Virtuose, teils witzige Sprache, Realität oder (und?) Fiction. Gegenwart kollidiert mit Kindheitserinnerungen der Erzählerin und mixt sich in einer unfertigen Fortsetzungsgeschichte die die Erzählerin / Autorin fertigstellen muss, doch alles könnte wahr werden, die Notizen werden desshalb wieder vernichtet. Oder ist schon alles wahr, wer ist wer etc.. etc. ?? Trotz einigen gelungenen Textpassagen (siehe unten) habe ich das Buch abgebrochen. [..Natürlich zeigte Mama wieder den Videofilm: Das Kind an seinem Geburtstag, kurz nach dem langen Fieber. Sie nippte nervös am Schnaps, wiegte bedrückt den Kopf. Schau wie blass du noch warst! und kommentierte noch alles - wohl weil es ein Stummfilm ist. In einer längeren Szene sieht man das Kind mit verbundenen Augen, einen Kochlöffel in der Hand, über den Teppich krabbeln, unentwegt klopft es dabei auf den Wohnzimmerboden. Zweimal, dreimal stösst es wo an, am Tischbein, am Divan, zuletzt am Klavier. Dann grinst es und schlägt in die Luft. Schau wie lustig du warst! Aber das Kind ist nicht ich. Zwar besitzt es ähnliche Züge, doch ist es mir völlig fremd, wie es sich durch den Raum bewegt als gehöre mein Leben ihm, ohne mich darum zu bitten. Sicher, es sieht die Zeit nicht voraus in der sich sein eigenes Schicksal vollzieht, sieht noch nicht das es gebrochen wird, damit ein anderer aus ihm entsteht und wieder ein neuer und wieder ein Häuten, Knacken und Schälen bei lebendigem Leib bis sich der letzte in Falten legt und das Zeitliche segnet. Geht da einer verloren, kommt da einer hinzu? Hat das Kind eine Ahnung? Vielleicht weiss das Kind mehr als ich..]
8. Apr.Apr 8, 2023
Nilby Anna BaarWallstein Verlag

