Eine aussergewöhnliche Geschichte die auf mich wie ein Fiebertraum wirkte. Erzählt wird hier von Ja'ara, unserer Protagonistin die verheiratet ist und gerade am Abschluss ihres Studiums arbeitet. Sie verliebt sich Hals über Kopf in einen ehemaligen Schulkameraden und Freund ihrer Eltern. Es beginnt eine Obsession die die Autorin sehr gut durch ihre Sprache, den Assoziationen die sie in Ja'aras Kopf entstehen lässt, und die das Ganze sehr bizarr, grenzenlos und teils skuril erscheinen lassen, zum Ausdruck bringt, und uns Leser mitnimmt in den Sog dem die Protagonistin verfällt. Der Schreibstil der Autorin ist sehr detailreich ( auch was Ekel oder Sexszenen betrifft) und voller Metaphern, mit manchmal langen, ausufernden Sätzen, die widerspiegeln, dass Ja'aras Gedankenwelt sich verliert oder sich nicht mehr unter Kontrolle hat, ausufert und sie sich selbst hilflos zusieht ohne sich dem Ganzen entziehen zu können. Auch das Ende der Geschichte passt gut und beschließt das Ganze mit einer weiteren Metapher. Ein tolles, beeindruckendes Werk und ich freue mich, es hierüber durch eine Rezension entdeckt zu haben :)
"Ein literarisches Fest" steht auf dem Einband. Und in der Tat ist es ein literarisches Fest, das Zeruya Shalev mit diesem Roman ausrichtet. Aufregend und spannungsvoll erzählt sie ohne einen einzigen Satz wörtlicher Rede zu verwenden in wundervoller Sprache von Ja'ara und ihrer Liebe zu Arie, der plötzlich und von Geheimnissen umgeben in der Tür ihres Lebens steht. Wie ein wahnwitziger Strudel wächst ihre Faszination für einen Mann, der sich langweilt und abgeklärt zusieht wie Ja'ara völlig von Sinnen alles aufgibt, was ihr einst Sicherheit gab. Da geht es drüber und drunter in ihren Gedanken und Handlungen, die so wild, so abwegig unlogisch und irre sind, dass einem klar wird, dieser Trip kippt und bleibt nachhaltig kleben. Wahnsinnig gut.
..., ich wollte ihn sehr, aber nicht unbedingt mit ihm schlafen, sondern mit ihm zusammensein, ich wollte alles wissen, was er in jedem Moment dachte, ich wollte Teil dessen sein, was seine Gedanken beschäftigte, ich wollte, dass er wissen wollte, was ich dachte, und dass die Gedanken, seine und meine, etwas miteinander zu tun haben sollten. Ich wollte ihn schütteln, damit, falls er irgendwo ein Stück Liebe für mich übrig hatte, sagen wir mal im Fingernagel, sich dieses Stück im ganzen Körper verteilte, aber er lächelte sein geheimnisvolles Lächeln in sich hinein, dieses Lächeln, das an sich selbst genug hatte, das ihn entrückte, auch wenn er in der Nähe war, ... - Zitat, Seite 165 Die ZEIT hat dieses Werk von 1997 von Zeruya Shalev zu den fünf wichtigsten Romanen des letzten Jahrhunderts gezählt. Diese Auszeichnung erscheint erst einmal rätselhaft, wenn man die oberflächliche Handlung des Romans betrachtet, die sich um eine obsessive Beziehung der jungen und verheirateten Protagonistin zu dem Jugendfreund ihres Vaters dreht. Aber dem Zauber der Erzählkunst der Autorin, deren Werk von Mirjam Pressler vorzüglich aus dem Hebräischen übersetzt wurde, kann man sich nicht entziehen. Ab der ersten Seite klebt man an den Worten der Schriftstellerin, die ihre Protagonistin auf eine Reise schickt, in der diese sich selbstzerstörerisch wie eine Motte in das Licht zu stürzen scheint - man fühlt eine Co-Abhängigkeit, die süchtig werden lässt und einem am Ende mit dem Erlebnis einer vielschichtigen und spannenden Lektüre belohnt! ..., wer etwas Unmögliches will, verliert alles. So lesen wir es auf Seite 298 des Romans. Aber was will die Protagonistin