalb ihrer Familie und der Gesellschaft. Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass die Autorin zwar (auch) von den Erfahrungen ihrer Kinder schreibt, dies aber überträgt auf frei erfundene andere Persönlichkeiten, die zwar ähnlich aber nicht unbedingt identisch zu ihren Kindern sind. Insbesondere aus Gründen der eigenen Entscheidung und des Persönlichkeitsschutzes gefällt mir dies außerordentlich gut. Denn inhaltlich ändert es nichts, macht es Dinge und Charakterzüge nicht weniger wahr, nur weil es versteckte Own Voice Berichte sind. Insbesondere in Zeiten in denen dies vielfach gefordert und erwartet wird - über Dinge zu schreiben, die man selbst erlebt (hat)- ist das ein treffendes Zeichen. Allgemein enthält dieses Buch eine gelungene sachliche Einordnung von der Vielfalt der Menschen - unter vorhandenen charakterlichen Eigenheiten im Vergleich. Natürlich gehört dazu auch eine gewisse Verallgemeinerung, aber es gibt auch immer wieder eine diesbezügliche Relativierung. Was ist Extrovertiertheit? Was ist Introvertiertheit? Was macht Menschen allgemein aus als extro- oder introvertierter Charakter? Abgesehen von vielen sachlichen Informationen, die erfreulich vielseitig mit entsprechenden Quellen als Fußnoten gekennzeichnet und am Ende des Buches näher bezeichnet sind, gibt es Beispiele als konkrete Einblicke in Situationen der unterschiedlichen Lebensbereiche. Es gibt Gedanken zum Umgang miteinander- egal wie jemand menschlich ausgerichtet ist und konkrete Möglichkeiten, die weit über die bloße Akzeptanz hinaus geht. Die Betrachtung der möglichen Vor- und Nachteile in unterschiedlichen Bereichen ist so wertschätzend und respektvoll, dass spätestens nach der Lektüre dieses Buches jeder und jedem klar sein dürfte, dass es in der Gesellschaft für jeden Menschen in der jeweiligen Vielfalt den richtigen Platz gibt - wenn man denn bereit ist, es zu zu lassen und nicht alle gleich laut und extrovertiert formen zu wollen. Extrovertiert- warum nicht alle, die laut sind es immer sein sollten. Introvertiert- warum nicht alle, die leise erscheinen es immer sind. Und vor allem: Warum wir in unserer Gesellschaft gut daran tun ein gutes Miteinander auf Augenhöhe, unabhängig von der eigenen Lautstärke, anvisieren sollten um gegenseitig zu profitieren und alle Vorteile zu nutzen. Ich habe zwar ein interessantes Buch erwartet, aber dieser Inhalt ist dabei noch so viel mehr für mich gewesen. Es öffnet mich und meinen Blick, obgleich ich dachte, dass ich bereits sehr offen war. Eine erstaunliche Leseerfahrung, die noch länger nachhallen wird.

Lauter leise Kinder
Lauter leise Kinderby Antje KunstmannUllstein extra