
Nach über 20 Jahren findet die Meeresbiologin Kathrin den Weg zurück an den Niederrhein - dem Ort wo ihre Eltern einst bei einem Autounfall ums Leben kamen. Sie, ein klar strukturierter, ordnungsliebender Mensch der es am liebsten jedem recht machen würde, möchte sich dort bei ihrer dort lebenden Tante nach einem verschwundenen Schmuckstück ihrer Mutter umsehen, auf welches die an Alzheimer erkrankte Oma sie gebracht hat. Doch Kathrin hat die Rechnung ohne Jakob gemacht: Der Landwirt vom Nachbarhof stellt Kathrins Leben auf den Kopf. Sarah Weber versteht ihr Handwerk: Der Roman liest sich flüssig, die Sprache ist gefällig, alles ist sauber erzählt. Man merkt, dass sie als Bloggerin und Journalistin genau weiß, wie man Worte auf Papier ordnet. Doch darunter verbirgt sich ein Buch, das mich nie richtig packt. Die Figuren - Kathrin mit ihrer harten Schale und Jakob als wilder Bauernjunge - wirken klischeehaft und austauschbar. Schon bei ihrer ersten Begegnung ist klar, wer wofür steht und wohin sich die Geschichte entwickeln wird: Gegensätze ziehen sich halt an. Überraschungen? Fehlanzeige. Jakob wird von Anfang an als Love Interest aufgebaut und trotz launenhafter Stimmungswechsel bestehen nie Zweifel dass die beiden trotz Yin und Yang Mentalität zueinander finden werden. Wahrscheinlich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe, aber mir persönlich kam es definitiv zu häufig vor dass die Blicke sich flirtiv trafen, Lippen sich öffneten und Sehnsucht ausgestrahlt wurde. Aber keine Sorge, explizite Handlungen werden keine beschrieben und bleiben vage. Apropos vage: Auch der Schauplatz bleibt dies: Die Niederrhein-Atmosphäre ist spürbar, die Landschaft verträumt geschildert, doch konkrete Orte oder Details fehlen. Dadurch wirkt der Handlungsort austauschbar – man könnte ihn beliebig verschieben, ohne dass sich die Story ändert. Hier hätten sich mehr Details soo viel positiver ausgewirkt. Gib mir Straßennamen, nenn die Stadt, lass irgendwen wild auf niederrheinischem Platt sprechen. Das fehlt mir leider.


