Ich habe viele gemischte und eher negative Rezensionen gelesen, denen ich mich zum Glück nicht anschließen kann. Mich hat die Geschichte sehr bewegt, das Buch habe ich in wenigen Tagen inhaliert. Ich habe mitgefühlt und mitgefiebert, mitgelitten und mitgeliebt.
An und für sich war es ein schön melancholisches Buch, die passive Art der Erzählerin hat eine bedrückende Stimmung erzeugt. Jedoch fand ich einige Abschnitte in dem Buch mehr als durchwachsen; die Entwicklung einiger Nebencharaktere empfand ich als unglücklich gewählt. Die Story an sich hat sich schnell entwickelt, dann gezogen und fand ein relativ schnelles Ende. Phasenweise wurden manche Entwicklungen sehr ausführlich beschrieben, an anderen Stellen wurde man dann mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt. Den Schreibstil fand ich jedoch sehr schön zu lesen und die bereits erwähnte Stimmung im Buch ist auch am Ende gut durchgekommen. Nur eine Szene - ich möchte nicht spoilern - empfand ich als sehr unangebracht und verstörend.
Als ich die erste Seite des Buches gelesen habe dachte ich, dass ich das in einem einem Tag durchlesen werde. Doch die schönen ausführlichen Be-/Umschreibungen (z.B. "nachts sieht man nur Licht") tauchen zwar ab und zu wieder auf, aber die meiste Zeit sind die Worte sehr schwer und bedrückend. Es ist ein Buch über eine große Einsamkeit, eine unverhoffte Liebe und auch Schmerz.
Manchmal war mir nicht klar warum sehr banale Situationen super ausführlich beschrieben wurden und dann wieder aus meiner Sicht wichtige Dinge in drei Sätzen abgehandelt wurden.
Auf jeden Fall wurde die Einsamkeit der Protagonistin sehr gut ausgearbeitet - ich hätte sie manchmal gerne in den Arm genommen.
Das Ende war okay, aber nicht das Happy-End das es hätte sein können, wobei es auch irgendwie zum Buch gepasst hat.
Die Liebenden der Nacht entzieht sich jeder einfachen Beschreibung und ist von unaufdringlicher Schönheit.
Alles an dieser Geschichte wirkt schlicht. Und gerade diese Schlichtheit macht sie so treffend. Die Handlung drängt nicht, sie verfolgt kein großes Ziel. Sie lässt den Raum stehen für das eigentliche Anliegen: das Gefühl der Ohnmacht, das entsteht, wenn Nähe zu einem unerfüllten Wunsch wird.
Diese bittersüße Mischung aus Schmerz und Vertrautheit, aus Sehnsucht und Stillstand. Manche Geschichten führen dich irgendwohin. Diese führt dich zu einem Gefühl, das du vielleicht kennst, aber selten benennen kannst.
Die Story hat einen Sog, der ohne jede Effekthascherei auskommt. Man liest weiter, weil man dieser stillen Traurigkeit näherkommen möchte, weil man hofft, dass sich etwas löst und zugleich weiß, dass sich manche Geschichten gerade durch ihre Unauflösbarkeit so wahr anfühlen.
Ich habe das Buch in 3 Tagen ausgelesen- das passiert sehr sehr selten. Aber dieser Sog der von der Geschichte ausgeht, hat mich komplett in den Bann gezogen.
Vermeidender Bindungsstil - der Roman
Kurzweilig und hatte ein paar interessante Takes. Das Ende fand ich etwas unspektakulär. Lustigerweise musste ich die ganze Zeit über an “Griechisch Stunden” von Han Kan denken, das mit einer recht ähnlichen Prämisse, weitaus poetischer ist als „All die Liebenden in der Nacht”.
Ich dachte zuerst, es würde ein schönes Buch über die Selbstfindung der Protagonistin werden - stattdessen hat es mir absolut gar nichts gegeben. Die Charaktere, allen voran die Hauptprotagonistin, haben mich eher an ihrem Verstand zweifeln lassen und waren unausstehlich. Manche Aussagen fand ich schlicht daneben oder absolut grenzwertig. Für mich wollte das Buch unbedingt tiefgründig wirken, angekommen ist davon aber rein gar nichts. Stattdessen haben die meisten Handlungen und Aussagen keinerlei Sinn ergeben oder mich fast schon wütend gemacht.
