7. Mai
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Rating:3

Ich bin unentschlossen was ich genau von diesem Buch halte. Zunächst einmal erinnert es mich sehr stark an „Faserland“ von Christian Kracht und das ist das mit Abstand mir meist verhassteste Buch in meiner Bibliothek. Nichtsdestotrotz bin ich angetan von „Unterwerfung“ durch seinen anderen Blick auf die Welt, die Gedankensprünge, die Mischung aus Banalität und emotionaler, sowie intellektueller Tiefe. Der Gedanke, dass der Islam in Europa eine führende politische Strömung innerhalb der Demokratie entwickelt und tatsächlich die weltliche Führung übernimmt, erscheint in diesem Buch plötzlich sehr real. Allerdings habe ich das Gefühl im luftleeren Raum zu hängen und durch die zeitliche politisch wie unpolitisch Haltung des Protagonisten nicht zu wissen, wo ich mich jetzt positionieren soll. Ob ich mich denn überhaupt positionieren muss oder es einfach sein lassen sollte. Zumal Frauen deutlich abgewertet und das Patriarchat als einzige funktionierende Gesellschaftsstruktur dargestellt wird, da der Protagonist es sich selber kaum anders vorstellen kann. Auch wenn ihm bewusst ist, was das für Frauen bedeutet. Ich glaube für eine Meinung muss man es selber Lesen und ob es einem gefällt, ist vorher kaum vorhersagbar.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
26. Jan.
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Rating:4

Unterwerfung von Michel Houellebecq ist ein provokativer, höchst umstrittener Roman über Identitätsverlust, Opportunismus und geistige Leere. In einer nahen Zukunft angesiedelt, erzählt Houellebecq mit nüchternem, ironischem Ton von einem Intellektuellen, der sich widerstandslos an neue Machtverhältnisse anpasst. Das Buch provoziert bewusst und zwingt zur Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Religion und persönlicher Haltung. „Seit dem Vormarsch der Rechtsextremen war die ganze Sache ein wenig spannender geworden, die Debatten waren vom vergessenen Beben des Faschismus untermalt.“ (S. 43) Der umstrittene französische Autor schreibt auch in diesem Buch (wie so oft!) in einem sehr provokanten und polemischen Stil. Das mag man oder auch nicht! Ich kann verstehen, wenn man seine Romane ablehnt; andererseits ist dieses hier ein sehr spannendes und interessant zu lesendes Buch.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
29. Sept.
Rating:3

Puh. Viel Theorie, viele Worte für wenig gesagtes und mehr Gedanken und Ideen als Roman. Und das alles mit einem unsympathischen Protagonisten. Ich weiß nicht was ich von dem Buch erwartet habe, aber das war es nicht. Die Grundidee ist super, die Umsetzung naja.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
29. Sept.
Rating:3

Viel Lärm um wenig?

Als "Unterwerfung" erschien, überschlugen sich die Feuilletons mit schrillen und noch schrilleren Rezensionen. Manche sahen in Houellebecq gar einen Propheten, der eine neue, finstere Zeit herannahen sah. Zehn Jahre später habe ich mir das Buch dann doch endlich durchgelesen - mit mäßiger Begeisterung. Houellebecqs Held François, Literaturprofessor an der Sorbonne, ist ein pragmatischer Junggeselle, der keine Gelegenheit zu sexuellen Abenteuern ungenutzt lässt. Er hadert mit seinem älter werdenden Körper, sinniert über den Literaten Huysmans (was ich überraschend spannend fand), und kommentiert nüchtern die Verwandlung Frankreichs in einen islamischen Staat. Warnung: Nichts für Feministen! Die Handlung plätschert so dahin - richtig gefesselt hat mich das Buch leider nicht. Den Hype kann ich nicht nachvollziehen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
15. Juli
Rating:2

