3. Sept.
Rating:3

3,5⭐️ „ Helden allenfalls in Bronze und ohne Hemd auf Muschelkalksockel oder als ebenso donnernde wie knödelnde Tenöre auf Opernbühnen gehörten, ansonsten passten sie aber nicht in die bürgerlichen Zeiten, und in den Rechtsstaat passten sie schon gar nicht, wobei hier in Kabul natürlich weder Rechtsstaat noch Bürgertum waren, sondern Steinzeit und Afghanistan, aber wer hatte damals am Hegelplatz schon an Afghanistan und an die Steinzeit gedacht, überdies hatte man inzwischen sowohl in Berlin als auch in Stuttgart sogar das postheroische Zeitalter ausgerufen, weil angeblich überhaupt niemand mehr Lust hatte, sich für irgendetwas zu opfern, und zu solchen Totalverweigerinnen gehörte auch ich.“ Von solch sarkastisch/zynischen Konstruktionen wimmelt dieses Buch und das liebe ich sehr daran. Das Buch beginnt sprachlich mega stark, in Form eines Requiems. Sie taucht dann recht zügig in eine essayistische Form ab, in der sie durch verschiedene Ereignisse, Orte und Reflexionen mäandert. Der Dierke Weltatlas von 1973 spielt eine wichtige Rolle sowie die Frage ob Gérard Depardieu etwas mit einem Bombenattentat in Inguschetien zu tun hat oder ob die Kriegsreporter den Vietnamkrieg beendet haben. Aber an aller erster Stelle möge der Wille der Chefredakteure erfüllt werden, die hier derbe einen ab bekommen. Sie stellt die Frage nach dem Weltgeist. Weshalb ich dem Buch nicht mehr als 3 Sterne gebe: Ihr besonderer Ton ermüdet auf die Strecke des Buches. Das funktioniert für mich nicht auf 260 Seiten. Sie überspannt an vielen Stellen den Bogen, lamentiert auch ein 20. Mal über diese Chefredakteure in Hamburg und Manhattan und andere Dinge. 100 Seiten weniger, dichter und knackiger wäre das ein 5 Sterne Kandidat gewesen. Obwohl sie an der ein oder anderen Stelle etwas tiefer in ein Ereignis einsteigt, bleibt mir vieles zu sehr an der Oberfläche. Man merkt, dass sie auf vieles selbst keine Antworten hat und nur ein schales Gefühl der Sinnlosigkeit, des Irrsinns bleibt. Dennoch hätte ich mir mehr Details aus den Gegenden gewünscht und weniger Systemkritik. Die Balance stimmt für mich nicht.

In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg.
In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg.by Gabriele RiedleAB - Die Andere Bibliothek