8. Sept.
Rating:1

Das Buch hat mich erinnert, wieder Leseproben zu lesen, bevor ich es kaufe (zum Glück kann man bei Thalia den Kauf noch widerrufen). Mich hat gleich zu Beginn gestört, wie typisch über Wokeness geschimpft wird (ohne das Wort zu erwähnen). Bei einem Buch, dass sich mit dem Thema Moral beschäftigt erwarte ich eine Einordnung von verschiedenen Motivationen. Ein Beispiel im Buch war ein Comedian, der für einen Witz kritisiert wird. Diese Witze können Menschen verletzen. Im Beispiel von J. K Rowling erfolgt erstmal eine Erklärung, ob es biologisch mehr als zwei Geschlechter geben kann. Sie benutzt aber ihre Einnahmen aus den Büchern, um Organisationen zu unterstützen, die Menschen verletzen. Laut Buch geht es aber darum, seine moralische Überlegenheit darzustellen. Ich erwarte da eine viel differenziertere Sicht. Wenn ich einfach nur Gemecker über moderne Moralvorstellungen hören möchte, dann kann ich auch Kommentarspalten auf Instagram lesen und muss nicht dieses Buch kaufen. Ich empfehle jedem dringend die Leseprobe zu lesen um zu schauen, ob das Buch für einen passt.

Moralspektakel
Moralspektakelby Philipp HüblSiedler
21. Juni
Rating:5

Hoch aktuell und eine Einladung zur eigenen radikalen Selbstkritik

Der Titel klingt natürlich erstmal provokant. Und generiert somit erstmal Aufmerksamkeit. Marketingtechnisch also schon mal alles richtig gemacht. Aber lohnt sich auch der Inhalt? Definitiv. Denn Philipp Hübl beschreibt hier ein hochaktuelles zeitgenössisches Problem unserer Gesellschaft welches sich vor allem durch social media immer weiter ausbreitet. Wir alle wollen gute Menschen sein und das auch zeigen. Wir wollen, dass andere wissen was für gute Menschen wir sind. Und wir bewegen uns vornehmlich immer nur in der eigenen Blase. Nie über den Tellerrand schauen. Bloß nicht den Versuch unternehmen mal die Perspektive zu wechseln und dabei Gefahr laufen seine eigenen Ansichten und Meinungen zu hinterfragen oder sich gar dabei weiterzuentwickeln. Dabei sind wir mittlerweile so unfähig in unserer moralischen Resilienz, dass wir uns durch jede Kleinigkeit sofort provozieren lassen und dabei in unser eigenes Moralspektakel verfallen. Gar nicht unbedingt weil uns unsere Mitmenschen wichtig wären, sondern weil wir es in erster Linie für uns selbst machen. Aus narzistischen und egoistischen Gründen. Ich nehme mich da selbst übrigens nicht aus. Deswegen ist "Moralspektakel" auch eine Einladung zur radikalen Selbstkritik und gibt am Ende sogar kleine Tipps an die Hand wie man sich selbst mehr in moralischer Bescheidenheit üben kann. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Moralspektakel
Moralspektakelby Philipp HüblSiedler