Literatur + Sex + Politik + Religion. Ein Ausschnitt aus dem Leben eines Franzosen in einer nicht ganz so fernen und nicht ganz so unrealistischen Zukunft. Ich verstehe nicht viel von Politik, weswegen ich mich zu Letzterem nicht wirklich äußern kann. Auch bin ich in den im Buch angesprochenen Gebieten der französischen Literatur wenig bewandert. Ich hatte schlichtweg etwas anderes erwartet. Weniger Porno und mehr Handlung. Ich glaube, man muss dieses Buch nicht gelesen haben. Es schadet jedoch nicht.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
26. März
Rating:4

Nein, HOUELLEBECQ ist nicht wie seine Protagonisten

Kurzrezensiom Nicht nur bei den Saudis dürfen Frauen dann zu Hause bleiben, sie werden zu den Empfänge gar nicht mehr eingeladen. Auch wenn die AfD rankommt wird es so sein. Und hört Euch die Sprüche von Trump und on Musk und diesem Schauspieler an. Also das Buch unbedingt lesen, es ist nur schön so lange her, dass ich genaueres dazu sagen kann.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
9. Nov.
Rating:1.5

Langwieriges Buch

Vorab: ich lese solche politischen, philosophischen Bücher sonst nicht. Ich habe dieses Buch nur auf Empfehlung ausgeliehen bekommen. In dem Buch geht es um eine autoritäre muslimische Partei, die die Macht über Frankreich übernimmt. Der Roman wird aus der Sicht von Francois erzählt. Er ist ein intellektueller Hochschuldozent. Ich empfand ihn als sehr arrogant, besserwisserisch und sozial inkompetent. Frauen sind für ihn nur ein Mittel zum Zweck. Ein paar Gedankenspiele über ein muslimisch geführtes Frankreich fand ich interessant aber dieses Buch hat mich überhaupt nicht begeistert. Es gab so viele unnötige Textpassagen. Man konnte die Hälfte des Buches quer lesen, weil sowieso nichts passiert ist und nur drumherum geredet wurde. Ich habe ein Buch erwartet in dem eine alternative Realität aufgezeigt wird. In ALLEN Bereichen des Lebens. In diesem Buch werden den Frauen viele Rechte aberkannt und Francois verliert seinen Job aber was ist mit den anderen Bereichen? Was ist mit der Schule? Gesundheitswesen? Was ist mit den Christen und Juden in dem Land? Francois denkt nur an sich, seine Literatur und Huysman. Das Thema Unterwerfung hätte man besser umsetzen können. Mit sympathischen, greifbaren Protagonisten hätte man total mitgefiebert, ob sie sich auch dem Regime unterwerfen. Aber die gesamten Figuren aus dem Buch wurden super unsympathisch und uninteressant beschrieben. Ich würde das Buch nicht weiterempfehlen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
24. Okt.
Rating:4

Harte Kost

Man muss sich sehr darauf einlassen, aber dafür wurde Literatur geschaffen. Es macht einem phasenweise Angst, wie aktuell diese Buch scheint. Dennoch empfehle ich jedem interessierten Leser sich mit diesem hochpolitischen Thema im Rahmen dieses Romans auseinanderzusetzen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
3. Sept.
Rating:3

3,5⭐️ Der Mann macht es einem nicht leicht. Ich mag seinen nüchternen, Schnörkellosen Schreibstil. Das komplette Buch ist eine Provokation. Ich hab mich veräppelt gefühlt wie leicht eine ganze Nation in null Komma nichts eine andere Kultur (Religion)akzeptiert , mit Begründungen die völlig bekloppt sind. Habe mich geärgert wie verkürzt vieles dargestellt wird. Als Atheist und Feminist braucht man starke Nerven. Und doch war am Ende klar: das er völlig absichtlich so absurd inszenierte. Er zwingt mich dazu, darüber nachzudenken - gerade weil mich so vieles ärgert, arbeitet es. Der Hauptprotagonist ist ein totaler Unsympath. Ihn und seine Entscheidung konnte ich am Schluss nachvollziehen- auch wenn er eine andere Antwort direkt vor der Nase hatte .

