30. Jan.
Rating:4

Zwei Leben, eine Freundschaft

„Große Lieben“ fühlt sich an wie ein leicht verkratzter Discman-Soundtrack aus den späten 90ern: melancholisch, ehrlich und emotionaler, als man zugeben will. Im Kern erzählt das Buch von einer Freundschaft zwischen zwei Frauen, die gemeinsam erwachsen werden und dabei merken, dass Nähe nicht automatisch Gleichheit bedeutet. Die beiden stammen aus völlig unterschiedlichen Sozialstrukturen, was anfangs spannend und bereichernd wirkt, sich mit den Jahren aber immer stärker bemerkbar macht. Gerade diese Unterschiede treiben die Geschichte voran. Wir begleiten nicht nur schöne Coming-of-Age-Momente, sondern auch Tiefpunkte: Entfremdung, Missverständnisse und das schmerzhafte Gefühl, dass man sich zwar kennt, aber nicht mehr erreicht. Das ist manchmal unangenehm nah an der eigenen Realität – und genau deshalb so wirkungsvoll. Inhaltlich ist das alles sehr gelungen, die Message sitzt. Sprachlich hätte ich mir stellenweise etwas mehr Raffinesse gewünscht; manche Formulierungen bleiben recht schlicht, obwohl der Stoff nach mehr Tiefe schreit. Trotzdem überzeugt das Buch durch seinen Vibe und seine Ehrlichkeit. „Große Lieben“ zeigt, dass Freundschaft genauso prägend, kompliziert und intensiv sein kann wie jede große Liebe – und genau dafür lohnt sich die Lektüre.

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
22. Sept.
Eine Geschichte über außergewöhnliche Freundschaft, die ich jedem ans Herz legen kann, wunderbar verpackt in diesem besonderen Buch
Rating:4

Eine Geschichte über außergewöhnliche Freundschaft, die ich jedem ans Herz legen kann, wunderbar verpackt in diesem besonderen Buch

GROSSE LIEBEN von KATHARINA HARTWELL, erschienen im Berlin Verlag, 368 Seiten ✨ Leseempfehlung ✨ Worum geht‘s? Innige Freundschaft über Jahrzehnte hinweg, Identitätsfindung und Selbstverwirklichung, patriarchalische Strukturen Stimmen zum Buch: »Katharina Hartwell erzählt mit herzzerreißender Komik und schonungslosem Scharfsinn. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch als Junge Frau lesen können. Es zählt schon jetzt zu meinen großen literarischen Lieben.« Isabelle Lehn Autorenportrait: KATHARINA HARTWELL, geboren 1984 in Köln, wuchs in Hanau auf, studierte Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. Mein Leseeindruck: Schon vor längerer Zeit habe ich dieses Buch gelesen. Hier wird eine Geschichte über die Höhen und Tiefen von Freundschaft, Selbstverwirklichung, Identitätsfindung, Mutterschaft erzählt, humorvoll, berührend, mitreißend. Die Mädchen Maren und Inga sind 13 Jahre alt, als sie das erste Mal aufeinander treffen. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, und doch finden sie sich und gehen von nun an gemeinsam ihren Weg. Beider Leben in den 90-iger Jahren bis heute wird beleuchtet, die Mädchen trennt ihre soziale Herkunft. Die eine aus gut situierten Verhältnissen und die andere, die einen Beruf als Schriftstellerin antritt. Treffend und leichtfüßig erzählt Katharina Hartwell davon, was es heißt, als Mädchen aufzuwachsen, über Identitätsfindung, patriarchale Strukturen und die schwierige Balance zwischen Selbstverwirklichung und Mutterschaft. Fazit: Eine Geschichte über außergewöhnliche Freundschaft, die ich jedem ans Herz legen kann, wunderbar verpackt in diesem besonderen Buch. Eure, Claudia

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
13. Aug.
Empfehlung!
Rating:4.5

Empfehlung!

Ich habe das Buch wirklich sehr gern gelesen, die Sprache und Erzählweise haben mir wahnsinnig gut gefallen und ich bin sehr durch die Seiten geflogen. Grade die immer wieder austauschenden humorvollen und bildlichen Beschreibungen und Vergleiche fand ich richtig gut. Es gefällt mir, wie ich mich stellenweise immer mal selbst in den Zeilen erkennen konnte. Gleichzeitig - oder vllt genau deshalb - hätte ich Maren manchmal gern geschüttelt und dazu gebracht, ihre Gedenken gegenüber Inga auszusprechen. Nicht so viel Ungesagtes zwischen ihnen stehen zu lassen. Manchmal hätte ich mir noch ausführlichere Passagen gewünscht, gleichzeitig hat es mir gefallen, dass manches offen blieb. Und die Jahre zwischen Abschnitten nicht komplett gefüllt wurden. Ich find es gleichzeit frustrierend und auch gut, dass nicht noch die weiteren Sprünge (43, 53, …) hinzu kamen. Frustrierend, weil ich gern mehr von der Entwicklung gelesen hätte, gut, weil so Raum für eigene Fantasie bleibt, Marens (und auch Ingas) leben weiterzuspinnen. Mir gefiel, wie gut und nachvollziehbar Katharina Hartwell die Gedanken einer 13-Jährigen einfangen konnte. Unterschwellige Wahrnehmung von Ungerechtigkeit, Störgefühle. Genauso wie die Schilderungen später beim Älterwerden, wobei ich dennoch manchmal dachte, dass Maren evtl auch bessere Arten hätte finden können, sich auszudrücken, in Anbetracht dessen, dass sie Autorin ist. Auch wenn natürlich Ängste und Zerdenken hinzutreten. Das waren teilweise Momente, in denen ich sie gern geschüttelt und dazu gebracht hätte, ihre Gedanken gegenüber Inga zu verbalisieren. Insgesamt mochte ich die Darstellung einer jahrelangen Freundschaft, die mal mehr, mal weniger intensiv gelebt wird bis zu dem Punkt, an dem man sich vllt sogar manchmal fragt, warum sie überhaupt noch besteht und ob man nur noch durch die vergangene gemeinsame Zeit verbunden ist. Im letzten Teil hat mich das Buch etwas verloren (aufgrund des Themas, auch wenn ich die Wichtigkeit verstehe) und gleichzeitig auch wütend gemacht. Ich mochte die Sprache weiterhin sehr, habe mitgelitten und die Ungerechtigkeit gespürt, mit der Frauen teilweise immer noch behandelt werden. Ich fand diese Zerrissenheit sehr gut dargestellt. Insgesamt würde ich es definitiv empfehlen.

