18. Juli
Rating:5

Kurzbeschreibung: "Ich bin dreimal gestorben, bevor ich das Alter von fünf Jahren erreicht habe. Vielleicht ist 'krank' mein gesund." Audrey ist nicht wie andere Mädchen. Sie hat keine großen Träume, sondern wünscht sich einfach nur ein normales Leben. Als sie mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder in ein abgelegenes Haus zieht, nimmt sich der Nachbarsjunge Leo der Neuankömmlinge an. Doch mit Audreys Körper scheint irgendwas nicht zu stimmen. Audrey ist krank, ohne dass ihre Krankheit einen Namen hat. Ihre Mutter und ihr Bruder wollen ihr Bestes, doch was ist das Beste? Für sie? Für die Familie? *Quelle* Zur Autorin: Louisa Reid ist glückliche Mutter von zwei Töchtern, die sie jeden Tag zum Lachen bringen. Ihre Texte hingegen waren schon immer ungewöhnlich – so ungewöhnlich, dass ihre kleine Schwester manchmal bei der bloßen Beschreibung der Textideen zu schluchzen anfing. Für ihr Debüt In deinem Licht und Schatten wurde die Autorin mit Lob überschüttet, und der Text rührte – wie könnte es anders sein – viele Leser zu Tränen. Louisa Reid lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Cambridge. Meinung: Die 16-jährige Audrey zieht mit ihrer alleinerziehenden Mutter Lorraine, die als Krankenschwester arbeitet, und ihrem 5-jährigen Bruder Peter in das abgelegene Herrenhaus Grange House. Dort freundet sie sich bald mit dem Nachbarsjungen Leo an, der bei seiner Tante Sue lebt. Doch Audrey ist nicht wie andere ihres Alters. Lange schon ist sie krank, hat mit Depressionen zu kämpfen, die sie immer wieder überkommen und die sie "das Ding" nennt. Aber auch Leo kann von dieser Krankheit ein Liedchen singen, denn ihn quälten in der Vergangenheit ebensolche Schübe, die er immer noch mit einem Therapeuten aufarbeitet, da er vor allem von seiner Mutter schulisch und leistungstechnisch massiv unter Druck gesetzt wurde. Audrey und Leo verlieben sich ineinander, doch Audreys Krankheit und vor allem Lorraine legen den beiden Steine in den Weg, doch Audrey versucht immer wieder, gegen die Krankheit und auch zunehmend gegen die Mutter aufzubegehren. Mit Jeden Tag ein bisschen mehr hat Louisa Reid nach ihrem Debüt In deinem Licht und Schatten wiederum ein außergewöhnliches Jugendbuch geschrieben, das betroffen macht und sich nicht so schnell vergessen lässt. Audrey ist eine sympathische Protagonistin, die sich trotz ihrer Krankheit sehr liebevoll um ihren kleinen Bruder Peter kümmert, fast schon als Mutterersatz für ihn wirkt. Ihre aufkeimende Liebe zu dem fast 18-jährigen Leo, der sie als einziger versteht, gibt ihr Halt und eine Neuorientierung in ihrem bisher sehr leidvollen Leben, das von Depressionen geprägt ist und war. Ihre Liebe zu ihrem 5-jährigen Bruder Peter ist bedingungslos, das Verhältnis zur Mutter Lorraine gespalten. Man fühlt als Leser sehr mit Audrey mit, auch wenn anfangs nicht so recht klar ist, wie sich ihre Krankheit begründet. Als Nebencharakter ist die Mutter Lorraine wohl der interessanteste. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Tochter, rennt von Arzt zu Arzt, um ihr die besten Heilungschancen zu gewähren. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass Lorraine allerdings selbst Probleme hat, auf die ich nicht näher eingehen möchte, da dies Spoiler zur Folge hätte. Louisa Reid hat sich einem Grundthema angenommen, von dem ich bisher noch nicht in anderen Jugendbüchern gelesen habe und das beim Leser Betroffenheit auslöst und mit Audrey mitfühlen lässt. Abwechselnd erzählt sie die Geschichte aus Audreys und Leos Sichtweise. Bereits in ihrem Debüt hat mir ihr Schreibstil sehr zugesagt und auch in vorliegendem Roman kann dieser wiederum beeindrucken, denn er löst beim Leser sehr viele verschiedene Emotionen wie Freude, neu entdeckte Lebenslust, aber auch Wut und Unverständnis aus, was einer Achterbahnfahrt gleicht. Fazit: Jeden Tag ein bisschen mehr ist ein hochemotionaler Jugendroman, der sich mit einem schwierigen Thema beschäftigt und von Louisa Reid verständlich und durchaus nachvollziehend umgesetzt wurde. Ein gefühlvolles Buch, das eine Krankheit zum Thema hat, die erschreckend ist, gleichzeitig betroffen macht und dessen Geschichte man nicht so schnell vergisst. Unbedingte Leseempfehlung!

