Skurril
Abgedreht und skurril Gute Unterhaltung für zwischendurch
Skurril
Abgedreht und skurril Gute Unterhaltung für zwischendurch

Ein Flughafen irgendwo im verschneiten Norden Schwedens. Zwei Frauen warten auf denselben Mann: Harald. Die eine ist seine Lebensgefährtin, die andere seine Mutter. Zwischen ihnen entbrennt ein Kammerspiel, das in seiner psychologischen Dichte und Abgründigkeit kaum intensiver sein könnte. Johanna Frids Roman „Haralds Mama“ ist ein klug komponiertes, bissig-sarkastisches Kammerspiel über Abhängigkeiten, Machtverhältnisse und die oft unerträgliche Nähe von Familie. Harald ist nicht nur drogensüchtig, sondern auch eine Projektionsfläche – für mütterliche Kontrolle ebenso wie für romantische Abhängigkeit. Die Autorin entzieht ihm bewusst die Stimme und damit auch jede Möglichkeit zur Selbstverortung. Stattdessen stehen zwei Frauen im Zentrum, die in ihrer Gegnerschaft fast karikaturhaft erscheinen und dennoch beunruhigend real wirken: Die Ich-Erzählerin, Haralds Freundin, Anfang 30, psychisch labil, latent tablettenabhängig und voller giftiger Gedanken. Und seine Mutter, eine dominante, narzisstische Figur, die das Leben ihres Sohnes vereinnahmt hat, ohne es je zu hinterfragen. Frid nutzt das Setting des Flughafens als brillant-metaphorischen Raum: Es ist ein Ort des Wartens, der Unsicherheit, des Nicht-Vorankommens. Dieser Zwischenraum bietet das ideale Terrain für eine narrative Eskalation. Während draußen ein Schneesturm tobt, verdichten sich drinnen die Spannungen – ein klassisches Kammerspiel mit literarischem Sog. In Rückblenden entfaltet sich das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren, vor allem aber das Porträt einer Liebe, die längst zur Co-Abhängigkeit geworden ist. Der Roman lebt nicht von Handlung, sondern von Sprache und Ton. Frid schreibt mit großer Schärfe, viel schwarzem Humor und einem unversöhnlichen Blick auf menschliche Schwächen. Ihre Prosa ist sperrig, unverschnörkelt, manchmal bewusst unangenehm. Sie will nicht gefallen – und das ist ihre größte Stärke. Der Witz ist trocken, sarkastisch, manchmal grotesk – kein Humor zum Lachen, sondern zum Zähneknirschen. Trotz der Tragik gelingt es Frid immer wieder, skurrile, fast absurde Momente einzubauen. Doch mit jeder Rückblende wird der Roman dunkler, schwerer, fast bleiern. Dass dies nicht immer emotional berührt, sondern stellenweise eher auf Distanz hält, mag mit der Perspektive der Ich-Erzählerin zusammenhängen, die selbst emotional instabil ist und deren Wahrnehmung nicht unbedingt Vertrauen schafft. Diese Unzuverlässigkeit erzeugt Reibung – aber auch Ambivalenz. „Haralds Mama“ ist ein verstörender, sprachlich brillanter und psychologisch feinsinniger Roman, der weniger über einen klassischen Generationenkonflikt erzählt, sondern über emotionale Besitzansprüche, Selbsttäuschungen und die traurige Tatsache, dass Sucht ein Netz aus Abhängigkeiten webt – weit über den Süchtigen hinaus. Ein Buch, das wehtut und irritiert. Kein Wohlfühlroman, aber ein mutiger literarischer Kraftakt. Wer Frids zynischen Humor einmal verstanden hat, wird ihn nicht mehr vergessen. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann.
Unsympathische Charaktere
Die Grundidee klang interessant und ich hatte auf gut durchdachte, ein wenig belustigende Streitgespräche gehofft. Teilweise war es aber schwierig, den Gesprächen zu folgen, da für mich nicht eindeutig heraus lesbar war, was wirklich gesagt wurde und was nur gedacht. Außerdem waren wirklich alle Charaktere dermaßen unsympathisch und von sich selbst eingenommen, beinahe unerträglich. Die Geschichte an sich empfand ich ebenfalls als eher langweilig.
Ich liebe schwedische Autor*innen!
Johanna Frid hat einen ganz exzellenten, kaleidoskopisch durchdringenden und hochspannenden Roman geschrieben, in dem es um falsche Erwartungen, Schuld und Konflikte über Generationen hinweg geht. Ein weiteres Jahreshighlight, würde ich sagen!