8. Mai
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Rating:4

MEISTERHAFTE ATMOSPHÄRE MIT KLEINEN SCHWÄCHEN! Dein Ende wird dunkel sein von Michelle Paver ist kein Buch, das man liest um sich zu amüsieren. Es ist ein Buch, das man liest, um die Einsamkeit und das Grauen in der Arktis am eigenen Leib zu erfahren. 1937: Fünf Männer brechen zur Arktis-Expedition auf. Doch die Polarnacht naht, und einer nach dem anderen muss die Station verlassen. Jack bleibt allein zurück, in einer Dunkelheit, die nicht so leer ist, wie sie scheint. Die größte Stärke des Romans ist unbestreitbar das Setting. Die Autorin schafft es, die Arktis nicht nur als Kulisse, sondern als eigenen, feindseligen Charakter darzustellen. Besonders die Beschreibung der Polarnacht, dieses Gefühl, wenn die Sonne monatelang nicht aufgeht und die Dunkelheit zur physischen Last wird, ist absolut brillant. Auch der Schreibstil und die Erzählweise passen hervorragend zur Geschichte. Die Tagebuchform funktioniert perfekt und sorgt dafür, dass die bedrückende Stimmung dauerhaft erhalten bleibt. Der ruhige, klassische Schreibstil harmoniert dabei ideal mit dem historischen Setting von 1937. Wer Spannung und eine atmosphärische Geschichte sucht, ist hier genau richtig. Paver setzt auf subtilen, psychologischen Horror. Die Angst entsteht im Kopf, durch Geräusche, Schatten und das Gefühl, niemals wirklich allein zu sein. Die Spannung baut sich extrem langsam auf, wodurch der Roman zu einem echten Slow Burner wird. Genau dieses langsame Pacing könnte allerdings nicht jedem gefallen. Besonders in der ersten Hälfte passiert handlungstechnisch eher wenig, weshalb an manchen Stellen Geduld gefragt ist. Auch das Ende kommt etwas aprupt und hätte noch etwas ausführlicher sein dürfen. Trotz kleiner Schwächen überzeugt das Buch mit einer meisterhaften Atmosphäre und starken eisigen Vibes.

Dein Ende wird dunkel sein
Dein Ende wird dunkel seinby Michelle PaverROWOHLT Polaris
24. Aug.
Rating:5

London 1937: Der 28-jährige Jack lebt einsam, in ärmlichen Verhältnissen und will sein Leben dringend ändern. Als ihm die Möglichkeit geboten wird, an einer Arktisexpedition teilzunehmen, ergreift er diese Chance sofort. Die Stimmung ist gut, als das Schiff Norwegen verlässt und obwohl sich Jack nicht direkt mit allen versteht und sich oft nicht zugehörig fühlt, will er sich mit den vier anderen Forschern und den acht Huskys so gut es geht arrangieren. Endlich erreichen sie Gruhuken und die abgelegene, unbewohnte Bucht, in der sie das nächste Jahr verbringen werden, aber der arktische Sommer ist kurz. Und als die Polarnacht kommt und das Land in Dunkelheit hüllt, verspürt Jack ein schleichendes Unbehagen, das zusätzlich dadurch verstärkt wird, dass ein Begleiter nach dem anderen das Lager verlassen muss. Bald steht er allein da und vor einer schweren Entscheidung: Bleiben oder gehen? Denn wenn das Meer zufriert, wird eine Abreise unmöglich. ➸ "Dein Ende wird dunkel sein" schlummert jetzt schon einige Jahre auf meinem SuB und auch wenn der Sommer, atmosphärisch gesehen, nicht unbedingt die beste Jahreszeit ist, um über einsame und vereiste Schneelandschaften zu lesen, hat es mich dennoch zu dieser Geschichte hingezogen - und ich bereue es kein bisschen! Es ist definitiv eine Kunst, eine gute Geistergeschichte zu schreiben, und eines der wichtigsten Elemente ist dabei für mich die Authentizität. Denn wenn man als Leser nicht vergessen kann, dass die vorliegende Geschichte reine Fiktion ist, verliert sie für mich relativ schnell an Kraft und mein Interesse lässt nach. Michelle Paver ist es aber zweifellos gelungen, mich in ihren Bann zu ziehen und das lag zum einen an ihren hervorragenden Beschreibungen der gefrorenen Ödlande der Arktis und der leeren, unberührten und einsamen Landschaft, die Jack zunächst genießt, dann aber mit immer Entsetzen betrachtet. Und da wären wir schon beim zweiten Punkt, der mir ausnahmslos gut gefallen hat: Die Darstellung von Jacks zunehmender Angst, Paranoia und Verwirrung, als er allein den Schrecken von Gruhuken und seiner endlosen Dunkelheit gegenübersteht. Dabei sind diese Szenen mit so wenigen Pinselstrichen wie möglich gemalt, sodass der Leser im klassischen Stil Raum hat, seine eigenen Albtraumvorstellungen zu entwickeln. Auch merkt man der Geschichte sehr gut an, dass die Autorin einiges an Recherchearbeit betrieben und selbst mehrere Reisen in die beschriebenen Regionen unternommen hat. So erhält man in "Dein Ende wird dunkel sein" mittels Jacks Tagebucheinträgen einige Informationen über norwegische Folklore, wissenschaftliche Expeditionen der damaligen Zeit und ein detailliertes Bild davon, wie eine Hütte dort aussehen würde, was er und seine Kollegen aßen, wie die Pflege von Schlittenhunden aussieht oder wie man mit einem Fahrrad ein Funkgerät zum Laufen bekommt. Die Trostlosigkeit, die Enge und das raue Klima werden lebhaft beschrieben. Es gibt Beschreibungen von beengten Räumen, dem Leben mit übelriechenden Kleidungsstücken und schließlich von Klaustrophobien, Einsamkeit und Dunkelheit. Fazit: "Dein Ende wird dunkel sein" ist eine atmosphärische Geschichte, die wunderschön geschrieben ist, jedoch in manchen Passagen eher einem Albtraum gleicht. Jack, erstmal allein auf sich gestellt, merkt schnell, dass er weder Held noch Abenteurer ist und die imaginäre und reale Feindseligkeit der Landschaft, trotz ihrer Schönheit, sein Ende bedeuten könnte. Von mir gibt’s eine klare Leseempfehlung!

Dein Ende wird dunkel sein
Dein Ende wird dunkel seinby Michelle PaverROWOHLT Polaris