7. Feb.
Rating:3.5

Schöne Sprache, aber altertümliche Übersetzung. Bisschen viel Pathos. Hilft gegen meine Bildungslücken betreffend Frankreich im 19. Jahrhundert.

Der erste Teil der Rougon-Macquart-Klassiker Reihe von Émile Zola schildert die Ereignisse rund um den französischen Staatsstreich von 1851, der im zweiten französischen Kaiserreich mündete, anhand der fiktiven provenzalischen Stadt Plassans, die, wie ich inzwischen von Wikipedia gelernt habe, auf der Stadt der Kindheit Zolas, Aix-en-Provence, sowie der Stadt Lorgues beruht, wo sich der im Buch geschilderte Aufstand in ähnlicher Form tatsächlich ereignet hat. Protagonisten sind die verschiedenen Mitglieder der beiden Familien Rougon und Macquart, die alle von der „gefallenen“ Kleinadeligen Adelaide Fouquet, später „Tante Dide“ genannt, abstammen. Während das Leben der meisten Nachkommen von Armut und Alkoholsucht geprägt ist, hat es Pierre geschafft, sich durch Betrug an seinen Geschwistern einen (sehr) bescheidenen Wohlstand zu ergaunern, was aber weder seinen Ambitionen noch denen seiner ehrgeizigen Ehefrau Felicité gerecht wird. Zwei weitere Protagonisten sind der junge, idealistische Enkel von Tante Dide, Silvère, und seine blutjunge Freundin Miette. Die Handlungsstränge vereinen sich in der Kumulation der Aufstandsbewegung, die für einige Charaktere tödlich endet, für andere im sozialen Aufstieg. Émile Zolas Geschichte ist ein wenig mit Pathos überfrachtet, aber bildsprachlich sehr schön geschrieben. Die vorliegende Übersetzung, deren Urheber ich gerade ums Verrecken nicht ermitteln kann, obwohl ich der Meinung bin, den Namen irgendwo gelesen zu haben, ist ein wenig altertümlich gehalten, insbesondere liebt er die Verwendung des Wortes „allein“ im Sinne von „jedoch“ (wäre interessant, zu wissen, ob Zola ebenfalls eine Vorliebe für ein entsprechendes Wort hatte) und des veralteten literarischen „Dativ-e“ am Ende von Substantiven, was zu Sätzen führt wie „Daher habe ich eine Kugel an meinem Ohre vorüberpfeifen hören“, was mich aber nicht weiter gestört, sondern im Gegenteil eher amüsiert hat. Die Lektüre lohnt sich meiner Meinung nach trotz einiger Längen insbesondere bei Interesse an den historischen Vorgängen, von denen ich, wie ich gestehen muss, nicht sehr viel wusste, da Frankreich bisher nicht so das Zentrum meines geschichtlichen Interesses bildete. Der Roman und, wie ich vermute, die ganze Reihe, sind eben doch viel zugänglicher als die meisten trockenen Geschichtsbücher. Ich freue mich darauf, die weiteren Teile der Reihe zu hören, „Nana“ und „Das Paradies der Damen“ kenne ich ja bereits. Der Sprecher der Gehörgäng, Thomas Schendel, macht seinen Job sehr gut.

Das Glück der Familie Rougon
Das Glück der Familie Rougonby Émile ZolaOutlook Verlag
21. Sept.
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Rating:3

Heute möchte ich euch den Roman 'Das Glück der Familie Rougon' (orig. La Fortune des Rougon) von Émile Zola, erschienen im Jahre 1871, vorstellen. Ins Deutsche übertragen nach der von Maurice Le Blond besorgten, bei François Bernouard erschienenen Gesamtausgabe von Zolas Werken, Band 2, Paris 1927. Es handelt sich um den ersten Band des monumentalen, zwanzigbändigen Rougon-Macquart-Zyklus. Der Roman erzählt den bewegenden Beginn der Familiensaga rund um die Rougons, Macquarts und Mourets zur Zeit des Staatsstreichs von 1851. Im Zentrum stehen Pierre Rougon, der ehrgeizig um gesellschaftlichen Aufstieg kämpft, und sein idealistischer Neffe Silvère Mouret, der sich voller Hoffnung der republikanischen Bewegung anschließt. Zwischen politischem Umbruch, familiären Spannungen und der düsteren Atmosphäre der südfranzösischen Stadt Plassans entfaltet sich ein fesselndes Panorama aus Macht, Liebe und sozialem Schicksal. Der Schreibstil von Émile Zola ist detailliert und bildreich, gleichzeitig aber auch sehr beschreibend. Dies führt teilweise dazu, dass das Buch etwas langatmig wirkt, vor allem durch die zahlreichen Personen, die einem vorgestellt werden. Zwischendurch habe ich den Überblick über die Beziehungen innerhalb der Familie und die einzelnen Handlungsstränge verloren, was das Lesen etwas erschwert hat. Positiv hervorzuheben ist die sorgfältige Charakterzeichnung und die detailreiche Darstellung der gesellschaftlichen Strukturen, die einen guten Einblick in die damalige Zeit geben. Dennoch zieht sich die Handlung stellenweise, und manche Szenen wirken wiederholend oder unnötig ausführlich. Trotz dieser Kritikpunkte hat mich die Geschichte neugierig auf den weiteren Verlauf gemacht. Es ist immerhin nur das erste Band, und ich bin gespannt, wie sich die Familien in den folgenden Bänden entwickeln werden. Insgesamt ein interessanter Einstieg in die Welt der Rougons, der jedoch Geduld erfordert und nicht durchgehend fesselt. Ich vergebe 3 von 5 Sterne. ✨️

Das Glück der Familie Rougon
Das Glück der Familie Rougonby Émile ZolaOutlook Verlag