Zwischen Synapsen und Gebeten: Die Suche nach dem Sinn in „Ein erhabenes Königreich“
Seit Januar stand dieses Buch ganz oben auf meiner Wunschliste. Nach dem beeindruckenden Debüt Heimkehren war ich gespannt, ob Yaa Gyasi dieses Niveau halten kann – und sie hat mich nicht enttäuscht. In drei Sätzen: Es ist eine tiefgründige Familiengeschichte über Rassismus und Sucht, eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben und der Versuch, die Welt gleichzeitig durch das Mikroskop und die Bibel zu verstehen. Wenn die Vergangenheit das Labor flutet Die Protagonistin Gifty, eine junge Naturwissenschaftlerin mit ghanaischen Wurzeln, promoviert in Stanford in den Neurowissenschaften. Als ihre Mutter mit einer schweren Depression bei ihr einzieht, beginnt Gifstys wohlgeordnetes Forscherleben zu wanken. Die Gegenwart vermischt sich mit der schmerzhaften Vergangenheit: dem Verlust des Vaters, der den Halt verlor, und des Bruders, der an der Sucht zerbrach. Gyasi schreibt mit einer Präzision (Schreibstil 5/5), die mich zutiefst beeindruckt hat – auch wenn die Spannung mit 2 Sternen eher ruhig und introspektiv bleibt. Ein Clinch zwischen Gott und der Wissenschaft Das Buch liest sich streckenweise wie eine Abrechnung mit der evangelischen Kirche, nur um im nächsten Moment die existenzielle Frage zu stellen: Wie sieht mein ganz persönlicher Glaube an Gott aus? Kann man die Logik der Neurowissenschaften mit der Spiritualität vereinen? Mein Lieblingszitat fasst diesen inneren Konflikt perfekt zusammen: „Früher sah ich die Welt durch eine christliche Linse, und als diese Linse beschlug, wandte ich mich der Wissenschaft zu. Beide wurden für mich zu wertvollen Sichtweisen, aber letztlich versagten beide dabei, das gesetzte Ziel voll zu erreichen: deutlich zu machen, Sinn zu stiften.“ Schockierende Realitäten Besonders hängen geblieben ist bei mir die Darstellung von Rassismus und der leichtfertige Umgang mit starken Medikamenten, der hier – genau wie in Demon Copperhead – Leben zerstört. Das hat mich so sehr beschäftigt, dass ich im kommenden Quartal unbedingt „Imperium der Schmerzen“ lesen möchte, um dieses Thema noch tiefer zu durchdringen. Wem würde ich das Buch weiterempfehlen? Jedem, der sich für die Annäherung von Wissenschaft und Glauben interessiert und wissen möchte, wie man in einer Welt voller Verluste zu sich selbst findet. Was ich mitgenommen habe: Am Anfang war eine Idee, eine Vernunft; am Anfang war eine Frage.















