12. Okt.
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Rating:4

Die Porzellanpuppe ist ein Buch, das mich auf eine Weise berührt hat, wie es nur wenige Geschichten schaffen. Es ist definitiv keine leichte Kost – manche Stellen sind ehrlich gesagt hart und erschütternd, doch gerade das macht den Roman so eindrucksvoll. Er hat etwas zutiefst Fesselndes, Berührendes an sich – eine Geschichte, die unter die Haut geht und lange nachhallt. Die Handlung zeigt eine Liebe, die Gefahren, Zeit und Schicksal trotzt – eine Liebe, die nicht perfekt ist, kein klassisches Happy End bekommt, aber dennoch auf ihre eigene Weise siegt. Diese Ambivalenz hat mir besonders gefallen, weil sie echt wirkt. Zugegeben, anfangs hatte ich mit dem Schreibstil etwas zu kämpfen. Die Art, wie Kristen Loesch schreibt, ist stellenweise sehr intensiv und komplex – manchmal fast „too much“. Es gab Momente, in denen ich Passagen zweimal lesen musste, um wirklich mitzukommen. Doch nach einer Weile gewöhnte ich mich daran, und genau dieser Stil verlieh der Geschichte auch Tiefe und Atmosphäre. Die Entwicklung der Hauptfigur Rosie hat mich sehr beeindruckt. Zu sehen, wie sie langsam mit ihrer Vergangenheit ins Reine kommt, war bewegend und authentisch dargestellt. Auch der Aufbau der Geschichte – die Verbindung zwischen Rosies und Tonias Erzählstrang – war großartig umgesetzt. Die Art, wie sich am Ende alle Fäden zusammenfügen, hat mich wirklich überzeugt. Was mir besonders gefiel: Das Buch beschönigt nichts. Es ist stellenweise ungemütlich, ja sogar schmerzhaft, aber gerade dadurch bleibt es realistisch und stark. Einige Wendungen, besonders gegen Ende, kamen unerwartet und sorgten für zusätzliche Spannung. Die Porzellanpuppe ist kein Roman, den man mal eben so zwischendurch liest. Er fordert, bewegt und lässt einen nachdenken. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einer tiefgehenden, emotionalen und außergewöhnlichen Geschichte belohnt.

Die Porzellanpuppe
Die Porzellanpuppeby Kristen LoeschUllstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
23. Juli
Rating:4

Ganz anders als erwartet Ich bin aufgrund des Klappentextes davon ausgegangen, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt. Allerdings wurde mir schnell klar, dass „die Porzellanpuppe“ nicht nur die mehr als komplizierte Liebesgeschichte von Tonja und Waltentin, sondern auch die politische Situation des damaligen Russlands um die Zeit des Weltkriegs thematisiert. Ich bin eigentlich kein Geschichtsfan, aber die Autorin hat es geschafft, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Es war spannend, interessant und schockierend zugleich, was mich ziemlich fasziniert hat.

Die Porzellanpuppe
Die Porzellanpuppeby Kristen LoeschUllstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
20. Jan.
Rating:4

Eintauchen in die Geschichte Russlands

Der Debütroman von Kristen Loesch bringt den Leser in zwei Zeitebenen nach Russland., vor allem in die Städte Sankt Petersburg und Moskau. Die Geschichte von Tonja und ihrer Liebe zu Walentin ist grösstenteils angesiedelt in der Zeit vom 1. bis nach dem 2. Weltkrieg. Die Geschichte von Rosie (Raisa) auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte spielt im Jahre 1991. Ich brauchte eine Weile um in das Buch reinzukommen, mich an den Schreibstil von Kristen Loesch zu gewöhnen, denn gerade bei Rosies Kapiteln schweiften ihre Gedanken immer wieder in ihre Kindheit ab und manchmal wusste ich gar nicht mehr wo ich jetzt bin. Bis zum Ende blieb das Buch spannend und für mich war vieles nicht vorhersehbar. Die Liebesgeschichte nimmt einen viel kleineren Raum ein, als das Cover und der Klappentext vermuten lässt, dafür erfährt man viele Details aus der oft grausamen und doch faszinierenden russischen Geschichte.

Die Porzellanpuppe
Die Porzellanpuppeby Kristen LoeschUllstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
19. Dez.
Rating:5

The Last Russian Doll. Die letzte ihrer Art. Ein herausragendes Debüt.