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
29. Juli
Rating:2.5

Kaum neue Ideen, zur Hälfte ein Essay

Die Idee ist relativ interessant. Was passiert, wenn Frankreich von einer islamischen Partei regiert wird? Es beginnt zäh, was das Leben des Ich-Erzählers widerspiegelt. Schön und gut. Dann dümpelt es in die Regierung von Islamisch-Links. Die rechten und nationalen Parteien machen scheinbar nichts. Unglaubwürdig. Das Ausland macht auch nichts. Ebenso unglaubwürdig. Nicht einmal die kleinste Reaktion wird dargelegt. Stattdessen flieht die Hauptfigur aufs Land. Praktisch konstruiert. Man kehrt zurück und der Übergang ist schon geschehen. Durch seine phlegmatische Art trudelt der Protagonist in diese neue Realität, setzt sich mit alltäglichen und allbekannten Phänomenen des Islams auseinander, um schließlich selbst - zumindest im Futur geschrieben - zu konvertieren und wieder an der Uni zu arbeiten. Ab der Hälfte kippt das Buch in einen Essay, mit Einsprengsel des Sachbuchgenre für den allgemeinen Leser. Vielleicht hätte Houellebecq lieber einen Essay schreiben sollen. Insgesamt enttäuschend, wenn auch in seiner Thematik nicht unwichtig.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
15. Juli
Rating:2.5

Provokant und meines Erachtens etwas überbewertet

Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" bietet eine interessante Prämisse und wirft wichtige Fragen über Politik, Religion und Gesellschaft auf. Die Idee einer nahen Zukunft, in der Frankreich von einer islamischen Partei regiert wird, ist zweifellos provokant und regt zum Nachdenken an. Allerdings bleiben die Charaktere blass und wenig überzeugend. Besonders der offensichtlich absichtlich unsympathische Protagonist François wirkt oft zu distanziert und schwer greifbar, was es schwierig macht, ihm durch die Handlung zu folgen. Der Erzählstil ist teilweise ermüdend, und die Handlung zieht sich stellenweise ohne nennenswerte Entwicklung hin. Zudem wirkt die Darstellung der politischen und religiösen Entwicklungen manchmal überzogen und klischeehaft. Houellebecq neigt dazu, seine provokanten Thesen zu sehr in den Vordergrund zu stellen, worunter der narrative Fluss und die Tiefe der Geschichte leidet. Insgesamt bietet "Unterwerfung" einige interessante Ansätze, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Es ist ein Buch, das durchaus zum Nachdenken anregt, aber nicht vollends zu überzeugen vermag.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
22. Juni
Rating:3.5

"Unterwerfung" ist mehr Gedankenexperiment als Roman. So wird die Handlung immer wieder durch seitenlange theoretische Abhandlungen unterbrochen. Die Grundidee ist spannend, aber an vielen Stellen dann doch sehr vereinfachend. Wirklich störend finde ich die Houllebecq-typischen Altmännerphantasien, die er immer wieder unter die Nase reibt und nur schwerlich als "satirisch gemeint" erträglich sind.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
5. Mai
Rating:3.5

Interessantes Gedankenexperiment von der Islamisierung Frankreichs infolge des Wahlsieges einer muslimischen Partei und ihres charismatischen Anführers. Sprachlich auf hohem Niveau, allerdings mit vielen nahezu unerträglich sexistischen Passagen. Kenntnisse der französischen Literatur von Vorteil.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
18. Apr.
Rating:3

Mein erstes Buch von Houellebecq, tatsächlich nach dem Ende sehr unschlüssig, wie ich die gesamte Thematik des Buches fand und ob mir der Schreibstil gefällt. Offensichtlich sind aus Perspektive des Autors eine gewisse Grundkenntnis bezüglich der französischen Literatur, Gesellschaft und Gepflogenheiten nahezu vorausgesetzt, um alles in seiner Gänze zu durchdringen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
14. Apr.
Rating:5

