Gesellschaftskritik
Für mich war es eher ein sehr guter gesellschaftskritischer Roman, der zum Nachdenken anregt, aber weniger ein Krimi. Dafür mangelte es an Spannung.
Gesellschaftskritik
Für mich war es eher ein sehr guter gesellschaftskritischer Roman, der zum Nachdenken anregt, aber weniger ein Krimi. Dafür mangelte es an Spannung.
Ein Gesetz, zwei Welten. Gerechtigkeit ist nicht gleich Gerechtigkeit.
"Darktown“ ist ein spannendes Krimibuch über eine wahre Geschichte von den ersten schwarzen Polizisten in Atlanta. Die Ereignisse spielen relativ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Lucius Boggs und Tommy Smith sind Teil der ersten Einheit von schwarzen Polizisten in den USA. Eine junge schwarze Frau wird tot in einer Gasse zwischen Müll gefunden; das letzte Mal, als man sie lebend sah, befand sie sich im Wagen eines wohlhabenden weißen Mannes. Lucius, Tommy und ihre Einheit beginnen die Ermittlungen gegen den ausdrücklichen Befehl ihrer weißen Vorgesetzten. Während ihrer Ermittlungen werden ihnen permanent Steine in den Weg gelegt und die schwarzen Polizisten sind mit allerhand Schikanen konfrontiert. Das Buch endet mit einem eher bitteren Beigeschmack und man stellt sich die Frage, inwieweit Gerechtigkeit in einem rassistischen System überhaupt vorhanden sein kann. Thomas Mullen zeichnet ein erstklassiges Bild der damaligen Zeit und die Thematik der Segregation greift er überragend auf. Es ist zwar nicht der spannendste oder brutalste Fall, den ich jemals gelesen habe, aber er ist glaubwürdig. Das Buch ist von seiner Stimmung generell sehr dunkel und ich würde es schon in die Richtung „Noir“ einordnen. Auch wenn die Geschehnisse etliche Jahre in der Vergangenheit spielen, ist es eine Thematik, die heute immer noch brandaktuell ist. Mir gefällt besonders gut die historische Tiefe, die in dem Roman steckt, und man kann vieles noch dazu lernen – vor allem, mit welchen Hindernissen die ersten schwarzen Polizisten zu kämpfen hatten, wie beispielsweise ohne Streifenwagen auf Streife zu gehen, keine Waffen tragen zu dürfen oder auch nur in „ihrem“ Viertel tätig sein zu dürfen. Besonders stark ist die aussichtslose Lage, in der sich die Einheit befindet. Man steht irgendwie zwischen allen Stühlen: Die Weißen sehen einen weiterhin als Menschen zweiter Klasse und die Schwarzen in ihrer Nachbarschaft betrachten die Polizisten äußerst skeptisch und teils sogar als Handlanger der rassistischen weißen Bevölkerung.
Ganz starker Auftakt zur dreiteiligen Reihe um die ersten Schwarzen Cops. Der Krimi ist ebenso stark.
Zwischen Kriminalität und Gesellschaft
Thomas Mullen schreibt nicht nur einen guten Krimi, sondern erzählt auch von gesellschaftlich relevanten Themen in den 1950er Jahren in den USA. Zwei Polizei-Teams. Eins schwarz, Eins weiß. Der gleiche Job, doch so viele Unterschiede.
In Atlanta – der Hauptstadt von Georgia, die sowohl im Bürgerkrieg als auch für die Bürgerrechtsbewegung wichtig war – werden im Jahr 1948 erstmals acht schwarze Polizisten eingestellt. Diese haben nur eingeschränkte Zuständigkeiten und Handlungsbefugnisse, aber es ist ein Anfang. So denken auch Lucius Boggs und Tommy Smith, die zu diesen acht Polizisten gehören und gemeinsam auf Streife gehen. Mehr auf meinem Blog "Notizhefte": https://notizhefte.com/2020/03/20/thomas-mullen-dark-town/
Es ist ein Kriminalroman, wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Die besondere Perspektive durch die Stellung von Lucius Boggs mit Tommy Smith als Hauptfiguren auf der einen Seite, deren Befugnisse keine Mordermittlung vorsehen, und der Perspektivwechsel zu Dennis Rakestraw auf der anderen Seite, der mit den brutalen, rassistisch motivierten Vorgehensweisen seines Partners, der offenkundig korrupt und bestechlich ist, nicht einverstanden ist, machen eine besondere Mischung aus. Thomas Mullen beschreibt schonungslos die Polizeigewalt und den grassiereden Rassismus in Atlanta: Die farbigen Polizisten haben beispielsweise ein eigenes "Revier" in einem Keller zugeteilt bekommen, sie dürfen das eigentliche Polizeirevier nicht betreten und sie dürfen auch außerhalb der Dienstzeiten nicht in ihrer Uniform herumlaufen. Sie finden sich in einem gefährlichen Spannungsfeld zwischen den Schwarzen in Atlanta wieder, die dankbar sind für ihre Hilfe, jenen, deren Machenschaften sie ein Ende machen, und den Weißen, die alles andere als begeistert sind, sich ihre Uniform mit Farbigen teilen zu müssen. Es war schwierig, dieses Buch zu lesen, weil man sich den Gewalttaten so machtlos gegenüber sieht. Weil man weiß, dass hier eine Handlung beschrieben wird, die 70 Jahre in der Vergangenheit liegt, aber ein Handeln, das noch immer nicht verschwunden ist. Es ist eine dunkle Geschichte, aber mit vielschichtigen, wunderbar beschriebenen Figuren, die einen am Lesen halten, auch wenn man eigentlich die Augen schließen möchte vor dem, was auf den Seiten geschieht. Erst spät im Buch beginnen Boggs und Rakestraw, Informationen auszutauschen, denn naturgegeben ist es eine sehr wackelige Allianz, die sich hier aufbaut. Bis dahin ermitteln zwei Einheiten unabhängig voneinander und beide jenseits ihrer Befugnisse und bringen Informationen zutage, von denen die andere nichts wissen kann. Dieses Buch hat mich gefesselt und geschockt, nicht losgelassen und bringt Krimis auf eine ganz neue Ebene. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band!