Rating:4★
Kurzweiliger Roman über Angststörungen und das liberale Leben in aufgeheizten Zeiten
Christian ist der Gym-Buddy, den man sich immer wünscht. Er ist gutaussehend, muskulös, liberal und queer. Doch er lebt in Sachsen, in einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt, und dann plagen ihn auch noch so einige Ängste, die das Leben nicht gerade einfacher machen. Kurz: Res Sigusch erzählt nicht nur von Christian, sondern stellvertretend von so vielen Leben in der Realität, die ähnliches erleben wie Christian: Jung, bunt, kosmopolitisch, queer ... aber auch oft verloren und überfordert. Eingepfercht und unterdrückt provinzieller Strukturen und den unsicheren Menschen, die darin agieren. In kurzen Kapiteln, mit nüchternem, aber keckem Schreib- und auktorialem Erzählstil schreibt Sigusch komprimiert von einem jungen Menschen, der die Stimme in sich selbst finden muss, der sich inmitten aufgeheizter, radikaler Stimmung verteidigen muss. Er muss sich behaupten, er muss trauern, er muss sich zurückziehen. Und was Jette, Nik und ein Hund namens Lui damit zu tun hat, muss selber herausgefunden werden. Ergo: Ein unterhaltsamer, aber etwas zu kurzer Roman, der mir gut gefallen hat. Hätte gerne noch mehr von Christian gelesen - er war mir sympathisch!
Unbegründete Ängsteby Res SiguschBerlin Verlag