8. Feb.
Rating:3

Nach einer Prügelei fängt sich der 22-jährige Sean eine Strafe wegen Körperverletzung ein. Die Sozialstunden lösen Nachdenklichkeit in ihm aus. Er ist erschrocken über sich selbst. Was hat ihn so durchdrehen lassen? Zwar kommt er aus dem ärmlichen Arbeiterviertel Belfasts, doch er hat studiert - in Liverpool - Kreatives Schreiben. Auf der Suche nach einem Umfeld mit Hoffnung und Sinn für Kultur, in dem es nicht um Drogen, Arbeitslosigkeit und die IRA geht. Sein Traum, Schriftsteller zu werden, scheint unerreichbar. Zurück in Belfast gerät er schnell wieder in den Strudel der vererbten Perspektivlosigkeit. Jeder hat irgendwem mal was getan und jeder sinnt auf Rache, trägt Hass, Angst und Verbitterung mit sich, die dauerhaft betäubt werden wollen. Die Mauern der Stadt erinnern an die Opfer des Nordirland-Konflikts und die Hinterbliebenen führen ihren persönlichen Kampf unermüdlich fort. Sean begibt sich auf die Suche nach einem Ausweg, auf die Suche nach seinem Vater, der die Familie verlassen hat und vor allem auf die Suche nach sich selbst. Das autofiktionale Debüt Michael Magees erzählt vom harten Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit in einer traumatisierten Gesellschaft. Er packt viele Themen in diesen Roman - vielleicht ein paar zu viele, denn leider ist die Story überwiegend an mir vorüber gerauscht. Die Sprache konnte mir keine Bilder in den Kopf setzen. Zu wenig Intensität, um Atmosphäre zu erzeugen. Trotz des politischen Hintergrunds, den das Setting mitbringt, war es für mich ein austauschbares.

Close to Home
Close to Homeby Michael MageeEichborn
9. Juli
Rating:3

Langatmig mit interessantem Schreibstil

Ich habe mich durch das Buch gequält aber konnte es trotzdem nicht abbrechen. Es fehlt an Spannung aber die Erzählweise ist eine ganz eigene und hat mich scheinbar deshalb am Ball bleiben lassen.

Close to Home
Close to Homeby Michael MageeEichborn
26. Apr.
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Rating:5

CLOSE TO HOME Michael Magee Obwohl der 22-jährige Sean einen Bachelor in englischer Literatur hat, findet er keine Arbeit. Er wäre schon mit einem Job in einem Café zufrieden, doch der Arbeitsmarkt in Nordirland ist tot. Und so hängt er ab - wohnt in einer verschimmelten Wohnung, die eh bald zwangsgeräumt wird, zieht sich Koks-Linien rein und besäuft sich mit seinen Kumpels fast täglich. Das ganze eskaliert, als er einen jungen Mann bewusstlos und krankenhausreif prügelt und vor Gericht kommt. Die Nachwirkungen des Nordirlandkonflikts sind in Belfast allgegenwärtig: Väter und Mütter sind seit Jahren arbeitslos, die häusliche Gewalt und der Alkoholmissbrauch sind enorm. Selbst die junge Generation, die den Konflikt wenn überhaupt nur am Rande miterlebt hat, ist ohne Perspektive. Schlecht bezahlte Aushilfsjobs ohne Krankenversicherung und Urlaubsanspruch, Drogenexzesse und Kneipeneskalationen sind an der Tagesordnung. „Ich hatte es selbst gesehen, aber ich hätte niemals vor irgendwem ein Wort darüber verloren, selbst wenn er es wüsste oder genauso gesehen hätte. Denn wenn man über die Ma oder den Da von jemanden redet und von den Nöten, die sie oder er mit sich rumträgt, dann redet man über sie alle, und meistens auch über die eigenen, und schlimmer, als den Da von irgendwem an der Ecke vor dem Schnapsladen rumlungern zu sehen, wo er auf jemanden wartet, der für ihn reingeht, weil er Hausverbot hat, oder die Ma von jemanden um drei Uhr nachmittags hinten in einen aufgemotzten Supra steigen und ein paar Stunden später so wiederkommen zu sehen, dass sie kaum noch stehen kann, ist nur, es als das zu hinzunehmen, was es ist, und nicht als etwas, was man hin und wieder aus dem Augenwinkel sieht und ignoriert, so gut es geht“. (S. 195) Es geht um das trostlose Leben in Nordirland, wo nicht nur Arm und Reich die Gesellschaft spalten, sondern auch die Nachwirkung mit all seinen Traumata, die die IRA mit dem Nordirlandkonflikt hinterlassen hat, und um den Weg, den man finden muss, um dort herauszukommen. Ob Sean den Weg findet, müsst ihr selbst herausfinden. Wow, was für ein weiteres großartiges Buch aus dem Hause Eichborn. Ich muss es ja zugeben, aber das Cover hat mich abgeschreckt. Niemals hätte ich vermutet, dass sich ein Highlight hinter diesem Gebiss verbirgt. Michael Magee hat ein erschütterndes und eindringliches Debüt geschrieben. Dabei hat er die Charaktere und das Set so gnadenlos ehrlich gezeichnet, dass ich gefühlt auf jeder Party dabei war. Für mich hätte das Buch noch gerne 500 Seiten mehr haben dürfen, zu gerne hätte ich Sean weiter begleitet. Supergroße Leseempfehlung von mir! Und alle, die Shuggie Bain geliebt haben, werden dieses Buch verschlingen. 5+/ 5