Wie die Autorin mehrere Zeitzonen miteinander verwebt, wie Vergangenheit und die Gegenwart der 90er Jahre letztlich zu einem Stück werden. Wie einen gewebten Teppich, webt die Autorin alle Fäden zusammen. Einfach ein Meisterstück. Es offenbaren sich so viele Leben, so viele Schicksale, über das zaristische Russland hinweg, bis zum Zerfall der Sowjetunion und sie alle sind mitreißend erzählt. Die eisige Kälte Russlands, nach dem Lesen, steckt sie auch in den eigenen Gliedern. Haupthandlungsorte sind St. Petersburg und Moskau. Hauptpersonen sind Antonina „Tonja“, eine Prinzessin vom Landadel. Walentin „Walja“, ein revolutionärer Bolschewik. Und Raisa (Rosie), die aus England zurück reist und zu Beginn noch gar nicht erfassen kann was für ein imposantes Stück Vergangenheit sich vor ihr auftun wird. Die Vergangenheit will sie versuchen zu entschlüsseln wie einen geheimen Code. „The Last Russian Doll“ wie der Originaltitel lautet, ist meiner Meinung nach ein viel passenderer als der deutsche Titel, denn er trifft die Geschichte genauer. Es geht um die letzte Überlebende einer längst untergegangen Welt. Wenn ich „The Last Russian Doll“ höre sehe ich sie vor mir, eine Kriegerin mit einem Samurai Schwert hinter dem Rücken, die sich durchkämpft. Die alle ihre Widersacher zur Strecke bringt und als letzte dasteht. Man stellt sich diesen Weg blutig vor und das ist er. So viel Blut, so viel Leben, fliest wie dass Wasser in dem Fluss Fontanka, am Leser vorbei. Mein absolutes Lieblingsbuch wird für mich für immer „Die Liebenden von Leningrad“ (The Bronze Horseman) von Paullina Simmons sein und ich hätte nie gedacht irgendwann ein Buch mit doch ähnlicher Thematik zu finden. Folglich habe ich die beiden Werke immer wieder miteinander verglichen. So ähnlich sie sich einerseits sind, so unterschiedlich sind sie. An die absolut epische Liebesgeschichte von Tatiana und Alexander kommt auch heute noch nichts heran. Beim Lesen dachte ich oft: Walentin Andrejew ist kein Alexander Belov. Die beiden Männer sind so verschieden wie Tag und Nacht. Walentin hat politische Überzeugungen, für die er einsteht. Alexander war das alles zuwider. Er hat an nichts geglaubt außer Tatiana. Er war von Anfang an nur am Überleben. Bevor er Tatiana begegnet ist, hat er sich immer mehr tot als lebendig gefühlt . Er hatte schon als Kind durchschaut wie das mit der Politik läuft. [Verlogen bis zum geht nicht mehr und die vermeidlichen Ideale sind nichts als Schal und Rauch.] Ich habe mich beim Lesen auch immer gefragt, ob Walentin irgendwann begriffen hat, dass egal auf welcher Seite er politisch gestanden, er sich nie auf der Seite der Guten befunden hätte . Die einzige Seite an der er immer hätte stehen müssen, wäre die von Tonja und seiner Familie. Und genau deswegen hat er mich so oft aufgeregt. Große Reden zu schwingen, ist nicht das selbe wie große Handlungen zu vollführen. Zu gerne hätte ich gelesen mit welchen Worten Walentin die Massen zu mobilisieren vermochte. Leider hat die Autorin diesen Part extra ausgespart, wie sie in ihren Anmerkungen erwähnt. Welche seiner Worte haben Tonja derart gefesselt? Sie war eine Prinzessin im goldenen Käfig und er war derjenige der ihr die Tür öffnete, aber hindurch gegangen ist sie alleine. Ich hätte mir viel mehr Dialoge zwischen den beiden gewünscht. Walentin wirkt dadurch passiv und gleichzeitig nicht greifbar. Vielleicht sollte das ja auch extra so sein. Denn für Tonja war er auch nicht wirklich greifbar und das bis zum Schluss . Ich habe beim Lesen immer an folgendes denken müssen: Alexander hätte die Welt für Tatiana geopfert, aber Walentin, hätte Tonja der Welt geopfert. Ich hätte Walentin niemals wie Tonja vergeben können. Das bei allen Missverständnissen und Intrigen er doch mehr für und um sie hätte kämpfen müssen. Er hat sich mehr