1. Mai
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Rating:5

Dieses schmale Buch (100 Seiten) ist Teil einer Reihe, in der Autor*innen über Fußballspieler schreiben. Barbi Marković hat sich 'Piksi' ausgesucht (der Spitzname eines serbischen Fußballers), der letztlich im Text aber nur eine Nebenrolle spielt. Sie erzählt von ihrer Kindheit mit ihrem Vater auf Fußballplätzen, von der Distanz zwischen ihnen, der Trennung der Eltern und wie er gerne gehabt hätte, dass sie Fußball spielt. Sie erzählt von Fußball als Symptom des beginnenden Krieges. "Wir wechseln zum Zerfall: Überall werden Kriegsmetaphern angewandt, besonders im Fußball. Und im Krieg werden Fußballmetaphern angewandt. Aber Fußballmetaphern sind ohnehin zu siebzig Prozent Kriegsmetaphern. Die Kriegsmetaphern im Krieg sind allerdings keine Metaphern." Da geht es um das angesetzte Fußballspiel zwischen Roter Stern Belgrad und Dinamo Zagreb, das nach Ausschreitungen nicht stattfindet. Und im Viertelfinale der WM 1990 - Argentinien gegen Jugoslawien - kommt die Mannschaft noch einmal zusammen und auch die Menschen rücken zusammen und hoffen. Der Text ist angelehnt an den Stil einer Sportreportage. Er balanciert Schwere und Humor. Ich fand ihn stark.

Piksi-Buch
Piksi-Buchby Barbi MarkovićVerlag Voland & Quist
11. März
Rating:4.5

Kurzweilig und unterhaltsam trotz dramatischer Grundlage

Piksi Buch von Barbi Marković, erschienen im Oktober 2024 beim Verlag Voland & Quist, vereint in meinen Augen zwei verschiedene Welten miteinander. Zum einen liest sich der Roman wie eine unterhaltsame Fußball-Reportage im Radio, legt ein schnelles Tempo vor und enthält auch viele Informationen über die (Fan-)Kultur des Fußballsports (dabei wird auch darauf aufmerksam gemacht, dass viele Begriffe der Spielreportage sich des Vokabulars der Kriegsberichterstattung bedienen). Zum anderen ist auch ein persönliches/autofiktionales Schicksal der jungen acht- bis neunjährigen Barbi eingewoben, wobei eine emotional aufreibende Geschichte eines Trennungskindes verhandelt wird. Barbi scheint unter großem Druck zu stehen, für ihren Vater Slobodan Marković keine Enttäuschung zu sein. Dabei steht sie immer wieder vor unüberwindbaren Herausforderung und flüchtet sich viel lieber in eigene Erzählungen und Fantasiegebilde. Trotz emotionalem Hintergrund fehlt es der Geschichte keinesfalls an Humor. Wie bereits in Minihorror, fließt der Humor der Autorin ganz beschwingend in das Erzählte mit ein. Immer wieder findet auch eine Betrachtung der Erzählung aus der Meta-Ebene statt und man kann das erzählende Ich in ihren Denkprozessen förmlich begleiten. Mir hat auch die Aufmachung des Buches gefallen, welches an das Pixi-Buch meiner Kindheit erinnert. Was allerdings wirklich dahintersteckt - müsst ihr wohl beim Lesen selbst herausfinden.

