
Die US-amerikanische Politikerin emigrierte als Elfjährige mit ihrer Familie von der Tschechoslowakei in die USA. Seit den 70er Jahren ist die Demokratin in der Innen- und Außenpolitik präsent, während der Regierungszeit von Bill Clinton war sie Außenministerin. Sie zeigt in diesem Buch auf, welcher Mittel sich Faschisten bedienen, warum sie erfolgreich sind und warum sie scheitern. Ihr politisches Verständnis ist geprägt von den eigenen frühen Erfahrungen ihrer Familie als Flüchtling, zuerst vor den Nationalsozialisten, dann vor den Kommunisten. Die Autorin war als Universitätsdozentin tätig und das merkt man dem Buch an. Ich habe den Eindruck, ein Vorlesungsskript zu lesen. Ein sehr gutes, denn es liest sich flüssig und ist unterhaltsam mit Anekdoten gespickt. Und doch frage ich mich die ganze Zeit, ob da noch mehr kommt oder ob es nur das ist, das vor dem Faschismus warnen wie es der Titel ankündigt. Spoiler: Mehr wird es nicht. Das Buch ist als Reise durch die Weltgeschichte aufgebaut. Zwischenetappen sind die Länder, wo Faschisten Grausames anrichteten, wo sie zu Beginn Wunderbares versprachen. Der amerikanische Pathos dringt das ein oder andere Mal sehr heftig durch, große Worte über große Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Geschichtlich durchaus interessant, aber dann auch wieder arg knapp, wenn man mehr wissen will über die Machenschaften der einzelnen faschistischen Regierungen. Ihr Fazit am Ende ist nicht überraschend: Nur Demokratie kann die Lösung sein. Das Buch erschien 2018; Donald Trump war seit einem Jahr Präsident, Putin hatte vor vier Jahr die Annexion der Krim erklärt. Heute lese ich diese Passagen und stelle mir vor, wie fassungslos die Autorin gewesen wäre, hätte sie die Wiederwahl Donald Trumps miterlebt. Sie starb im März 2022, einen Monat dem Überfall Wladimir Putins auf die Ukraine. Insgesamt mag das Buch denjenigen gefallen, denen ein Überblick über die historischen Zusammenhänge des weltweiten Faschismus seit Beginn des 20. Jahrhunderts genügt. Wer sich damit bereits auseinandergesetzt hat, erfährt keine neuen Sichtweisen, auch die Lösungen sind bekannt.


