20. Okt.
Rating:4

Elisa ist die jüngste von zwölf Geschwistern und das einzige Mädchen. Sie wuchs ebenso frei und wild auf wie ihre Brüder. Ihr Vater ist ein gutherziger König, der weise und mit Milde sein Reich regiert. Doch dann bringt er eine neue Frau an seinen Hof und die ist eine Hexe. Allein Elisa scheint hinter die Fassade blicken zu können. Sie sieht den Verfall, den Unrat und die Hässlichkeit, den die anderen durch die Zauberkraft nicht wahrnehmen. Und als sie sich weigert bei Nessa in die Lehre zu gehen, sorgt diese dafür, dass ihre elf Brüder in Schwäne verwandelt werden und sie so hässlich wird das ihr eigener Vater sie nicht einmal mehr erkennt. Als Elisa schon verzweifeln möchte, weist ihr ein Kräuterweib den Ausweg. Sie muss schweigend aus Nesseln elf Hemden nähen, bis ihr die Finger bluten, erst dann ist der Bann über ihre Brüder gebrochen. Wem das jetzt wage bekannt vorkommt, der hat recht. „Die wilden Schwäne“ ist eine Nacherzählung des Hans Christian Andersen Märchens von den beiden deutschen Fantasyautoren par Excellance Wolfgang und Heike Hohlbein. Und noch immer hat die Geschichte nichts an Reiz verloren. Im Gegenteil durch diese Version erhält man eine engere Beziehung zu Elisa, die sieht, wie das Leben das sie einst hatte zerfällt und die alles auf sich nimmt ihre Brüder zu retten. Eine Bürde die schlimmer ist als der Tod, denn sie muss stumm leiden und arbeiten bis ihre Finger bluten. Sie ist bereit auf ihre große Liebe zu verzichten und auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, nur um ihre Brüder von dem Fluch zu befreien. Der Prinz war mir persönlich ein bisschen zu großherzig und tolerant und die Hexe zu böse, alt und rumpelig. Aber so ist das in Märchen nun mal, es gibt keine Graustufen sondern nur Schwarz und Weiß. Über das Märchen hinaus, erfährt man nicht wirklich viel mehr. Das Autorenpaar hat sich sehr dicht an die literarische Vorlage gehalten und manchmal bleibt man als erwachsener Leser, vor ein paar offenen Fragen stehen wie: Wer war das Kräuterweib, das nur Elisa sehen konnte? Oder woher kamen die Tiere, die Elisa die Hemden ins Gefängnis brachten? Doch ich denke als Kind, nimmt man die Dinge einfach so hin und hinterfragt sie nicht. Von daher denke ich, dass dieses Buch ganz toll ist, zum Vorlesen und das Märchen, das auf manche vielleicht ein bisschen angestaubt wirkt, eine bisschen aufpoliert wurde. Und es enthält die Botschaft, dass man nur mit dem Herzen wirklich gut sieht, wie der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry es so passend ausdrückte. Ich fand es jedenfalls schön an dieser Leserunde teilnehmen zu dürfen und für 220 Seiten wieder Kind sein zu dürfen.

Die wilden Schwäne
Die wilden Schwäneby Wolfgang und Heike HohlbeinarsEdition
23. Sept.
Rating:5

Das Cover ist wunderschön. Die Schwäne ziehen sich vom Cover über den Buchrücken bis auf die Rückseite und sind super schön gemalt. Auch das Gesicht Elisas finde ich wunderschön gemalt. Im Buch ist alles eher schlicht gehalten. Nur die Kapitelanfänge sind untermalt von einem inhaltlich passenden Motiv. Die Geschichte gefällt mir sehr gut! Detailreiche Erzählung und gute Spannungsbögen, sowie gute Charakterbeschreibungen garantieren ein schönes Leseabenteuer und einen guten Lesefluss. Vor allem Elisa hat es mir während des Lesens angetan. Die Grausamkeiten, die die Stiefmutter ihr und ihrer Familie bereitet sind schrecklich, aber trotzdem lässt sie alles über sich ergehen und kämpft sich durch. Und wie es zu einem Märchen gehört, schafft sie es alles um Guten zu wenden. Märchen sind definitiv nicht nur was für Kinder und das würde ich auch bei diesem Buch sagen. Ein schönes Märchen, dass man auch als Erwachsener gut lesen kann.

Die wilden Schwäne
Die wilden Schwäneby Wolfgang und Heike HohlbeinarsEdition