Da habe ich mich ja ziemlich dem medialen Aufschrei unterworfen als das Buch im Jahr 2015 erschien. Eine schlimme Provokation, islamophob, frauenverachtend und eng verbunden mit den Anschlägen auf Charlie Hebdo wenige Tage vor Erscheinung des Buchs, schrieben die Zeitungen. Auf so etwas hat ich keine Lust. Erst als ich vor kurzem die Biografie [b:Der Fetzen|44450352|Der Fetzen|Philippe Lançon|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1552827856l/44450352._SY75_.jpg|61553911] des Journalisten Philippe Lancon, der das Attentat in den Räumen der Satireredaktion schwer verletzt überlebte, las, kam Houellebecqs Roman wieder in den Blickpunkt, denn Lancon stellt die Bedeutung des Skandalautors für den französischen Literaturbetrieb sehr positiv dar. Also war es nur konsequent, mir selbst ein Bild zu machen, zumal Houellebcqs politische Vision sieben Jahr in der Zukunft spielte, also jetzt im Jahr 2022. Und was habe ich mich getäuscht. Das Buch ist zwar provokativ, aber keineswegs verachtend gegenüber dem Islam. Fast schon eher das Gegenteil. Ist es eine Satire? Oder eine Dystopie? Irgendwie trifft meiner Ansicht nach beides zu. Satirisch ist es, da die real existierenden Politker*innen der französischen Partielandschaft namentlich erwähnt werden in diesem Spiel um die Präsidentschaftsmacht. Die Linke zerstritten, mit großem Vertrauensverlust und die Rechten erstarkend unter M. LePen kurz vor dem Gewinn der Wahlen. Da schwingt sich die (fiktive) gemäßigte, islamische Bruderschaft mit einem charismatischen Präsidentschaftskandidaten als zweitstärkste Kraft auf. Und was machen die Linken als Verlierer? Um die Wahl LePens zu verhindern, verhelfen sie den Islamisten an die Macht und Frankreich verändert sein Gesicht, verschleichtert sich und legt den westlichen Lebenstil ab. Das ist natürlich provokativ, aber es ist erstaunlicherweise nie offensichtlich wertend. Es ist total klug als Gesellschaftssimulation entworfen. Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler, ein Mitte 40er, Literaturwissenschaftler, sexuell frustriert, eitel, ein Opportunist und ein Mensch, der sich letztlich auch unterwirft. Wie so viele andere auch, die dem Rausch des Geldes verfallen, wenn die Saudis mit den Scheinen winken. Noch nie erstrahlte die Sorbonne so schildernd als nach der Übernahme zur Islamischen Universität. Unterwerfung ist hier mehrdeutig zu sehen. Frauen unterwerfen sich Männern. Die Menschen unterwerfen sich Allah. Die Christen unterwerfen sich dem Islam. Europa unterwirft sich dem Geld. Das ist wirklich hervorragend durchgespielt und erschreckend. Auch wenn man weit davon entfernt ist, Pegida zu unterstützen, so muss man sich doch die Frage stellen, ob das nicht auch so kommen könnte. Sind die Übernahme der europäischen Top-Fußballvereinen durch Geldgeber als dem Mittleren und Fernen Osten nicht schon ein Indiz? Wenn sich Fans aus Newcastle freudig als Scheiche verkleiden und die künftige Auferstehung ihres mittelmäßigen Klubs zelebrieren, ist das Unterwerfung? Welche Werte sind uns als Europäer wichtig? Welche verraten und verkaufen wir jetzt schon in diesem EU-Gebilde, das an allen Ecken anfängt zu zerbröckeln? Wenn Literatur es schafft, einen so zum Nachdenken zu bringen, Dinge anzusprechen, die in den politschen Diskussionen unaussprechlich bleiben, dann ist das für mich absolut relevant und lesenswert. Auch wenn es sprachlich eher gewöhnlich und an manchen Stellen etwas zäh ist für Leser, die sich mit den französischen Verhältnissen nicht so auskennen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
3. März
Rating:4