als einmal für die Politik entschieden und das führte dazu, dass sie ihr Leben zum Großteil getrennt von einander führen mussten. Generell haben sich die Menschen früher viel mehr vergeben und angetan. Die Übergänge von Freundschaft zu Feindschaft und von Feindschaft zu Freundschaft sind daher in diesem Werk fließend. Tonja steht Tatiana was Mut, Stärke und Überlebenswille angeht in nichts nach. Beide sind passionierte Überlebenskünstlerinnen. Und Walentin? Er sitzt da, wirkt hilflos. Nein, er wirkt, als wäre er gar nicht da. Er sorgt nicht für ein warmes Zuhause, er sorgt nicht dafür, dass sie nicht verhungern. Ihr Überleben wurde nur von Tonja gesichert, die sich nicht die Freiheit nimmt aufzugeben. Ich habe dabei immer Tatiana vor Augen, die Alexander zurück hält. Der wäre sie nicht gewesen, ein Massaker an ihren Widersachern angerichtet hätte. Also wenn ihr mich fragt, wenn es darauf ankommt wählt den leidenschaftlichen Kämpfer und nicht den zögernden Denker. Ein Punkt hat mich nicht unwesentlich gestört und zwar die Darstellung von hochbetagten Menschen. Ich finde es beeindruckend hier so viele von ihnen zu finden, Menschen weit über 90 und sogar 100 Jahren. Russische Menschen haben auch heute noch eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. Harte Arbeit lässt einen selten alt werden und ich denke der Gulag noch weniger als alles andere. Wer die ganze Zeit mitrechnet, dem wird das auch auffallen. Ich fand diesen Aspekt sogar unrealistisch. Alexej Iwanow z.B. ist Mitte Ende 90. In dem Alter ist man gebrechlich und verlangsamt. Er wird aber fast so dargestellt wie ein junger Mann. Sein Alter spielt kaum eine Rolle. Dabei müsste er als so alter Mensch alleine schon Schwierigkeiten haben die Treppen hoch zu kommen und auch viel schneller müde werden. Er bräuchte viele Pausen zwischendurch. Er aber reist in seinem Alter munter umher, arbeitet unentwegt und hält imposante Reden. Weder die Stimme, noch das Gedächtnis versagen bei ihm. Für mich fällt diese Darstellung von hochbetagten Menschen in den Bereich der Fantasie. Aber vielleicht hält sich hier die Autorin das Recht der künstlerischen Freiheit vor. Das Buch liest sich so spannend wie ein Thriller und es gibt zahlreiche Wendungen mit denen ich nun wirklich niemals gerechnet habe. Ich liebe das Buch wirklich. Es hat sogar Geister Elemente, die wunderbar zur russischen Seele passen. Raisa wird von dem Geist ihrer „toten“ Schwester Zoja heimgesucht. Für mich waren sowohl Tonjas Vergangenheit als auch Raisas Gegenwart gleichwertig interessant. Die Frage wieviel Raisa am Ende würde aufdecken können, war sehr spannend. In die Frauen konnte ich mich grundsätzlich sehr einfühlen. Nur eines konnte ich nicht nachvollziehen. Wie konnte Raisa gegenüber dem Mörder ihrer Schwester und dem Vater so ruhig bleiben? Der Mörder ist ihr von Anfang an bekannt . Sie sucht nach seinem Motiv. Als sie die Wahrheit erfährt, bleibt es ohne Konsequenz für den Täter. Sie kann trotzdem abschließen, weil sie versteht was wirklich passiert ist und wie es dazu gekommen ist. So kann sie Zoja, ihre Schwester, endgültig los lassen. Zum Ende hin wird deutlich warum Raisas Mutter Katharina („Katja Ballerina“) so starke Alkoholprobleme hatte, dass sie zu Beginn des Romans sogar an den Folgen der Sucht verstirbt. Viel von dem Unglück im Roman hat nämlich Katharina mit ihrem schwierigen Charakter zu verantworten. Sie hat nicht immer die besten Entscheidungen getroffen und trat damit ganze Lawinen los, die andere ruiniert haben. Sie hat so viel Schuld im Laufe ihres Lebens auf sich geladen und nur zu wenigem davon gestanden. Es war schwierig sie am Ende noch zu mögen, oder Mitleid für sie zu empfinden. Raisa ist zum Glück nach ihrer Großmutter geschlagen und trifft bessere Entscheidungen, die allesamt zum Guten führen.

