
»Ich habe mein Leben lang Liebe zum Land empfunden, und heute, da alles Leben ein Leben wider die Natur ist, wider das ganze Wesen des Menschen, ist da ein Gefühl von Dringlichkeit, ein Be-dürfnis, etwas aufzuzeichnen und in Ehren zu halten und diese Liebe zu teilen, bevor es zu spät ist. Die Zeit vergeht - meine und die des Landes.«
Ein Jahr. Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember. Ein Jahr, vergeht schnell und während es verfliegt, man mit seinem eigenen Leben beschäftigt ist, bemerkt man den Wandel der Jahreszeiten, ganz zu schweigen von Flora und Fauna, kaum. Josephine Johnsons „Ein Jahr in der Natur“ bietet das genaue Gegenteil. Entschleunigung, keinen Stress, sondern das Leben im Moment, mit dem Fokus auf die Natur. Die Autorin erzählt mit sehr viel Liebe von einem 37 Hektar großen Garten, der ehemals eine Farm und zur Entstehungszeit des Buchs Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten war. Dabei ist sie nicht nur Beobachterin der Schönheit der Natur in Ohio und der noch so kleinsten Besonderheiten von Pflanzen und Tieren, sondern sie studiert diese gewissermaßen während des Zyklus’ eines Jahres. Doch über all der Schönheit steht eine eindringliche Warnung, genauer hinzuschauen und die Natur wieder schätzen zu lernen, denn wir zerstören sie Tag für Tag und ohne die Natur sind wir nichts. Dieses Buch wurde bereits 1969 veröffentlicht und doch liegt es jetzt erstmalig in deutscher Übersetzung von Bettina Abarbanell vor. Seitdem ist viel passiert. Die Umweltzerstörung und die Klimakatastrophe schreiten voran, einhergehend mit dem größten Artensterben unserer Geschichte und doch ist dieses Buch – trotz des großen zeitlichen Abstands – zeitlos. Diese leise, poetische Art des Erzählens, die jedes noch so kleine Detail in unserer wunderschönen Natur entdeckt, ist beeindruckend und entschleunigend. Die wunderschönen Illustrationen von Andrea Wan untermalen dies passend.





