Da ich im November/ Dezember 2021 in eine Leseflaute zu rutschen drohte (zwei Bücher abgebrochen, 2 Bücher mit einigen Kritikpunkten und 1 Buch, wo ich das meiste schon nach wenigen Wochen wieder vergessen hatte), musste das nächste Buch mit Bedacht ausgesucht werden. Ich war mir relativ sicher, dass mich Bella Ellis mit „Der namenlose Tote“, dem zweiten Fall für die ermittelnden Brontẽ-Schwestern aus der Leseflaute rausreißen würde, weil das Zurückkehren zu Figuren, die ich liebgewonnen habe, mir in der Regel ein Gefühl des „Heimkommens“ bescheren. Da ich allerdings den Kopf nicht richtig frei hatte, hat es nahezu bis zur Hälfte des Buches gedauert, bis ich in der Geschichte angekommen bin. Ich hatte im Vorfeld erfahren, dass das Buch im Winter spielen sollte, deshalb hätte es eigentlich perfekt in die Zeit rund um Weihnachten passen müssen, in der ich es gelesen habe, nur irgendwie ist diese Winterstimmung nicht richtig bei mir angekommen, auch wenn es im Buch geschneit hat und kalt war. Auch den Fall an sich fand ich deutlich konstruierter als in Band 1 und leider war auch die Auflösung für mich nicht wirklich eine Überraschung. Zudem hatte ich auch meinen Struggle mit dem Aberglauben/ Mystik-Aspekt des Buches. Das wurde zwar wunderbar gelöst, war in sich logisch und passt auch zu der Atmosphäre, den Figuren und zu der Zeit in der das Buch spielt, aber es ist halt nicht zwingend mein Ding und hier wurde mir zu viel darauf herumgeritten. Ab Mitte des Buches wurde das Buch für mich aber deutlich besser. Da nahm die Geschichte an Fahrt auf und spannende Figuren betreten die Bühne. Ich fand diese eine Figur so spannend, dass ich hoffe, dass sie auch in folgenden Bänden noch einen Gastauftritt haben wird. Womit mich Bella Ellis wieder begeistern konnte, war die Sprache, das Setting (ich liebe das Pfarrhaus der Brontẽs in Haworth) und die grundsätzliche Idee, die Brontẽ-Schwestern zu Ermittlerinnen zu machen. Die Sprache passt so perfekt, es ist atmosphärisch und ruhig erzählt auch die Figuren für uns moderne Menschen des 21. Jahrhunderts vielleicht das ein oder andere Mal etwas übertrieben reagieren. Aber diese Übertreibungen passten in die Stimmung und in Zeit in der das Buch spielt, bzw. in meine Vorstellung dieser Zeit, die aber zugegebenermaßen ein wenig von Jane Austens Protagonistinnen geprägt ist. Und dabei wirkt die Sprache in keiner Weise antiquiert aber auch nicht zu modern. Die Familie und ihre Bediensteten habe ich wirklich liebgewonnen und ich freue mich, dass es auf jeden Fall einen dritten Fall für Charlotte, Anne und Emily geben wird, wenn nicht sogar noch ein wenig mehr, zumindest lässt das Ende darauf hoffen.
25. Sept.Sep 25, 2023
Der namenlose Tote (Die Brontë-Schwestern 2)by Bella EllisOSTERWOLDaudio