Piksi-Buch
Piksi-Buchby Barbi MarkovićVerlag Voland & Quist
2. März
Rating:3

Mit "Piksi-Buch" verarbeitet Barbi Marković ihre Kindheit in einer von Fußball geprägten Welt. Die 1980 in Belgrad geborene Autorin studierte Germanistik, arbeitete als Lektorin und schreibt seit Jahren Romane, die oft zwischen Autobiografie, Gesellschaftskritik und experimentellen Erzählformen changieren. Ihr Roman Superheldinnen wurde mehrfach ausgezeichnet, und 2024 erhielt sie für "Minihorror" den Preis der Leipziger Buchmesse. Piksi-Buch ist eine Reflexion über das Aufwachsen in einer Fußballkultur, die mehr von Wettbewerb als von Zugehörigkeit geprägt ist. Worum geht’s genau? Die Hauptfigur Barbi, wächst in Jugoslawien der späten 1980er und frühen 1990er Jahre auf. Ihr Vater ist eine Fußballlegende, und ihr Umfeld erwartet von ihr, dass sie die gleiche Begeisterung für den Sport entwickelt. Doch während die Gesellschaft in Mythen um den Starspieler Piksi schwelgt, fühlt sie sich immer fehl am Platz. Fußball ist für sie kein Traum, sondern eine erzwungene Realität, in der sie sich zu behaupten versucht. Die Erzählstruktur orientiert sich an einem Fußballspiel: Nach einer ersten Halbzeit folgt eine Pause mit Gedichten, danach die zweite Halbzeit. Dabei vermischt Marković Erinnerungen mit Fantasie und spielt mit den Konventionen der Sportreportage. Meine Meinung Ich habe das Buch im Rahmen eines Buchclubs gelesen und fand es interessant, aber nicht durchgehend fesselnd. Der geringe Umfang macht es zu einer schnellen Lektüre, doch der Schreibstil konnte mich nicht völlig überzeugen. Die Sprache ist stark an Sportreportagen angelehnt, mit schiefen Vergleichen und pathetischen Formulierungen, die das Geschehen oft überhöhen. Während diese stilistische Entscheidung sicherlich bewusst getroffen wurde, hat sie mich nicht immer mitgenommen – teilweise schien sie Distanz zwischen mir als Leser:in und Geschichte zu erzeugen. Inhaltlich finde ich spannend, wie Marković die Perspektive eines Mädchens einnimmt, das sich in einer männerdominierten Fußballwelt behaupten muss. Sie schildert eindringlich, wie sehr ihr Umfeld von diesem Sport bestimmt wird und welche Erwartungen damit verbunden sind. Besonders berührend ist die Beziehung zum Vater – erst erwartet er von seiner Tochter, dass sie sich für Fußball begeistert, dann verlässt er schließlich die Familie. Hier entsteht eine Art Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und der Suche nach einer eigenen Identität. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit manchen Passagen des Buches, insbesondere mit den Gedichten in der Halbzeitpause, die sich mir in ihrer Bedeutung nicht immer erschlossen haben. Zudem könnte der Titel Piksi-Buch etwas irreführend sein, da Piksi selbst nur eine Nebenrolle spielt – vielmehr ist er eine Metapher für den Fußballkult an sich. Es geht letztlich mehr um die Erinnerungen der Autorin und weniger um den Mythos des Spielers. Positiv hervorzuheben ist, dass Marković auf subtile Weise auf die gesellschaftlichen Veränderungen in Jugoslawien zur damaligen Zeit eingeht. Das Buch vermittelt ein Gefühl für die letzten Tage eines Landes, das bald zerfallen wird, und für die damit verbundene Unsicherheit. Gerade diese historische Einbettung macht das Buch auch über das Thema Fußball hinaus interessant. Fazit "Piksi-Buch" ist ein Roman, der experimentell mit Sprache und Struktur spielt und gleichzeitig eine persönliche Geschichte erzählt. Während einige Ansätze sehr gelungen sind – insbesondere die Darstellung der kindlichen Perspektive und die Reflexion über Fußball als Identitätsfrage –, konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Manche Elemente blieben für mich schwer verständlich, und der Stil hat mich nicht immer angesprochen. Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Sternen – ein lesenswertes, aber nicht uneingeschränkt überzeugendes Buch.

Piksi-Buch
Piksi-Buchby Barbi MarkovićVerlag Voland & Quist
17. Nov.
„Piksi-Buch“ ist eine kultige Gratwanderung zwischen absurdem Spaß, melancholischer Reflexion und unbändiger Energie.
Rating:5

„Piksi-Buch“ ist eine kultige Gratwanderung zwischen absurdem Spaß, melancholischer Reflexion und unbändiger Energie.

Willkommen in einer Welt, in der der Fußballplatz zur Bühne des Lebens wird: Barbi Markovic entführt uns mit „Piksi-Buch“ in die raue, pulsierende Realität des Belgrads der späten 1980er Jahre und erzählt eine Geschichte, die so unkonventionell ist wie ihre Protagonisten. Doch das Buch ist weit mehr als eine Fußballgeschichte. Es ist eine wilde Mischung aus Familiengeschichte, Gesellschaftsporträt und fiebertraumhafter Reportage, die die Leser:innen mit Humor, Absurdität und brachialer Wucht in ihren Bann zieht. 🔴Die vollständige Rezension unter buecherherbst.blog🔴https://wp.me/p6Jf6o-3gw🔴 Die Erzählung dreht sich um das Leben rund um den Fußballplatz – nicht das Spiel selbst steht im Vordergrund, sondern die Begegnungen, die dort stattfinden. Es ist aber mehr als eine Hommage an den Fußball. Vor dem Hintergrund des damaligen Belgrads entfaltet sich die Perspektive einer achtjährigen Erzählerin, die ihre Kindheit eher unfreiwillig am Rande des Fußballplatzes verbringt. Es geht um die Beziehung zu ihrem Vater, der für das Mädchen eine prägende Figur ist, und um den Fußball als verbindendes Element und zugleich als Metapher für größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Das Buch wirft auch die großen Fragen auf: Was bedeutet Zusammenhalt in einer zerrissenen Gesellschaft? Kann ein einfaches Fußballspiel ein ganzes Land zusammenhalten? Barbi Markovic verbindet auf virtuose Weise persönliche und kollektive Ebenen, erzählt von den kleinen Momenten, die große Tragödien spiegeln, und lässt die Leser:innen mit einem bittersüßen Gefühl zurück. „Piksi-Buch“ ist eine kultige Gratwanderung zwischen absurdem Spaß, melancholischer Reflexion und unbändiger Energie.

Piksi-Buch
Piksi-Buchby Barbi MarkovićVerlag Voland & Quist