Faszination nicht ohne Widerwillen

Ich habe mich für den Einstieg zu den Werken von Houellebecq für „Unterwerfung“ entschieden, da mich das Thema Politik und Gesellschaft in Verbindung mit Religion, hier speziell dem Islam, sehr interessiert hat. Ein vielschichtiges Szenario einer desorientierten Gesellschaft wird hier heraufbeschworen, die versucht ist, sich aus ihrer Verlorenheit gänzlich anderen Werten hinzugeben, sich ihnen zu unterwerfen. Die Konsequenzen, die sich für die Gesellschaftsstruktur und vor allem auch der Bildung ergeben, wird hier sehr anschaulich beschrieben. Houellebecq beschwört eine Atmosphäre herauf, die viele Fragen aufwirft und durch ihrer ganzheitliche Veränderung unangenehm, wenn auch sehr glaubwürdig ist. Es ist dem Autoren eigen, dass in seinen Werken ein eher radikales, sexistisches Frauenbild gepflegt wird, was ich persönlich abstossend fand. Wer sich auf Houellebecq und seine Vielschichtigkeit und Intelligenz einlässt, muss wohl lernen, darüber hinwegzulesen

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
23. Feb.
Rating:5

Da habe ich mich ja ziemlich dem medialen Aufschrei unterworfen als das Buch im Jahr 2015 erschien. Eine schlimme Provokation, islamophob, frauenverachtend und eng verbunden mit den Anschlägen auf Charlie Hebdo wenige Tage vor Erscheinung des Buchs, schrieben die Zeitungen. Auf so etwas hat ich keine Lust. Erst als ich vor kurzem die Biografie [b:Der Fetzen|44450352|Der Fetzen|Philippe Lançon|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1552827856l/44450352._SY75_.jpg|61553911] des Journalisten Philippe Lancon, der das Attentat in den Räumen der Satireredaktion schwer verletzt überlebte, las, kam Houellebecqs Roman wieder in den Blickpunkt, denn Lancon stellt die Bedeutung des Skandalautors für den französischen Literaturbetrieb sehr positiv dar. Also war es nur konsequent, mir selbst ein Bild zu machen, zumal Houellebcqs politische Vision sieben Jahr in der Zukunft spielte, also jetzt im Jahr 2022. Und was habe ich mich getäuscht. Das Buch ist zwar provokativ, aber keineswegs verachtend gegenüber dem Islam. Fast schon eher das Gegenteil. Ist es eine Satire? Oder eine Dystopie? Irgendwie trifft meiner Ansicht nach beides zu. Satirisch ist es, da die real existierenden Politker*innen der französischen Partielandschaft namentlich erwähnt werden in diesem Spiel um die Präsidentschaftsmacht. Die Linke zerstritten, mit großem Vertrauensverlust und die Rechten erstarkend unter M. LePen kurz vor dem Gewinn der Wahlen. Da schwingt sich die (fiktive) gemäßigte, islamische Bruderschaft mit einem charismatischen Präsidentschaftskandidaten als zweitstärkste Kraft auf. Und was machen die Linken als Verlierer? Um die Wahl LePens zu verhindern, verhelfen sie den Islamisten an die Macht und Frankreich verändert sein Gesicht, verschleichtert sich und legt den westlichen Lebenstil ab. Das ist natürlich provokativ, aber es ist erstaunlicherweise nie offensichtlich wertend. Es ist total klug als Gesellschaftssimulation entworfen. Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler, ein Mitte 40er, Literaturwissenschaftler, sexuell frustriert, eitel, ein Opportunist und ein Mensch, der sich letztlich auch unterwirft. Wie so viele andere auch, die dem Rausch des Geldes verfallen, wenn die Saudis mit den Scheinen winken. Noch nie erstrahlte die Sorbonne so schildernd als nach der Übernahme zur Islamischen Universität. Unterwerfung ist hier mehrdeutig zu sehen. Frauen unterwerfen sich Männern. Die Menschen unterwerfen sich Allah. Die Christen unterwerfen sich dem Islam. Europa unterwirft sich dem Geld. Das ist wirklich hervorragend durchgespielt und erschreckend. Auch wenn man weit davon entfernt ist, Pegida zu unterstützen, so muss man sich doch die Frage stellen, ob das nicht auch so kommen könnte. Sind die Übernahme der europäischen Top-Fußballvereinen durch Geldgeber als dem Mittleren und Fernen Osten nicht schon ein Indiz? Wenn sich Fans aus Newcastle freudig als Scheiche verkleiden und die künftige Auferstehung ihres mittelmäßigen Klubs zelebrieren, ist das Unterwerfung? Welche Werte sind uns als Europäer wichtig? Welche verraten und verkaufen wir jetzt schon in diesem EU-Gebilde, das an allen Ecken anfängt zu zerbröckeln? Wenn Literatur es schafft, einen so zum Nachdenken zu bringen, Dinge anzusprechen, die in den politschen Diskussionen unaussprechlich bleiben, dann ist das für mich absolut relevant und lesenswert. Auch wenn es sprachlich eher gewöhnlich und an manchen Stellen etwas zäh ist für Leser, die sich mit den französischen Verhältnissen nicht so auskennen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
9. Feb.
Rating:1

