1. Jan.
Rating:3

"Gefährliche Freundinnen" von Cat Clarke habe ich schon vor einer Weile in der Verlagsvorschau des Fischer-Verlags entdeckt und aus irgendeinem Grund hat mich das Buch direkt angesprochen. Internatsgeschichten hören sich meiner Meinung nach oft interessant an mit den vielen kleinen Mädchen-Geheimnissen, Intrigen und Dramen. Bei "Gefährliche Freundinnen" habe ich mir auch genau so eine Geschichte vorgestellt: viel Streit über nichtige Dinge, zerstörte Freundschaften, Eifersucht und hinterrücks geplante Intrigen. Cat Clarke setzt auch einiges davon um – manches auch um einiges ernster als erwartet –, aber leider nicht ganz so in dem Maße, in dem ich es mir gewünscht habe. Das Buch lebt meiner Meinung nach ganz eindeutig von den unterschiedlichen Charakteren. Harper ist die Protganistin, die durch die gewählte Ich-Perspektive im Vordergrund steht. Aufgewachsen in eher normalen Verhältnissen und in einer intakten Familie, quält sie sich seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester, weil sie sich selbst die Schuld daran gibt. Sie ist ein liebes Mädchen, das jedem alles recht machen möchte, nicht gerne außen vorgelassen wird und sich sehr nach der Zuneigung anderer sehnt. Rowan – Harpers Zimmergenossin – ist ebenfalls ein interessanter Charakter. Sie ist, wie die anderen Mädchen auch, aus reichen Familienverhältnissen, ist für jeden Spaß zu haben und scheint in vielen Situationen die Vernünftige und Rationale zu sein. Lily – die Schulsprecherin, die oft ein bisschen verrückt und aufgedreht ist – und Ama – das Musiktalent, die als ruhige Figur eher im Hintergrund steht, aber sehr verständnisvoll und einfühlsam ist – ergänzen die Vierer-Gruppe. Zwischen den Mädels läuft alles gut, bis Kirsty als Neuzugang in das Internat kommt und ihre Freundschaft ordentlich durchrüttelt. Meiner Meinung nach merkt man von Anfang an, dass mit Kirsty etwas überhaupt nicht stimmt, auch wenn ich nicht genau einordnen konnte, was. Sie hat etwas sehr manipulatives an sich. Mir gefällt es sehr, wie die Autorin die fünf Mädchen und ein paar Nebencharaktere beschreibt. Sie sind alle unterschiedlich, kennen aber ihre Stärken und Schwächen, was sie normalerweise (!) als Gruppe zusammenschweißt und so besonders macht. Gerade Harper kam bei mir sehr authentisch und echt an, auch wenn ihre Entscheidungen manchmal eher fragwürdig sind. Trotzdem ist sie eben auch nur ein Mädchen, das sich gegen ihre reichen Mitschüler und trotz ihrer "normalen" Herkunft behaupten möchte. Deswegen ist sie auch die Anfälligste für Kirstys Manipulationsversuche und merkt sie leider erst sehr spät, dass etwas mit Kirsty ganz und gar nicht stimmt. Die Geschichte an sich ist spannend und abwechslungsreich aufgebaut, auch wenn sie mir persönlich nicht spannend und einnehmend genug war. Die Story hat definitiv einen roten Faden und kleine Spannungsbögen, die die Handlung vorantreiben, aber besondere "Oh mein Gott"- oder "Das darf doch nicht wahr sein"-Momente hatte ich leider nicht. Auch diese geheimnisvolle Aura um Kristy und ihre Vergangenheit hätte man sicher mehr aufbauschen oder ausbauen können. Die Erklärungen am Ende empfand ich daher weder als besonders überraschend oder als einzigartig. Trotzdem ist die Handlung durchweg gut durchdacht und beleuchtet mehrfach die Problematik von Freundschaften, Lügen, Intrigen und Trauer – die jemanden ganz schön einsam machen kann. Zusätzlich zu dem eher mäßig dynamischen und spannenden Plot kam mir auch Harpers Hintergrund ein bisschen zu kurz. Man erfährt zwar relativ viel über den Tod ihrer Schwester Jenna, aber ich hatte immer wieder das Gefühl, als sei dies eine Nebeninformation, die nicht wirklich Einfluss auf Harpers Leben hat. Jenna blieb mir im Allgemeinen eher fremd und die Auflösung bzw. die Handlung rund um ihren Tod war mir ebenfalls nicht ausgearbeitet genug. Mir haben da Rückblenden von der lebenden und glücklichen Jenna und dem Zusammensein mit Harper gefehlt, um über ihren Tod wirklich traurig zu sein oder nachzuvollziehen, ob Harper wirklich darunter leidet. Ich finde, die Autorin hätte da einfach mehr daraus machen können. Fazit "Gefährliche Freundinnen" ist ein unterhaltsamer Jugendroman, dessen Spannungsmomente mich leider nicht vollkommen einfangen konnten. Auch wenn mir die Charaktere und die Grundidee gut gefallen haben, hat die Autorin meiner Meinung nach viel Potenzial verschwendet und bei mir keinen "Wow"-Effekt auslösen können. Trotzdem fand ich das Buch recht unterhaltend aufgrund der verschiedenen behandelten Thematiken.

Gefährliche Freundinnen
Gefährliche Freundinnenby Cat ClarkeFISCHER FJB