Close to Home
Close to Homeby Michael MageeEichborn
26. Feb.
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Rating:5

Rein optisch würde ich an diesem Buch wohl vorbei gehen. Aber ich habe den Klappentext zuerst gelesen und war sofort begeistert davon. Das ist doch mal ein Thema, welches ich noch nie gelesen habe und das fand ich gleich gut. Ist es wirklich möglich, aus einem Teufelskreis aus Alkohol und Drogen auszusteigen? Ist es möglich, trotz seiner Herkunft anders zu sein, größer zu träumen? Wie schafft man es, aus einem scheinbar vorgegebenen Weg auszubrechen? Diese und mehr Fragen tun sich immer wieder auf und ich wusste von Anfang an, dass dies kein einfaches Buch werden würde, aber konnte es mich auch überzeugen? Sean, gerade mal 22 und gefühlt schon am Ende seines Lebens angekommen. Aufgewachsen in Belfast, zwischen Arbeitslosigkeit, Tristesse und den Nachwirkungen der Nordirland Konflikte. Und doch hatte er es geschafft und ist nach Liverpool zum Studium gegangen. Aber danach ging er zurück und wurde wieder in den Strudel gezogen, der seine Herkunft zeichnet. Michael Magees Geschichte hat mich wirklich beeindruckt, seine Protagonisten waren so echt und manchmal so schlimm, das man im echten Leben wegschauen würde, aber im Buch von all dem angezogen wurde und ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Als Sean auf seine ehemalige Freundin trifft, fängt er an, sein Leben zu hinterfragen. Auch seine aufgebrummten Sozialstunden, die er bekam, nachdem er im Rausch jemanden bewusstlos geschlagen hatte, helfen ihn, seine Situation zu hinterfragen. Soll das alles im Leben gewesen sein, immer nur Partys mit Drogen und Alkohol, immer wieder kein Geld haben, immer wieder arbeitslos sein, am Ende mit 22 bei der Mutter wieder einziehen müssen, weil man keine eigene Wohnung bezahlen kann? Und wie kann man aus dieser Abwärtsspirale entkommen? Sean versucht wirklich den Absprung zu bekommen und teilweise gelingt es ihm auch, aber immer noch ist er umgeben von den Freunden, die am Wochenende feiern, von der Familie, die es auch nicht anders kennt. Gerade sein Bruder war da ein ganz heftiges Beispiel von allen. Auch zeigt der Autor auf, dass man selbst mit harter Arbeit oft nicht belohnt wird. Ein Gesellschaftssystem was einem in die Grenzen zwingt, oder auch erlebte nicht verarbeitete Traumata setzen Grenzen in seiner Entfaltung. Das beginnt im Grunde schon bei Seans Mutter, die mitten im Nordirland Konflikt ihre Kinder groß gezogen hat. Nach und nach kommen Details ihrer Vergangenheit ans Licht, die mich auch schockiert haben. Und genau damit macht es der Autor zu einem so genialen Buch, das ich auf jeden Fall weiter empfehlen kann. Ein Buch, das mehr ist, als es anfangs scheint – sehr genial!

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Close to Homeby Michael MageeEichborn
22. Jan.
Rating:4

Belfast - geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut und dem, was der Nordirland-Konflikt zurückgelassen hat. Inmitten dieser Verhältnisse befindet sich der 22-jährige Sean; zusammen mit seinem Kumpel Ryan in einer schimmeligen Wohnung, in der sie eigentlich gar nicht sein dürften, aber dafür wiederum keine Miete zahlen. Trotz Literaturstudium schlägt Sean sich mit Gelegenheitsjobs rum, die kaum Geld einbringen und ihn keinen Ausweg sehen lassen. Ebenso wie Geldnot gehören Drogen in seinem Umfeld zum Alltag (und bedingen sich natürlich). An einen Wendepunkt gelangt er, als er sich auf einer Party so sehr provozieren lässt, dass er jemanden zusammenschlägt. Vor Gericht wird er hierfür zu Sozialstunden verurteilt… doch was macht er aus dieser Situation? Und was kann Mairéad, seine alte Freundin, dazu beitragen? Die Geschichte von Sean war für mich vor allem eine Geschichte des „Hineinrutschens“. Sie hat für mich authentisch und bewegend gezeigt, wie man in verschiedene Rollen, Konflikte, Milieus und auch vererbte Traumata ohne viel eigenes Zutun „hineinrutscht“. Darüber hinaus fand ich die vielfach sogar eher unterschwellig, aber sehr bewegend eingewobenen Nachwirkungen des Nordirlandkonflikts sehr beeindruckend. Ohne Drama und Effekthascherei wird deutlich, wie auch die Generation, die mit dem Konflikt kaum zu tun hatte, dennoch weiterhin sowohl direkt als auch indirekt davon betroffen ist. Zusammen mit Sean durchlebt man genau diese Hin- und Hergerissenheit zwischen rückwärtsgewandter Hoffnungslosigkeit und dem Glauben an eine bessere Zukunft. Wer mir länger folgt, weiß von meiner Begeisterung für ‚Shuggie Bain‘ und ‚Young Mungo‘. Insofern hat auch dieser Roman mich sehr bewegt und erreicht. Emotional hat er mich letztlich etwas weniger berühren können. Oder positiv formuliert: er hat mein Herz nicht ganz so sehr zerbrochen zurückgelassen.

Close to Home
Close to Homeby Michael MageeEichborn