Die Porzellanpuppe
Die Porzellanpuppeby Kristen LoeschUllstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
22. Feb.
Rating:5

Dieses Buch war ein Weihnachtsgeschenk von meinem Freund. Er hat sich zum Ziel gemacht mir Bücher vorzustellen, zu denen ich sonst nicht greifen würde. Und obwohl ich anfangs skeptisch war, was das Buch angeht, hat es mich voll in seinen Bann gezogen. Können wir aber auch den wunderschönen Farbeschnitt appreciaten? Love it. Meine Leseerfahrung: Als ich begonnen habe zu lesen, konnte ich es gar nicht glauben wie schnell ich 50 Seiten hinter mir hatte. Das Buch hat mich echt gefesselt. Da ich aus Polen komme, hat mich auch die Geschichte Russlands interessiert. Polen und Russland hatten gemeinsame Geschichte, da kommt das halt gelegen mich ein bisschen mehr einzulesen. Und von Anfang an muss ich der Autorin echt meinen Respekt aussprechen, da man herauslesen kann wie viel Recherche sie betrieben hat, um die vergangenen Zeit so akkurat darzustellen. Mein Herz hat im Laufe des Buches mitgefühlt, mitgeweint und war bei dem ultimativen Plottwist geschockt. Damit habe ich echt nicht gerechnet. Das Buch enthält zwei Zeitlinien: die Gegenwart, in der Rosie ihre Vergangenheit entdeckt und die Vergangenheit in der die Geschichte ihrer Vorfahrin erzählt wird. Somit erfährt der Leser was wirklich in der Vergangenheit passiert ist. Sachen die Rosie nicht so weiß. Die Gegenwart wird immer aus Rosies Sicht erzählt, die Vergangenheit aus der Sicht von Tonja, obwohl die Sicht immer wieder gewechselt wird. Am Anfang der Kapitel wird auch bekannt gegeben wo und wann das Kapitel spielt, was ich sehr geschätzt habe beim Lesen. Obwohl in beiden Zeiten eine Liebesgeschichte stattfindet, ist nur die in der Vergangenheit wichtig, weil sie davon zeugt, dass wahre Liebe alles überstehen kann. Den schlimmsten Krieg, den schlimmsten Hunger, die schlimmsten Zeiten. Deswegen war das Ende echt befriedigend, dass deren Geschichte noch nach so vielen Jahren ein schönes Ende gefunden hat. Da ich nicht spoilern werde um wen es sich handelt, müsst ihr das Buch schon selber lesen um es herauszufinden. ;) Sehr interessant fand ich diesen leichten Fantasyaspekt, dass Rosies Schwester sich auf unterschiedliche Weisen zeigt, obwohl sie ja tot ist (jedenfalls ist sich Rosie dessen sicher). Wie die beiden Schwestern miteinander kommunizieren ist super interessant. Die Charaktere: Rosie führt ein Leben, das sie sich selbst aufgebaut hat und sonst sehr normal scheint. Ihre Mutter scheint nichts als Alkohol im Blut zu haben, so wie sie sich dauernd betrinkt. Rosie trägt eine schwere Erinnerung mit sich, mit der sie gerne abschließen würde. Aus diesem Grund fährt sie mit einem Zeitzeugen nach Moskau, wo sie weiter in die Vergangenheit reisen muss um ihren Frieden und ihr tatsächliches Selbst zu finden. Tonja ist die Hauptperson der Vergangenheit. Sie ist anfangs ein junges Mädchen, das sich in eine gefährliche Liebschaft stürzt. Ihre Lebensgeschichte spielt im Russland des letzten Jahrhunderts - eine Zeit geprägt von Gewalt und Verrat. Je älter sie wird, desto stärker wird sie. Sie muss schon von klein auf mit so viel Scheiße zurechtkommen, es ist echt erstaunlich und herzzerbrechend. Sie verdient es echt, überlebt zu haben. Fazit: Eine ergreifende, gefühlvolle Geschichte über Familiengeheimnisse, Liebe und schwere Zeiten mit Einblick in die russische Geschichte. Da die Geschichte einige brutale und grausame Stellen enthält, sind emotionale Ausbrüche komplett verständlich. Diese dramatische Geschichte ist eine komplette Herzensempfehlung von mir.

Die Porzellanpuppe
Die Porzellanpuppeby Kristen LoeschUllstein Ebooks in Ullstein Buchverlage