29. Dez.
Rating:5

Meine Meinung in Worte zu fassen, fällt mir bei ‚Sieben Kapitulationen‘ von Ada Palmer, übersetzt von Claudia Kern, doppelt schwer. Einerseits ist es eine Fortsetzung und ich möchte nicht zu viel verraten, andererseits kann ich die Geschichte auf keinen Fall in ein paar Sätzen beschreiben. Es ist für mich eine dieser Reihen, die man selbst gelesen haben muss. Damit man die Genialität und Intelligenz der Geschichte, die Epik des Plots und die Vielschichtigkeit der Charaktere am eigenen Leib erfährt. Damit man mit offenem Mund dasitzt, weil ein Plottwist aus dem Nichts kommt. Damit man seinen moralischen Kompass neu ausrichten kann. Oder gleich komplett vergessen, denn die Figuren sind so komplex und undurchschaubar, führen die Lesenden hinters Licht, haben falsche Identitäten oder werden von einem unzuverlässigen Erzähler falsch eingeschätzt und/oder dargestellt. Band 2 hat mir dabei besser gefallen als der erste, selbst wenn ich manchmal erneut verzweifelt bin ob der vielen losen Enden, der offenen Fragen und den verwirrenden Zusammenhängen. Doch nichtsdestotrotz bin ich froh, nach Teil 1 nicht aufgegeben zu haben. Geholfen hat mir dabei auf alle Fälle, dass nicht so viel Zeit zwischen den beiden Teilen vergangen war. So habe ich mich gleich wieder an die genderneutrale Sprache gewöhnt und zudem konnte ich mich auch noch relativ gut an die Figuren erinnern. Und da die Ereignisse lückenlos an den Vorgängerband anschließen, war ich dieses Mal vom Fleck weg gefesselt. Die Zusammenhänge sind einfach nur genial erdacht, die menschlichen Abgründe tiefer als vorstellbar und die Verknüpfung von Politik, Gesellschaft, Religion, Macht und Abhängigkeit ziemlich explosiv. So, genug gelobt. Am besten gleich lesen, es ist anspruchsvoll, aber man wird belohnt: Mit einer außergewöhnlichen Science-Fiction-Story, die ihresgleichen sucht! 5 Sterne.

Sieben Kapitulationen
Sieben Kapitulationenby Ada PalmerPanini Verlags GmbH
13. Dez.
Rating:5

Im Jahr 2454 gibt es keine Nationalstaaten mehr. An ihre Stelle sind sogenannte Hives getreten. Diese Fraktionen regieren die Welt und vertreten verschiedene Grundsätze, denen man sich zugehörig fühlen kann. Lange Zeit scheint die Weltordnung perfekt zu sein, doch was viele nicht sehen wollen, ist dass das Machtgefüge brüchig ist. Viele Jahre lang schwelten Intrigen der Veränderung. Mycroft Canner, der größte Verbrecher seiner Zeit, beschreibt in diesem Buch die letzten drei Tage, welche alles verändern sollen. „Dem Blitz zu nah“ war für mich eines der anspruchsvollsten Bücher, die ich bisher jemals gelesen habe und auch „Sieben Kapitulationen“ steht seinem Vorgänger um nichts nach. Dennoch war es für mich leichter, den Einstieg ins Buch zu finden. Während ich mich im ersten Band erst an die geschlechtsneutrale Sprache mit Neopronomen gewöhnen und mich in dieser völlig anderen Welt einfinden musste, konnte ich mich hier direkt auf den Inhalt konzentrieren. Die größten Verschwörungen waren auch bereits bekannt, wodurch ich nicht so häufig das Gefühl hatte, den Subtext des Buches nicht greifen zu können. Dennoch ist es noch immer eine Geschichte, die nicht einfach so nebenbei lesbar ist. Für dieses Buch muss man sich Zeit und Ruhe nehmen, denn es ist wirklich vollgestopft mit philosophischen, theologischen und sozialkritischen Gedanken. Die Themen und die entstehenden Ideen sind dabei so vielfältig, dass ich nicht glaube, dass die meisten Menschen, mich eingeschlossen, jede einzelne Facette dieses Buches verstehen können. Aber alleine der Versuch, sich darauf einzulassen, wird hier mit einer Explosion an neuen Ideen belohnt. In der beschriebenen Gesellschaft der Zukunft gibt es eine relevante Gruppe, welche versucht, die Zeit der Aufklärung wieder aufleben zu lassen. Es ist unglaublich interessant zu sehen, wie sich dies durch das gesamte Buch zieht, bis hin zur Sprache des Erzählers. Dabei gibt es verschiedene Ebenen, da weder die Figuren des Buches noch wir Lesenden im 18. Jahrhundert leben und somit immer nur interpretieren können, wie die Personen wohl gehandelt und gesprochen hätten. Die Autorin selbst ist Historikerin und hat ihren reichen Schatz an Wissen auf spannende Weise in dieses Buch mit eingebracht. Fazit: „Sieben Kapitulationen“ ist ein Buch, das nur so vor philosophischen Gedanken strotzt. Sich darauf einzulassen, erfordert einiges an Konzentration, doch dafür wird man definitiv belohnt.

Sieben Kapitulationen
Sieben Kapitulationenby Ada PalmerPanini Verlags GmbH
4. Sept.
Rating:4

This book is packed with drama and relevations, rarely giving you quieter, gentler moments the way the first one provided them. How much you like it will probably depend on how satisfied you are with the answers given, but if you enjoyed the first one you are already prepared for the madness and themes. Since there is so much happening, there is also less time to play around with style, however you also get to see a lot of things clearer, through actual explanations as well due to less deception. There were quite a few moments were I actually processed information that was already given or strongly suggested in book one but I wasn't actively aware of. The book is all payoff and therefore incredibly exciting, but is it just me or has Mycroft become pretty rare in his own book?

Sieben Kapitulationen
Sieben Kapitulationenby Ada PalmerPanini Verlags GmbH