Ich habe irgendwie einen Faible für Emigrantenliteratur aus dem ehemaligen Jugoslawien. Vielleicht liegt es daran, dass es der erste Krieg auf europäischen Boden war, den ich bewusst durch die Medien miterlebt habe. Ob Bosnier oder Kroaten, viele Familien wurden zerrissen und leben mittlerweile auf der Welt verstreut. Und ob es nun Sasa Stanisic, Nicol Lubic, Tijan Sila oder jetzt Dubravka Ugresic waren, die ich in den letzten Monaten gelesen habe: alle haben ihren eigenen Stil und ihre ganz besondere Stimme bei der Aufarbeitung der Traumata und der Findung der eigenen Identität in der neuen Heimat. Die Autorin dieses Buch emigrierte in die Niederlande, um dort ihrer Dozententätigkeiten nachzugehen. Insofern steckt wohl bestimmt auch viel eigene Biografie in der Hauptperson dieses Romans, denn die ist auch Lehrerin in Amsterdam und teilt das Schicksal der Flucht aus Jugoslawien. Sie unterrichtet Serbokroatische Literatur in einer Klasse junger Menschen, die größtenteils auch einen Migrationshintergrund aus dem Balkan haben. Einige von ihnen arbeiten nebenher in der Fabrik, die gummiartige Sexspielzeuge herstellt. Scherzhaft wird dieser Laden als Ministerium der Schmerzen von ihnen bezeichnet, aber ansonsten hat der Titel recht wenig mit der Erzählung zu tun. Allenfalls die Schmerzen tauchen immer wieder auf, wenn Lehrerin, Schülerinnen und Schüler von ihren Erlebnissen während des Kriegs berichten. Die Lehrerin versucht sehr empathisch auf deren Gefühlslage einzugehen und trifft sich am liebsten mit ihnen im benachbarten Cafe anstelle des Klassenzimmers. Doch dann wird sie wegen ihres laschen Unterrichts beim Rektor anonym angeschwärzt und plötzlich führt sie voller Angst und Scham ein hartes Regiment in ihrer Klasse. Bis die Situation mit einem Schüler eskaliert. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, auf die einzelnen Schicksale der Schülerinnen und Schüler sowie auf die Gedanken der Lehrerin einzugehen. Die Rahmenhandlung ist daher über weite Strecken nur ein loses Korsett, an dem die einzelnen Episoden anhängt wurden. Doch mit der Kritik an der Lehrerin ändert sich auch der Schreibstil. War die Sprache zuvor traurig und sentimental, wird sie dann auf einmal anklagend und zornig. Insbesondere der Schüler, bei dem der Konflikt eskaliert, hält eine wütende Rede gegen das schönredende Verhalten der Lehrerin. Dadurch wurden die widersprüchlichen Gefühle bei der Identitätssuche zwischen Nostalgie und Anpassung sehr gut in Worte gefasst. Hat mich sehr beeindruckt.
Ich habe irgendwie einen Faible für Emigrantenliteratur aus dem ehemaligen Jugoslawien. Vielleicht liegt es daran, dass es der erste Krieg auf europäischen Boden war, den ich bewusst durch die Medien miterlebt habe. Ob Bosnier oder Kroaten, viele Familien wurden zerrissen und leben mittlerweile auf der Welt verstreut. Und ob es nun Sasa Stanisic, Nicol Lubic, Tijan Sila oder jetzt Dubravka Ugresic waren, die ich in den letzten Monaten gelesen habe: alle haben ihren eigenen Stil und ihre ganz besondere Stimme bei der Aufarbeitung der Traumata und der Findung der eigenen Identität in der neuen Heimat. Die Autorin dieses Buch emigrierte in die Niederlande, um dort ihrer Dozententätigkeiten nachzugehen. Insofern steckt wohl bestimmt auch viel eigene Biografie in der Hauptperson dieses Romans, denn die ist auch Lehrerin in Amsterdam und teilt das Schicksal der Flucht aus Jugoslawien. Sie unterrichtet Serbokroatische Literatur in einer Klasse junger Menschen, die größtenteils auch einen Migrationshintergrund aus dem Balkan haben. Einige von ihnen arbeiten nebenher in der Fabrik, die gummiartige Sexspielzeuge herstellt. Scherzhaft wird dieser Laden als Ministerium der Schmerzen von ihnen bezeichnet, aber ansonsten hat der Titel recht wenig mit der Erzählung zu tun. Allenfalls die Schmerzen tauchen immer wieder auf, wenn Lehrerin, Schülerinnen und Schüler von ihren Erlebnissen während des Kriegs berichten. Die Lehrerin versucht sehr empathisch auf deren Gefühlslage einzugehen und trifft sich am liebsten mit ihnen im benachbarten Cafe anstelle des Klassenzimmers. Doch dann wird sie wegen ihres laschen Unterrichts beim Rektor anonym angeschwärzt und plötzlich führt sie voller Angst und Scham ein hartes Regiment in ihrer Klasse. Bis die Situation mit einem Schüler eskaliert. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, auf die einzelnen Schicksale der Schülerinnen und Schüler sowie auf die Gedanken der Lehrerin einzugehen. Die Rahmenhandlung ist daher über weite Strecken nur ein loses Korsett, an dem die einzelnen Episoden anhängt wurden. Doch mit der Kritik an der Lehrerin ändert sich auch der Schreibstil. War die Sprache zuvor traurig und sentimental, wird sie dann auf einmal anklagend und zornig. Insbesondere der Schüler, bei dem der Konflikt eskaliert, hält eine wütende Rede gegen das schönredende Verhalten der Lehrerin. Dadurch wurden die widersprüchlichen Gefühle bei der Identitätssuche zwischen Nostalgie und Anpassung sehr gut in Worte gefasst. Hat mich sehr beeindruckt.