Jeden Tag ein bisschen mehr
Jeden Tag ein bisschen mehrby Louisa ReidFISCHER FJB
31. Dez.
Rating:4

Dies ist der zweite Roman von Louisa Reid, ihren ersten "In deinem Licht und Schatten" habe ich zwar nicht gelesen, er ist mir aber durch das Cover schon öfters aufgefallen. Hier hat mich der Klappentext gleich angesprochen, er deutet an verrät aber nicht viel. Für alles gab es eine Tablette. Bloß nicht für Freiheit: Seite187 Ich empfand das Buch als sehr aufwühlend. Für das Lesen habe ich länger gebraucht. Aber nicht weil es schlecht war oder langweilig. Sonder weil mich die Thematik mit genommen hat. Audrey ist depressiv und sie verletzt sich selbst, doch dies ist nur die Spitze des Eisberges, es versteckt sich noch viel mehr dahinter. Dieses Thema und die Umsetzung machen dieses Buch zu keiner leichten Kost. Man muss sich darauf einlassen können. Mir war schon recht früh klar, was sich hinter Audrey Krankheit verbirgt. Und so hatte ich es beim Lesen nicht leicht. Am liebsten wäre ich in das Buch hinein gesprungen und hätte Audrey da heraus geholt. Und jemand anderen mal Kräftig die Meinung gesagt. Audrey ist ein sehr nettes, ruhiges und in sich gekehrtes Mädchen. Alle halten sie für verrückt, sie selbst hält sich für verrückt und besonders ihre Mutter denkt sie sei verrückt. Doch ich hätte ihr gerne gesagt, sie solle doch mal was verrücktes machen, aus ihrem Leben ausbrechen, mal alles hinter sich lassen. Denn sie kümmert sich nicht nur um ihren kleinen Bruder, sondern auch um ihre Mutter. Jede Menge Verpflichtungen, aber keinen Spaß. Bis Leo in ihr Leben kommt.Er ist der andere Hauptcharakter des Buches. Für mich war er ein Lichtblick, ist er doch der einzige, der die Dinge einigermaßen klar sieht. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Audrey und Leo erzählt. Louisa Reid gelingt es diesen Unterschied deutlich zu machen, sodass keine Verwechslungen aufdrehten. Die Abwechslung hat mir gut gefallen, so hat man als Leser einen besseren Überblick und kann beide Charaktere besser verstehen. Außerdem wäre es zu bedrückend gewesen, wenn man immer nur Audrey begleitet hätte. Unterteilt ist das Buch auch noch in die verschiedene Monate. Dadurch wird die Zeit, die vergeht noch mal deutlich hervorgehoben, was die Stimmung auch noch mal vertieft. Das war mein Körper, und er war kaputt. Tat weh. Der Schmerz gehörte nur mir, Mum hatte kein Recht, ihn mit dem Rest der Welt zu teilen. Seite 153 Die Atmosphäre des Buches ist wirklich toll und auch ungewöhnlich. Ich war wütend, geschockt, hatte Mitleid und habe Abscheu empfunden. Und doch fand ich es etwas unrealistisch. Ich kann mir sehr gut Vorstellen, dass jemand so etwas tut. Menschen können grausam sein. Ich kann und möchte aber nicht glauben, dass es so viele Inkompetente Menschen im Gesundheitswesen gibt und auch in im Lehrberuf. So etwas muss doch auffallen. Zumindest hoffe ich das sehr...... Trotz dieser bedrückenden Atmosphäre und den ganzen negativen Dingen im Buch. Ist es doch auch voller Hoffnung und Lebenslust. Kennt ihr das Bild von dem Löwenzahn, der sich durch den Asphalt nach oben drückt, wächst obwohl er nicht wachsen sollte, so ist Audrey. Fazit: Keine Leichte Kost, sehr ergreifend und aufwühlend. Liebevoll gezeichnete Charaktere. Ein Buch, dass im Gedächtnis bleibt, so schnell vergessen kann man es nicht mehr. Sehr interessante Thematik. Und auch ein bisschen ein Armutszeugnis an unsere Gesellschaft.

Jeden Tag ein bisschen mehr
Jeden Tag ein bisschen mehrby Louisa ReidFISCHER FJB