Und dann werfen wir in einem Kapitel noch komplett random ‼️ Achtung Spoiler und gleichzeitig Triggerwarnung ‼️ eine Vergewaltigung ein, die nicht mehr thematisiert, sondern einfach so stehengelassen wird?
Falls es noch nicht klar war: Ich würde das Buch nicht einmal meinem schlimmsten Feind empfehlen.
„Ich war ganz allein, und es war niemand da, der mich ansah. Aber das bedeutete nicht, dass ich unsichtbar war.“
Die 34-jährige Fuyuko, arbeitet als Korrekturleserin, führt ein isoliertes und einsames Leben. Sie liebt die nächtlichen Spaziergänge durch Tokio genauso wie ihre Arbeit. Trotz des sporadischen Kontakts mit ihrer langjährigen Freundin Hijiri, die das komplette Gegenteil von Fuyuko ist, fühlt sie sich zunehmend isoliert. Sie versucht mutiger und offener zu werden. Sie beginnt zu trinken, erst ganz harmlos mit einem Feierabendbier und endet mit dem Mitnehmen einer Thermoskanne Sake. Die zufällige Begegnung mit einem Mann namens Mitsutsuka gibt ihr ein Fünkchen Hoffnung.
Kawakami gelingt es wieder, einen ruhigen und fesselnden Roman zu schreiben. Die Stimmung greift sie perfekt auf und man bekommt ein Gespür für die Lage der Protagonistin. Die Gespräche zwischen Fuyuko und Mitsutsuka haben mir sehr gut gefallen, weil diese feinfühlig sind und man eine Entwicklung spürt. Auch wenn der Roman überwiegend traurig ist, gibt es am Ende Hoffnung und hinterlässt ein gutes Gefühl.
All die Liebenden der Nacht wirft einen kritischen Blick auf die jüngere Erwachsenenwelt der Frauen in Japan.
Eine intensive Lektüre über Einsamkeit und Alkoholismus.
Die ruhige und schnörkellose Schreibweise von Mieko Kawakami haben mich auch bei diesem Roman wieder völlig überzeugt. Die Einsamkeit von der 34jährigen Protagonistin Fuyuko wird hier so deutlich beschrieben das es fast schon schmerzt. Sie hat mir so leid getan wie sie die Abende, ja sogar ihren Geburtstag ganz alleine verbacht hat. Niemand da der nach ihr fragt. Der Griff zur Flasche, ihr einziger Trost. All die Liebenden der Nacht. Ein weiterer toller Roman der Autorin. Doch Vorsicht, leichte Kost ist das nicht!
Dieses Buch ist für mich der Inbegriff für ein Sąd Girl Book. Die Protagonistin ist super langweilig, die Dialoge zwischen den Charakteren sind langweilig. War einfach kein Buch für mich.. leider
Schöne, angenehm zu lesende Sprache. Die Handlung ist schwer nachzuvollziehen, das Thema Alkohol ist Nebensache, vollkommen unverständlich weshalb sie trinkt.
Die provokative Gesellschaftskritik scheint manchmal Anleitung zu sein.
Tolles tiefsinniges Buch über das Leben. Leicht plätschert die Geschichte dahin ohne belanglos oder langweilig zu sein.
Die 35 jährige Fuyoko führt ein stilles und einsames Leben als Korrekturleserin. Tief unglücklich fängt sie mit dem Trinken an und lernt im Laufe des Buches einen Mann, die Liebe und den Mut zum Leben kennen.