Erwartungen nicht erfüllt ...

Ich mag Dystopien. Daher hat mich der Klappentext auf ein gutes Buch hoffen lassen. Dabei ist es leider geblieben, denn eine tiefgründige Gesellschaftskritik kann man nicht erwarten. Der Protagonist Francois war mir in jeder Hinsicht höchst unsympathisch. Frauen behandelt er herablassend und wie etwas, was sich Mann nur zu nehmen braucht...Zudem hält er sich für den allergrößten und meint die Weisheit mit Löffeln gefuttert zu haben. Da ich mich außerdem kaum mit französischer Literatur auskenne, konnte ich auch den (gefühlt) ewig langen Textpassagen, in denen der Protagonist über genau diese ausgiebig philosophiert nichts abgewinnen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
29. Dez.
Rating:3

Die Islamisierung Frankreichs und Europas

Houellebecq beschreibt hier geradezu genüsslich, wie ein geschwächtes Europa sich in die Arme national-muslimischer Parteien wirft. Treiber dieser „Unterwerfung“ sind die linken Parteien, welche (anscheinend) lieber ein islamisiertes Europa haben wollen, als ein rechts-national bzw. rechts-extremes. Ich muss zugeben, dass die Geschichte eine gewisse Faszination entfaltet, auch wenn mich die ganze literaturwissenschaftliche Diskussion um Huysmans und andere Autoren nur wenig interessiert. Genauso wenig wie die sexuellen Abenteuer des Protagonisten. Nebenbei im Plauderton werden tiefgreifende Umwälzungen in der französischen Gesellschaft beschrieben: Privatisierung der Universitäten, die fortan durch reiche Araber finanziert werden, ja sogar das gesamte Bildungssystem wird auf ein Minimum zurecht gestutzt. Die EU wird ohne große Probleme schnell nach Nordafrika und um andere islamische Staaten erweitert. Die Rechte der Frauen werden massiv eingeschränkt und sie generell dem Arbeitsmarkt größtenteils entzogen. Für Männer wird ohne große Umschweife die Vielehe erlaubt und wer im neuen Staat oder in den privatisierten Universitäten irgendwas werden will, sollte, nein muss zum Islam konvertieren. Und das alles OHNE großen Widerstand der Bevölkerung und sogar ziemlich geräuschlos. Gerade in diesem letzten Punkt sehe ich wenig Glaubwürdigkeit: Die sonst so demonstrations- und protestfreudige französische Gesellschaft ergibt sich einfach so einer muslimischen Herrschaft? Frauen leisten wenig bis keinen Protest bei massiver Einschränkung ihrer Rechte? Die intellektuelle Elite an den Universitäten lässt es ohne groß zu murren islamisieren oder mundtot machen? Generell finde ich den Aufstieg einer muslimischen Partei ebenfalls nicht sehr wahrscheinlich, da z.B. in Deutschland oder Frankreich nur knapp 5% aller Menschen Muslime sind. Was dort im Kern mitschwingt ist eine Abneigung gegenüber der Linken und den intellektuellen Elite, denn gerade sie sind es die aus Sicht des Buches die Demokratie und ihre Werte verraten. Während linke Ideen auch kaum ausgebreitet werden kommen rechte und identitäre Ideen breit zu Wort und werden dem Islam gegenübergestellt. Als gäbe es nur zwei Optionen: Rechtsnational oder islamistisch.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
13. Aug.
Rating:4