dieses Romans, weiß sie überhaupt, was sie wollen will? Unvermittelt ist da Arie (hebräisch für Löwe), der ihr im ersten Kapitel die Tür zur Wohnung ihrer Eltern öffnet, sie irritiert mit diesem bis dahin unbekannten Kapitel der Vergangenheit, in der ihr Vater und ihre Mutter noch jung gewesen waren - in Zeiten des Krieges. Jetzt nach 30 Jahren steht der ehemalige Jugendfreund wie ein Fremdkörper im Flur, zurück aus Europa - und ihr Vater durchsucht Schubladen nach alten Fotos, während seine Frau im Nebenraum einen Schwächeanfall hat. Arie dringt buchstäblich in das Leben der Ich-Erzählerin ein. Wenige Seiten später wird er sie mit brachialer Gewalt an eine Tür nageln. Der animalische Akt, bei dem die Maserung des Holzes "die ersten Falten ins Gesicht" der Frau zeichnet, während der Mann "verkündet": "gut für dich, gut für dich, gut für dich" - spürt man da nicht jeden Stoß beim Lesen?! Die Sprache von Zeruya Shalev ist unglaublich dicht. Sie malt mit Worten verstörende, aber auch wunderschöne Bilder. Die Art, wie sie Metaphern einsetzt, wirkt niemals aufgesetzt. Manche Sätze muten lyrisch an und doch hat der Text jederzeit Bodenhaftung. Dingliches wirkt bei ihr fast organisch, denn alles Betrachtete wird in ihre Ausführungen miteinbezogen. Sie zeichnet dort die stärksten Bilder, wo man selbst vielleicht lieber den Blick abwenden möchte z.B. am Krankenbett der totgeweihten Frau, die sich noch einmal die Lippen rot schminkt und sich von der Liebhaberin ihres Mannes den Tee servieren lässt, bei dem alles doppelt sein muss: zwei Teebeutel, zwei Stücke Würfelzucker. Und auch ein starkes biblisches Motiv webt sie in ihre Erzählung ein: die tragische Geschichte von David und seinem Sohn Absalom, dem schönsten Mann seiner Zeit. Denn wer denkt Shakespeare hätte sich den sinnigen Satz "Ich bin nicht gekommen, eure Herzen zu stehlen", selbst ausgedacht, der irrt. Insgesamt kann man sagen, dass die Autorin den Lesenden mit diesem Roman einiges zumutet, aber die Lektüre dennoch lohnenswert ist. FAZIT Der Stil des Romans hat mich so oft an das Schreiben der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen erinnert, an dieses schonungslos offene und gleichzeitig lyrisch-präzise in den Formulierungen. Gemeinsam haben die Texte auch die Beschreibung des Mechanismus von Abhängigkeit und auch die Skizzierung eines möglichen Befreiungsaktes. Der Erzählbogen dieser Geschichte ist sehr gut abgerundet und auch wenn man sich am Ende vielleicht etwas zerstört fühlt, mag man die Größe der erlebten Lektüre doch erahnen! Eine Leseempfehlung für mutige Herzen.
Im besten Sinne ein sexy spooky Fiebertraum
Krass, intensives Buch, dass mich von der 1. Sekunde an gefesselt hat. Lange Sätze ohne wörtliche Rede, nur mit Kommas getrennt - ein Schreibstil, der mich in die Geschichte gesogen hat und mich zum weiterlesen verführt hat. Ich habe mit der Hauptperson Ja‘ara mitgelitten und zusehen müssen, wie es sie immer weiter in ihr Verderben treibt.
3 Sterne die wahrscheinlich mehr wert sind, als alle bisher vergebenen 3 Sterne. Sprachlich teilweise sehr schön. Oft faszinierend und auf seltsame Art anziehend, aber auch oft unverständlich und abstoßend. Am Anfang hab ich viel am Stück gelesen. Ab der Mitte hab ich immer nur noch ein paar Seiten am Abend geschafft. Ich hatte nie das Bedürfnis das Buch abzubrechen und es ist - im Gegensatz zu anderen Büchern für die ich die "gleiche" Bewertung gegeben habe - nicht langweilig, nie gewesen. Ich mochte es (3 Sterne) und ich fand es fürchterlich - auf gute Art.





