Wahnsinnig interessant, doch für den Laien schon sehr komplex und erfordert viel Disziplin
DNA-Mehylierung, Histone, Chromatin und Chaperons - molekularbiologische Bestandteile und Verfahren, die unsere Welt auf den Kopf stellen. Kitzelt man eine Heuschrecke oft genug am linken Oberschenkel, ändert sich ihr Verhalten und über Generationen hinweg wachsen ihr Flügel. Wieso? Weil der Druck einen epigenetischen Prozess anstößt, der sich einer Ernährungsknappheit anpasst. Je weniger Nahrung es gibt, desto enger sind die Heuschrecken körperlich an der Ressource versammelt. Zum Überleben wachsen ihnen Flügel, um weitere Strecken und bessere Nahrungsgründe zu erreichen. Von Pirola, der Pflanzenmutante, über Barr-Körperchen und inaktivierte X-Chromosome zu Rabenmutterratten und ihren gestressten Babys - unsere Umwelt bedingt unsere Gene. Nicht das Genom allein ist zuständig für Gesundheit oder Krankheit und Phänotyp, sondern auch das Epigenom über Methylierung, Chromatin und co. beeinflusst uns. Ob es Temperatur, Licht, Nahrung, Luftqualität oder Viren sind: schon an eineiigen Zwillingen sieht man, wie die Umgebung das Leben und den Körper prägen können. Anschaulich mit beeindruckenden Studien und Theorien führt uns der Autor durch die Epigenetik, bleibt dabei aber nicht auf den Grundlagen sitzen, sondern geht SEHR tief ins Detail. So tief, dass man als Laie oft den Faden verliert und für eine Sitzung viel Disziplin mitbringen muss. Am Ende hat man vielleicht 60% des Buches verstanden, und 40% behalten, doch das reicht fürs Erste ja schon.