Gutes Buch für ein kuscheliges Winter Wochenende (da die Schlüsselszenen auch im Winter bzw. in der Weihnachtszeit sind)
Fuyuko ist eine zierliche, zarte und unscheinbare Person ohne Kontakte. Sie lebt in der Metropole Tokio. Eines Tages sieht Sie Ihr Spiegelbild in einem Schaufenster und erschrickt. Grau in Grau, mit einer Jeans und einem Pullover. Fuyuko ist Korrekturleserin, sie arbeitet hauptsächlich im Homeoffice und verbringt daher nahezu jede Stunde Ihres Daseins alleine in Ihrem kleinen Appartment. Sie hat keine Freunde und auch keinen Kontakt zu Ihrer Familie. Durch Zufall liest Sie einen Artikel in dem es um Frauen Ihres Alters geht, die eine Familie planen und Kinder haben. Sie weiß, Sie wird nie dazugehören, denn Fuyuko lebt nun mal ein einsames Leben. Bald darauf beginnt sie allein abends zu trinken, erst in einem normalen Maß zum Schlafen, ein Glas Bier oder ein Glas Sake, mit der Zeit entwickelt sich ein Gefühl, dass Ihr innere Freiheit gibt. Sie fühlt sich etwas selbstsicherer und fängt an Ihrem Geburtstag an, nachts spazieren zu gehen. Dieses Gefühl von Sicherheit findet sie so gut, dass Sie beginnt immer wieder auch mal tags zu trinken, nie auffällig oder so, dass sie ihre Arbeit nicht ausüben könnte, aber doch in einer Regelmäßigkeit, dass sie eine Thermoskanne mit Alkohol bei sich trägt. Eines Tages begegnet sie, betrunken, dem Physiklehrer Herr Mitsutsuka. Er merkt, dass Sie etwas angetrunken ist, behält aber für sich. Sie beginnen sich regelmäßig in Cafe zu treffen und Herr Mitsutsuka erklärt Fuyuko Ihre Fragen zum Licht. Dieses Treffen sind für Fuyuko etwas schönes, aber ohne Alkohol schafft sie das nicht. Der Physiklehrer löst in ihr unbekannte Gefühle aus. Mieko Kawakami beschreibt intensiv und poetisch zugleich, diese Gefühl vom ersten Verliebtsein, in diesem Fall einer erwachsenen Frau, die droht unterzugehen, aber durch die Bekanntschaft mit Herrn Mitsutsuka eine Rettung findet. Ein wahrlich schöner Roman, so lieblich und unschuldig, der uns mit einem guten Gefühl zurücklässt.
Fuyuko, 34, Korrekturleserin, führt ein zurückgezogenes Leben, was man nicht als solches bezeichnen kann. Vielmehr exsistiert sie, arbeitet, geht ab und an spazieren… In dem was sie tut funktioniert sie perfekt, bis sie irgendwann feststellt, dass dies nicht alles sein kann. Sie verfällt dem Alkohol, der es schafft die Gedanken zu vernebeln und der sie sich irgendwie auch lebendiger fühlen lässt.
Eines Tages trifft sie auf Herr Mitsutzuka und es entspinnt sich Sörens wie eine Freundschaft, die sie allmählich aus ihrem Sog heraus zieht.
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„All die Liebenden der Nacht“ ist ein sehr ruhiger Roman, was mir unglaublich gut gefallen hat. Mielo Kawakami schafft es auf den Punkt die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonistin einzufangen. Dies alles geschieht in einer wunderbaren Sprache, voll von Bildern.
Am Besten haben mir die zahlreichen Dialoge gefallen, spiegeln sie doch gut die japanische Gesellschaft wieder. Das Zurückhaltende, das Ruhige und In-sich-gekehrte.
Die Autorin schafft es eine sehr melancholische Atmosphäre zu erzeugen, die Einsamkeit und teilweise Verzweiflung von Fuyoko schwingt in jeder Zeile mit.
Die selbstgewählte Isolation und der Versuch sich daraus zu befreien, sind die tragenden Themen, angereichert mit den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum. Gerade letzteres scheint zwischenzeitlich ein Ausweg für die Protagonistin darzustellen, es wird aber auch aufgezeigt, welche Folgen dies haben kann.
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Ein toller Roman für alle, dir mal etwas Ruhigeres lesen wollen, der sprachlich wunderschön ist und durch die kleinen Dinge, die ein Leben lebenswert machen, besticht. Große Empfehlung meinerseits.
Einfühlsamer, mit sehr viel Feingefühl geschriebener Roman.
All die Liebenden der Nacht hat mich unglaublich gefesselt. Die Bücher „Brüste und Eier“ und „Heaven“ von der Autorin haben mich begeistert, aber mit diesem Roman hat sich die Autorin selbst übertroffen.
Die Autorin Mieko Kawakami hat mit jedem einzelnen wohl überlegten Wort und mit viel Zeit, die Gefühlswelt der Protagonistin Fujuko beschrieben. Aufgrund der Detailliebe der Charakterisierung der einzelnen Protagonisten hatte ich manchmal das Gefühl eine Geschichte von real existierenden Personen zu lesen.
Die Geschichte war auf keiner einzigen Seite vorhersehbar und hat mich gefesselt.
Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und zählt jetzt schon zu meinen Jahreshighlights.
