
Während des Lesens dieser Lektüre habe ich mich immer wieder schwer getan, sowohl mit den Figuren (vor allem die Protagonistin) als auch dem Stil, in dem die Geschichte erzählt wird. Ich hoffe, dass ich nachfolgend ergründen kann, warum ich ein paar Schwierigkeiten hatte… Das Buch las sich für mich wie eine komplette Retrospektive des Lebens einer Frau, eigens erzählt von der Protagonistin Adele. Sie erzählt und erzählt, ohne Umschweife und doch mit einigen Umwegen, wie sie zu der Frau und Mutter geworden ist, die sie zum Ende des Romans war. Sie erzählt aus Kindheit, Jugend und ihrem Erwachsenenleben. „Im Vaterleib“ las sich anfangs wie ein sehr ernster Coming of Age-Roman, hat sich nach hinten raus aber als psychologische Analyse enthüllt. Hierfür bin ich wohl leider nicht die passende Leserin, denn oftmals war ich davon schlichtweg überfordert. Auch die Sprache fand ich mitunter herausfordernd. Es werden verschiedene Stilmittel verwendet, beispielsweise gibt es mal Satzzeichen bei wörtlicher Rede und dann wieder nicht. Schachtelsätze wechseln sich mit kurzen Sätzen ab. Hier wird mit Sprache gespielt, mal mehr mal weniger gut. „Im Vaterleib“ von der italienischen Autorin Chiara Gamberale war sehr herausfordernd für mich. Es wird eine nicht ganz einfache Vater-Tochter-Beziehung beleuchtet und deswegen auch schwer ertragbar für mich, denn auch ich habe eine - sagen wir mal vorsichtig - unschöne Beziehung zu meinem Erzeuger. Adele lernt, oder vielmehr wird es ihr vorgelebt, wie sie zu viel lieben kann und wie sie zu viel fordert, ebenso wie sie in einer Beziehung zu einem Mann zu wenig gibt. Sie ist gefangen in einem Teufelskreis, der sich später als Essstörung manifestieren sollte. Adele steht sich selbst immer als diametraler Gegensatz im Weg, so zumindest mein Empfinden. Das äußert sich in ihren selbstgegebenen Namen: Adele Dünn und Adele Dick. Mir hat das Buch einiges abverlangt. Die Themen Beziehungen, Familie und Mutterschaft werden gut behandelt, mir hat aber der Zugang gefehlt, sowohl zu den Figuren als auch zur Sprache.