Eine sehr zahme Islamisierung Frankreichs und ein langweiliger und einsiedlerischer Hochschulprofessor um den es primär in dem Buch geht. Obwohl das Buch ein paar Längen hat und mir der Prof immer unsympathischer wurde, fand ich das Buch durchaus interessant zu lesen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
1. Juni
Rating:1

In dem Klappentext heißt es "›Unterwerfung‹ handelt vom Zusammenprall der Kulturen und stellt Fragen zum Verhältnis von Orient und Okzident, von Judentum, Islam und Christentum – Fragen, die heute so relevant sind wie nie." Vom "Zusammenprall der Kulturen" war in diesem Buch nichts zu spüren. Die Islamisierung von Frankreich spielt im besten Falle eine Nebenrolle, die den Protagonisten kaum tangiert. Er ist ausschließlich mit sich, seiner Literatur und seinem Schwanz beschäftigt. Wer hier eine interessante, alternative Realität erwartet, der wird bitter enttäuscht. Auch die Gedanken über eine Islamisierung sind im besten Falle Einfallslos. Bis auf die Tatsache, dass der Protagonist seinen Job verliert und den meisten Frauen die Rechte abgesprochen werden, passiert nichts in diesem Buch. Alles, was politisch oder religiös relevant wäre, wird einem nebenbei erzählt, ohne, dass es größere Auswirkung auf François Leben oder sein Innerstes hätte. Die Geschichte hätte ohne die Islamisierung genauso stattfinden können. Ich finde es schade, dass hier das Versprechen eines alternativen Szenarios geboten wird und man sich doch nur auf die Midlifecrisis eines chauvinistischen Fickers einlässt. Wer wissen möchte, wie sich ein Land bei einem so drastischen politischen und religiösen Umbruch verhält, ist fehl am Platz. In diesem Buch erwarten dich gähnende Langeweile, ein überholtes Frauenbild, eine schlechte Porträtieren des Islams und vor alledem ein deprimierter Mann, der viel zu viel über den Schriftsteller Huysmans nachdenkt. Ich finde nicht, dass dieses Buch auch nur eine relevante Frage aufwirft.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
9. Mai
Rating:3

