
»Ich werde nie begreifen, wie ihr es so lange geheim halten konntet.«
Band zwei beginnt exakt dort, wo Band eins aufgehört hat: bei der vermutlich unangenehmsten Hochzeit der Fantasyliteratur. Während Davina innerlich an Herzschmerz stirbt, kämpft König Esmond gefühlt gegen seine persönlichen Frostbeulen und seine allgemeine Unfähigkeit, sich wie ein halbwegs vernünftiger Ehemann zu benehmen. Der Mann bekommt es nicht einmal hin, seine eigene Braut ordentlich zu küssen. Stattdessen verbringt er die Hochzeitsfeier lieber damit, sich zu betrinken und mit seinen Mätressen zu tanzen. Ganz ehrlich, selbst rote Flaggen würden bei diesem Mann Abstand halten. Davina versucht trotzdem das Beste aus der Situation zu machen und verbringt den Abend hauptsächlich mit Leander. Natürlich leidet man als Leser bei jeder einzelnen Begegnung mit, weil die Spannung zwischen den beiden mittlerweile kaum noch auszuhalten ist. Einen kurzen Schockmoment gibt es dann, als Esmond seine frisch angetraute Ehefrau mitnimmt und man innerlich schon komplett auf Katastrophe eingestellt ist. Glücklicherweise schafft der König es aber nicht einmal bis zum eigentlichen Vollzug der Ehe, weil er vorher betrunken einschläft. Selten war ich so dankbar für Alkoholismus in einer Fantasygeschichte. Und weil Davina und Leander scheinbar kollektiv beschlossen haben, ihr emotionales Leid noch komplizierter zu gestalten, schleicht Davina sich anschließend natürlich zu dem Mann, den sie wirklich liebt. Von da an verbringen die beiden heimlich ihre Nächte miteinander, während tagsüber weiter das höfische Theater gespielt wird. Dass das auf Dauer nicht gutgehen kann, ist eigentlich jedem klar. Außer vielleicht Esmond. Der Mann lebt emotional ungefähr drei Kapitel hinter allen anderen. Natürlich bleibt das Ganze nicht ewig verborgen. Dafür sorgt ausgerechnet Linnet, Davinas ehemalige Zofe, die ich in diesem Band am liebsten persönlich durchs nächste Schneefeld gezogen hätte. Sie verhält sich über weite Strecken wie ein beleidigtes Kind und liefert Davina und Leander schließlich ans Messer. Da Esmond Davinas Kräfte weiterhin braucht, legt er sie kurzerhand in Ketten, während Leander unterwegs ist, um sein Heimatdorf zu verteidigen. Ab diesem Punkt wird die Geschichte deutlich düsterer und emotional härter. Vor allem Davinas Leidensweg war teilweise wirklich schwer mitanzusehen. Trotzdem verliert sie dabei nie völlig ihre Güte oder ihre Stärke. Gerade ihre Entwicklung hat mir unglaublich gefallen. Während sie in Band eins vor allem Freiheit wollte, wächst sie hier tatsächlich in ihre Rolle als Königin hinein. Sie lernt, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, die nicht immer nur aus Gnade bestehen können. Auch Leander entwickelt sich weiter. Sein Hass auf das Erdreich und seine Vorurteile geraten zunehmend ins Wanken, als wir endlich mehr über die Hintergründe des Konflikts erfahren. Besonders gelungen fand ich dabei, dass das Buch zeigt, dass keine Seite komplett gut oder böse ist. Selbst im Erdreich liegen die Dinge deutlich komplizierter, als man zunächst glaubt. Im Gegensatz zum ersten Band ist die Fortsetzung deutlich actionreicher. Zwar gibt es keine riesigen Schlachten im klassischen High-Fantasy-Stil, aber gerade die kleineren Kämpfe und die Verteidigung von Leanders Dorf sorgen trotzdem für ordentlich Spannung. Vor allem, weil jederzeit das Gefühl besteht, dass wirklich etwas Schlimmes passieren könnte. Die größte Stärke der Reihe bleibt für mich aber die Romance zwischen Davina und Leander. Dieses Forbidden-Love-Thema wird hier wirklich bis zum Äußersten ausgereizt. Bei jeder heimlichen Begegnung wartet man praktisch darauf, dass alles auffliegt und komplett eskaliert. Genau diese ständige Anspannung macht die Geschichte so fesselnd und emotional intensiv. Der Schreibstil von Asuka Lionera war wieder atmosphärisch, flüssig und unglaublich gefühlvoll. Die Seiten fliegen nur so dahin und selbst ruhigere Szenen verlieren nie ihre Spannung. Vor allem schafft sie es erneut, dass man gleichzeitig hofft, leidet und emotional langsam zugrunde geht. Wirklich beeindruckend, wie konsequent diese Frau Herzen zerstört. Für mich war Eine Krone aus Erde und Feuer ein gelungenes, emotionales Finale voller Herzschmerz, Hoffnung und Spannung. Die Reihe hat es geschafft, Forbidden Romance so schmerzhaft und intensiv darzustellen, dass man bei jeder gemeinsamen Szene der Figuren innerlich schon mit dem nächsten Unglück rechnet. Und trotzdem fiebert man bis zur letzten Seite mit, dass diese beiden endlich ihr verdientes Glück bekommen.



















































