Was haben alte Nonnenknochen und frische Leichen gemeinsam? Sie sorgen dafür, dass Temperance Brennan garantiert keinen entspannten Tag hat.
„Knochenarbeit“ ist ein solider forensischer Thriller – und genau das ist gleichzeitig sein größtes Kompliment und sein größtes Problem. Denn dieses Buch macht vieles richtig, aber eben nichts so richtig spektakulär. Im Mittelpunkt steht die forensische Anthropologin Temperance Brennan, die scheinbar eine besondere Begabung dafür hat, selbst im Urlaub nicht einfach mal Urlaub zu machen. Stattdessen stolpert sie – wie es sich für das Genre gehört – von einer Knochenarbeit in die nächste. Work-Life-Balance ist hier eher ein theoretisches Konzept. Die Handlung verbindet aktuelle Ermittlungen mit einem historischen Strang rund um eine Nonne, die vor Jahrhunderten lebte und heiliggesprochen werden sollte. Diese Verknüpfung ist tatsächlich spannend gemacht und gibt der Geschichte eine zusätzliche Tiefe – auch wenn man sich zwischendurch fragt, wie viele Ebenen ein Thriller eigentlich gleichzeitig bedienen möchte, bevor er einfach mal durchatmet. Obwohl bei den Leichen - will man da in der Nähe wirklich atmen? Der Geruch wäre ja mein Endgegner. Thematisch geht es unter anderem um Sektenstrukturen und die damit verbundenen Verstrickungen. Das sorgt für eine angenehme Portion Spannung und ein leicht beklemmendes Gefühl – genau das, was man sich von einem forensischen Thriller erhofft. Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und perfekt dafür geeignet, das Buch zügig „wegzusnacken“. Es liest sich leicht, ohne banal zu sein, und bietet solide Unterhaltung für zwischendurch. Allerdings bleibt „Knochenarbeit“ insgesamt im Bereich „gut, aber nicht herausragend“. Es ist kein Buch, das einen komplett umhaut oder noch Tage später beschäftigt. Eher eines, das man zufrieden zuschlägt und sich denkt: „War gut – und jetzt zum nächsten.“ Also: Ein klassischer, gut geschriebener forensischer Thriller mit interessanten Ansätzen und solider Spannung. Empfehlenswert für Genre-Fans – aber kein Muss für alle anderen. Wer ihn liest, wird gut unterhalten. Wer ihn auslässt, kann trotzdem ruhig schlafen.