Michel Houellebecq entwirft in seinem Roman “Unterwerfung” ein politisches Szenario, das Frankreich maßgeblich umgestalten wird: Die Bruderschaft der Muslime gewinnt die Wahlen und führt die französische Gesellschaft in eine muslimische über. Der Protagonist Francois ist ein in die Jahre gekommener Uniprofessor und Experte für den Schriftsteller Joris-Karl Huysmans und blickt diesem Umbruch recht leidenschaftslos entgegen. Mit klar depressiven Zügen kann er seiner Existenz nicht allzu viel abgewinnen und ist eher um seine schwindende Potenz besorgt, als um die gesellschaftlichen Entwicklungen und den drohenden Bürgerkrieg. Durch Gespräche mit einem pensionierten Geheimdienstler erfährt er allerdings immer mehr über die versteckte Dynamik der politischen Akteure und entwickelt allmählich eine Faszination für die Geschehnisse und die Machenschaften im Hintergrund. In meinem ersten Leseerlebnis mit dem Autor hat Houellebecq mich vor allem mit seinem Protagonisten Francois überzeugt. Der politisch absolut unkorrekte, etwas depressive, fast schon nihilistische Charakter war wie gemacht für dieses Setting. Mit allem, was ihm und um sich herum passiert, findet er sich recht schnell ab - sei es der Verlust seiner nach Israel fliehenden Liebhaberin oder die Kündigung seiner Professur. Allem sieht er hochgradig abgeklärt entgegen, entgleitet aber auch immer mehr in trübe, gefühlslose Abgründe. Mit dem Aufstreben des Islams in Frankreich, eines “gemäßigten” Islams, werden natürlich unzählige Fragen aufgeworfen, die Houellebecq geschickt unterhebt. So erleben wir das problematische Frauenbild des Uniprofessors im Vergleich dazu, wie Frauen in der neuen islamischen Ordnung Frankreichs behandelt werden. Wir sehen, wer von den Umwälzungen profitiert und wer, ganz nebenbei, aus der neuen Gesellschaft ausgeschlossen wird. Ich kann ohne Probleme die Meisterschaft Michel Houellebecqs erkennen und habe mich mitunter sehr über den ironisch-zynischen Ton amüsiert, der oftmals durchkommt. Gleichzeitig haben mich aber die seitenweise politisch-religiösen Abhandlungen ermüdet und nicht abgeholt - sicherlich auch persönlicher Präferenz geschuldet. Das Thema war mir dafür wohl nicht wichtig und nah genug. Genauso ging es mir mit den Ausführungen zu Huysmans, der im Roman regelmäßig zitiert oder anderweitig herangezogen wird. Es ist natürlich nicht Houellebecqs Schuld, dass ich Huysmans nicht gelesen habe, aber dadurch blieb mir ein nicht unerheblicher Teil der Ausführungen leider verschlossen. Mein Interesse für den Autor ist mit dieser Lektüre dennoch geweckt und für LeserInnen, die gerne politische und gesellschaftliche “Was wäre wenn”-Szenarien durchspielen, ist bereits dieser Roman sehr zu empfehlen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag
23. Sept.
Rating:2

Der Protagonist, ein Akademiker, der sich selbst für brilliant und Frauen eigentlich nur in fickbar und unfickbar hält, stolpert durchs Paris im Jahre 2022. Er hat an sich kaum Ansprüche, findet aber immer etwas an anderen zu kritisieren. Die Journalisten sind ihm nicht kritisch genug, die Kollegen nur auf ihre Pfründe bedacht und Frauen nicht knackig genug. Was bei Eichendorff noch sympathisch rüberkommt, ist hier nur zum Kotzen. Dieser Taugenichts ist einfach nur eine Pein und nicht Chronist einer Dystophie, sondern deren Leutchtboje. Seine religiöse Erleuchtung ist nichts anderes als "Mann über Frau". Eine Frau für die Küche, ein Fräulein fürs Bett. Davon hat er schon geträumt, als er noch jedes Semester eine andere Studentin als Betthäschen hatte. Da ich das Buch einfach auf Empfehlung als ungekürztes Hörbuch geladen habe, wusste ich NICHTS darüber. Lange dachte ich, es spiele im 18. Jahrhundert. Dann habe ich den Autor und das Buch bei Wikipedia nachgeschaut. Ich glaube, als Prophet würde ich den Autor nicht bezeichnen.

Unterwerfung
Unterwerfungby Michel HouellebecqDuMont Buchverlag