Eine leise, einfühlsame Geschichte über die schrittweise Befreiung einer jungen Frau aus sich selbst.
»All die Liebenden der Nacht« erzählt die Geschichte einer Frau, die in sich verloren gegangen ist. Die schon immer introvertiert und sozial inkompetent war, die sich jedoch im Laufe der Zeit komplett in sich zurückgezogen hat. Als Korrekturleserin sucht Fuyuko gewissenhaft nach den Fehlern in den Worten anderer und übersieht dabei ihr eigenes Verstummen. Sie lebt ein Leben, das eben passiert. Nur ohne sie, schon viel zu lang. So lange, dass sie, als ihr ihre Einsamkeit wie Schuppen von den Augen fällt, nicht mehr weiß, wie man Anteil nimmt am Leben. Fuyuko ging mir unter die Haut, ich hatte Mitgefühl und Mitleid mit dieser Frau, die in ihrem Herzen ein verschrecktes Kind geblieben ist. Doch gleichzeitig gab es Momente, in denen ich einfach nur frustriert war von ihrem Wesen, ihrer Unfähigkeit ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Selbstbestimmung – das zentrale Thema dieses Romans, auf mehreren Ebenen. Denn blickt man tiefer, so zeichnet »All die Liebenden der Nacht« ein starkes Bild einer Generation japanischer Frauen, die versuchen, sich von gesellschaftlich auferlegten Zwängen, Anforderungen und Widersprüchen daran, wie eine Frau zu sein hat, zu befreien. 🌙
»All die Liebenden der Nacht« begleitet eine Frau auf ihrem Weg heraus aus ihrem selbst gewählten Exil, hinein in ein Leben, in dem sie langsam lernt, Raum für sich, ihren Körper, ihre Stimme und ihre Gedanken einzunehmen. Ein Leben, in dem die Dunkelheit zwar immer einen Platz behält, und das doch Raum lässt für Licht und Schattenspiel. Leise, feinfühlig und berührend erzählt lebt der Roman von Kontrasten, die es zu entdecken gilt.
Die Protagonistin Fuyuko ist Mitte 30 und wohnt in Tokio. Sie lebt für ihren Beruf als Korrekturleserin, ist fleißig und gewissenhaft. Aber auch einsam. Verdammt einsam. Sie hat kaum soziale Kontakte, wirkt unscheinbar. Eines Tages blickt sie in den Spiegel und erschrickt – Ist das ihr Leben? Sie findet sich »erbärmlich«. Und dann beschließt sie, aus ihrem alten Leben auszubrechen. Fuyuko beginnt zu trinken.
Jedes Wort erscheint wie mit Bedacht gewählt. Kawakami geht behutsam vor. Ihre Sprache ist ruhig, langsam und angenehm schlicht. Leise und zugleich laut. Das Licht-Motiv zieht sich durch den gesamten Roman und korreliert mit der Emanzipation von Fuyuko. Ebenso gefällt mir die Gesellschaftskritik und der subtile erhobene Finger Kawakamis.
Dennoch konnte mich der Roman inhaltlich leider nicht überzeugen. Warum? Der Umgang mit Fuyukos Alkoholmissbrauch. Wir erfahren nicht, warum sie zum Alkohol greift und plötzlich nur noch mit einer Thermoskanne Sake das Haus verlässt. Genauso wenig erfahren wir, warum sie von einen auf den anderen Tag wieder damit aufhört. Der Wandel von Fuyuko ist radikal und erfolgt ohne ersichtliche Überleitung. Ich hätte mir einen differenzierten und nachvollziehbaren Umgang mit dem Thema hinsichtlich der Beweggründe und Auswirkungen gewünscht. Ich bleibe mit vielen Fragezeichen und dem unguten Gefühl zurück, etwas Essentielles übersehen oder nicht verstanden zu haben.
Aus dem Japanischen von Katja Busson.
TW: Alkoholmissbrauch, sexuelle Gewalt
Vielleicht waren meine Erwartungen nach "Brüste & Eier" und "Heaven" zu hoch, doch irgendwie machte es bei dem Buch nicht *klick*. Trotz gewohnt großartiger Sprache.
