in diesem Theaterstück lassen nämlich bereits viele der zentralen Themen, die Kästner immer wieder in seinen Werken aufgreifen wird, erkennen. Dennoch ist es mir persönlich an manchen Stellen in der Charakterzeichnung zu plakativ und hart. Hier finde ich, dass man den späteren Werken deutlich anmerkt, dass es Kästner einfühlsamer gelingt, Schwächen subtil aufzuzeigen, ohne abwertend-moralisierend daher zu kommen.
Die Eltern von Klaus und seiner jüngeren Schwester Kläre sind mehr mit sich selbst und ihrem eigenen Leben beschäftigt, sodass für ihre Kinder kaum noch gemeinsame Zeit übrig bleibt und diese vernachlässigt werden. Gegenseitiges, einfühlsames Verständnis ist fehl am Platz.
Zeit, die Rollen mal zu tauschen und die Kinder die Erwachsenen spielen zu lassen, während die Eltern in der Schule pauken und vor allem immer und überall gehorchen müssen.
Genau das geschieht, nachdem die beiden Kinder, mal wieder abends von den Eltern alleine zuhause gelassen, von einer mysteriösen Stimme in den Kleiderschrank gelockt werden und plötzlich an einem Filmset landen. Dort finden sie erstaunlicherweise nicht nur ihre Eltern vor, sondern auch den Kinderstar Jackie Coogan und noch dazu Charlie Chaplin, der über eben diesen Film, in dem die Familienrollen vertauscht werden, Regie führt.
Erst 86 Jahre nach Entstehung wurde dieses Stück zum ersten Mal aufgeführt und zwar am 03. November 2013 am Schauspielhaus Dresden. Die erstmalige Veröffentlichung in Buchform ließ dann noch über ein Jahrzehnt auf sich warten.
Dabei ist dieses Stück nicht nur kurzweilig, humorvoll und klug, sondern greift auch Kästners spätere Themen gewissermaßen voraus und geht tiefer, als es sich auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt. So sind es die Erwachsenen, die Kinder erziehen wollen – oder müssen – und doch gar nicht mehr wissen, was es überhaupt heißt, Kind zu sein. Ganz nach Kästners Devise: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“
Wie soll jemand Kindern gerecht werden können, wenn er seine Kindheit längst – wie ein lästiges Laster – abgelegt hat?
Dabei ist diese Komödie radikaler, denn Klaus‘ Vater wird, da er nicht prompt gehorchen möchte, auf eine elektrische Schaukel gesetzt.
Ganz grundlegend ist es schade und noch dazu ein großer Fehlschluss der deutschen Theaterlandschaft, dass Kästners unglaublich gute Komödien erstens so gut wie nie aufgeführt und zweitens erst überhaupt nicht gewürdigt werden.
Nicht mein Lieblings-Kästner, aber vielleicht etwas für Theaterfans!
Ich bin eigentlich ein sehr großer Erich Kästner Fan, aber im Vergleich zu seinen anderen Werken finde ich, kann dieses Theaterstück nicht mithalten. Die klassische Kästner-Moral ist natürlich enthalten: Das innere Kind gilt es zu wahren. Es ist zugegebenermaßen unterhaltsam geschrieben und für seine Entstehungszeit sehr modern, konnte mich aber nicht so überzeugen, wie seine Gedichte oder Romane (die sind wiederum sehr zu empfehlen). Dies lag jedoch auch an der Form - ich zähle wohl zu den Menschen, die lieber Epik oder Lyrik lesen.
Ein sehr berührendes, so liebevolles Weihnachtsstück
97 Jahre nach Fertigstellung ist Erich Kästners erstes längeres Werk, ein Theaterstück, nun als Buch erhältlich. Die Story wurde damals für zu modern befunden und wirkt mittlerweile doch niedlich antiquiert. Aber was für ein Glücksfund, welcher hiermit doch noch an die Öffentlichkeit gelangt ist. Kästners Erzählweise mit Blick für die Kinder Klaus und Kläre ist so rührend und voller Sorgfalt, wohingegen die Eltern etwas stereotyp dargestellt sind- Theater hier, Arbeit dort. Daher müssen diese geläutert werden und unterm Tannenbaum sind schlussendlich alle Verfehlungen vergeben und vergessen. Ich habe nicht selten Parallelen zum kleinen Prinzen gefühlt, mit dem Aufruf das innere Kind zu bewahren und die damit einhergehende Lebensfreude und Neugier.
Ob Kästners Szenenanweisungen wie:
„Immer aber ist darauf zu achten, dass die Ausstattung kindlichen Durchschnittsvorstellungen eher entsprechen muss als realistischen Forderungen.“
Oder Zitate wie folgende, die Kinder sind der wichtige Ausgangspunkt:
„Menschen, die Spaß verstehen, werden niemals lächerlich.“
„Die Großen müssen sich wieder zu benehmen lernen. Lachen können sie nicht mehr. Spielen können sie nicht mehr. Freuen können sie sich nicht mehr. Und Traurigsein, das haben sie auch verlernt. Alles Wichtige haben sie vergessen.“
„Beim [Geld] Verdienen schwitzen sie. Und beim Ausgeben wieder. Es fehlt ihnen am sechsten, am leichten Sinn.“
„Klaus im Schrank“ ist das erste Werk, dass er für Kinder verfasste. Viele seiner Themen, die in späteren Bücher wieder vorkommen, sind hier bereits zu erkennen.
Klaus und Kläre sind unzufrieden, weil sich ihre Eltern nicht gut genug um sie kümmern. Hinter ihrem Schrank finden sie eine Welt vor, in denen die Eltern wieder Kinder sind und die Kinder die Erwachsenen. Die Eltern müssen aber noch erzogen werden, um sich wieder an ihre Kindheit zu erinnern - wobei nebenbei auch die Kinder erzogen werden, da sie ihre Kindheit nicht mehr ausleben können.
Zu beachten ist, dass es als Drama für ein Theaterstück - also drehbuchartig - verfasst ist. Wenn man sich alles aber bildlich vorstellt, tut es dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Vielleicht wäre es auch eine gute Grundlage für eine Theater-AG