Wieder einmal stellt sich die Strafrechtsprofessorin der Frage nach der strafrechtlichen Relevanz gesellschaftlicher Fragen - sehr interessant
„Wir brauchen eine neue Kultur des Zweifelns, in der nicht die Gewissheit, sondern die Suche nach der Wahrheit im Vordergrund steht.“ Mit diesem Satz endet das Sachbuch. Es ist das zweite Sachbuch und das dritte Buch der Autorin, dass ich gelesen habe. Wieder einmal beleuchtet sie ein Thema systematisch, unaufgeregt und gut verständlich. Wieder einmal bekomme ich Lust, mich mal in eine ihrer Vorlesungen zu Schleichen. In diesem Buch widmet sie sich der Frage nach Wahrheit und Lüge in den unterschiedlichsten Bereichen, u.a. in den Medien, den sozialen Netzwerken und in der Politik. Besonders schätze ich den Einblick, den sie in die Mängel unseres aktuellen Strafrechtes in Bezug auf das Thema des Buches gibt. Dabei verschweigt sie den Leser:innen auch nicht, welche Ansichten der ihren entgegen stehen und warum. Daneben macht sie aber auch sehr deutlich, dass das Strafrecht nicht die Antwort auf alles sein kann. Sie nimmt in den Blick und legt nachvollziehbar dar, welche Lügen bereits jetzt strafrechtlich verfolgt werden können und wo es nach ihrer Ansicht neue bzw. bessere Gesetze braucht, um aktuellen Entwicklungen (Beispiel Cybermobbing) gerecht zu werden. Andererseits erläutert sie, für welche Bereiche nach ihrer Ansicht das Strafgesetz nicht das richtige Mittel ist und bei der Suche nach der Wahrheit sogar hinderlich sein könnte. Das ganze ist wiederum mit zahlreichen interessanten Beispielen aus der Praxis unterfüttert. Natürlich war ich mit der Autorin nicht an allen Stellen einer Meinung, doch ihre Ausführungen gaben mir immer das Gefühl, dass dort, wo sie selbst ihre Meinung vorträgt daneben auch Raum für andere Meinungen und Diskurs ist. Ihre sachlich klare und dabei ausgesprochen unaufgeregte Art finde ich sehr wohltuend. Einige Kapitel habe ich mir Vorlesen lassen und kann auch das Hörbuch bedingt empfehlen. Ich empfand es an einigen Stellen als gut, zu stoppen und nochmal nachlesen zu können. Insofern kann ich den Mix empfehlen; das ausschließliche Hören hätte für mich nicht gepasst.