Fuyuko ist Mitte 30 und lebt allein. Sie arbeitet als Korrekturleserin und würde auf Nachfrage wohl sagen, sie sei vollkommen zufrieden. Doch eines Tages erblickt sie ihr Spiegelbild und erschrickt, denn sie sieht eine zutiefst unglückliche Frau. Ob Alkohol es ihr leichter machen würde, auf andere Menschen zuzugehen? Aus einem Feierabendbier werden vier oder fünf am Morgen, dann eine Thermoskanne Sake, die sie überall mit sich trägt.
Am persönlichen Tiefpunkt begegnet sie einem Mann, der nichts von ihr fordert. Sie unterhalten sich über Physik, Musik – und über Licht.
Kawakami erzählt von einer Frau an der Schwelle zur Selbsterkenntnis. Ohne sich dessen vollends bewusst zu sein, wird Fuyuko gehemmt von dem tief verwurzelten Wunsch, still und nützlich so wenig Raum wie möglich einzunehmen und nichts für sich selbst zu fordern. Dies spiegelt sich in kargen Dialogen wider, in denen sie sich selber nur wenige Worte zugesteht.
Blindlings tastet sie sich voran, getrieben von einem zunehmenden Gefühl der Unerfülltheit, doch jeder Schritt ihres Weges wird von einem verinnerlichten Schmerz begleitet – ein langsamer, fast wehenartiger Prozess. Beim Lesen bangte ich mit angehaltenem Atem: Würde ihre Reise in einer symbolischen Geburt enden, einer kraftvollen Neuerfindung, oder in Stagnation, vergleichbar mit einer Totgeburt?
Obwohl die Autorin oft in minimal reduzierten Worten spricht, wirkt ihr Schreibstil gerade in dieser fein dosierten Zurückhaltung überaus eindringlich. Sie hat ein Gespür dafür, die perfekten Momente einzufangen. Subtil benutzt sie Licht als Metapher für menschliche Beziehungen: mal Teilchen, mal Welle – mal kurzlebiges Aufblitzen, mal eine länger anhaltende Woge der Gefühle.
Eine Vielzahl von Themen wird nuanciert aufgefächert, die Geschichte ist komplex und vielschichtig. Sie erkundet Facetten des modernen Frauseins und der persönlichen Identität, in Konflikt mit dem Patriarchat und den gesellschaftlichen Normen im zeitgenössischen Japan. Dennoch geht der Roman über kulturelle Grenzen hinaus und erzeugt eine universelle Resonanz, sodass sich Leser:innen weltweit in ihm wiederfinden werden.
Fuyuko ist Mitte 30 und arbeitet als selbstständige Korrekturleserin in Tokyo. Ihr Alltag ist gleichförmig, isoliert, ohne Hobbies und Interessen, Freundschaften und Familie. Sie ist einsam. Eines Tages wird sie sich schlagartig dessen bewusst. Sie will ihr Leben ändern und sie beschließt zu trinken (wohl auch um ihre Ängste in den Griff zu kriegen). Bald geht sie nicht mehr ohne eine Thermoskanne Sake aus dem Haus. Eines Tages begegnet sie Herrn Mitsutsuka, mit dem sie schüchterne Gespräche führt. Und dann ist da noch ihre Auftraggeberin Hijiri, die mehr und mehr zu einer Freundin wird.
"All die Liebenden der Nacht" ist ein Roman über eine Frau, die eine Randfigur in ihrem eigenen Leben ist. In Rückblenden bekommen wir einen Eindruck davon, wie sie dazu wurde und im Verlauf der Handlung (die ohne besonderen Plot auskommt) erleben wir, wie sie nach und nach Schichten der Isolation ablegt und sich aus ihrem Schneckenhaus herauswagt.
Mieko Kawakami stellt Fuyuko drei weitere Frauenfiguren zur Seite, die alle etwa gleich alt sind, aber ganz unterschiedliche Lebensentscheidungen getroffen haben und auf ihre Weise damit hadern. Dementsprechend gibt "All die Liebenden der Nacht" auch ein Buch über das Leben von Frauen in Japan, einem Land, in dem sich traditionelle Geschlechterrollen eisern halten und von Gleichstellung keine Rede sein kann.
Es ist ein leiser Roman, den Menschen langweilig finden könnten, da sich die Handlung sehr langsam entwickelt. Ich habe genau diese Zartheit der Geschichte sehr gemocht.
Einfühlsame Geschichte über eine einsame junge Frau in der japanischen Gesellschaft. Es verblüfft mich einfach immer wieder wie konservativ diese ist und wie schwer es Frauen in vielerlei Hinsicht haben.