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
6. Aug.
Rating:5

Da steckt mehr drin als du denkst ❤️

Ich habe die Geschichte von Inga und Maren von Anfang an gemocht: Die Freundschaft zweier Menschen, die aus sehr verschiedenen Familien kommen (Inga wohnt mit ihren Eltern in einer riesigen Villa, Maren hingegen muss jeden Cent zweimal umdrehen), was immer wieder auch zu Irritationen oder Rissen führt. Katharina Hartwell erzählt die Geschichte aus Marens Perspektive über drei Jahrzehnte, als die Freundinnen 13, 23 und 33 Jahre alt sind. Natürlich verändern Maren und Inga im Laufe der Zeit, sind sich mal näher und mal ferner, die Freundschaft entwickelt sich. Es geht in diesem Buch um Freundschaft und um die paar Menschen im Leben, die einem wirklich wichtig sind. Es geht aber auch um so viel mehr: um Erwachsenwerden und Identitätsbildung, um familiäre Prägung, starke Meinungen und eigene Entscheidungen, um das Leben hinter der Fassade, um Beziehungen, Karrieren und Lebensträume, um Mutterschaft und Feminismus. Ganz ehrlich: Diese große Liebe für das Buch hatte ich nicht kommen sehen.

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
2. Juni
Rating:4

Als Arbeiterkind, welcher viele Jahre auch in der Platte groß geworden ist, konnte ich mich sehr reinfühlen in die Hauptprotagonistin im Roman. Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise über mehrere Jahrzehnte im Leben der Akteurinnen und was es bedeutet als Arbeiter:Innenkind aufzuwachsen und welche Herausforderungen das Leben bereit hält, wenn der „Aufstieg“ passiert oder doch nicht. „Doch Inga gestand, dass sie sich tatsächlich nicht bloß vor meiner Schwester fürchtete, sondern ganz allgemein auch vor dem Haus, in dem wir lebten. „Das Haus?“, fragte ich verwundert. Ich dachte an das tatsächliche Gebäude. Wie konnte sich Inga vor der Eingangstür, den vierzig roten Briefkästen, dem gekachelten Flur, dem Aufzug, den großen Mülltonnen im Vorhof fürchten? „Na, wegen der Leute, die dort wohnen“, stellte sie klar. „Ach so“, sagte ich, und wir lachten über das Missverständnis. Natürlich hätte ich auch sagen können: Aber die Leute, die dort wohnen, das sind doch wir.“ (Seite 38f.) „Aber ich hatte mich noch nie geschämt für etwas, dass ich nicht konnte. Im Gegenteil. Etwas nicht zu können, hieß nämlich nicht, dass man zu blöd, zu faul oder zu unbegabt dafür war, sondern bloß, dass man andere Talente hatte und wahrscheinlich eine höhere Bestimmung.“ (Seite 66) „… zumindest bis ich sage, wie hoch das Preisgeld war. Für mich mag es eine erhebliche Summe gewesen sein, für die Tante Millies und Frau Stroms dieser Welt aber es ist ein Betrag, bei dem sie sich nicht sicher sind, ob sie mir jetzt noch gratulieren oder eher kontrollieren sollen.“ (Seite 112) „Über Psychoanalyse weiß sich theoretisch einiges, praktisch aber nichts. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der eine Psychoanalyse gemacht hat oder auch nur eine Therapie. Freuds Modell der Psyche kann ich im Schlaf erklären, und niemals würde ich unbewusst und unterbewusst verwechseln, aber wie so eine tatsächliche Analysestunde aussieht, das weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht wie viel sie kostet und ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Es ist meine Welt, es ist nicht meine Welt.“ (Seite 134)

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
26. März
Rating:3

Eine Freundschaft über 30 Jahre

„Große Lieben“ von Katharina Hartwell erzählt die Geschichte von Maren & Inga, zwei ungleiche Freundinnen, deren Interessen und auch familiäre Strukturen nicht unterschiedlicher sein können. Sie lernen sich im örtlichen Tennisverein kennen und freunden sich trotz ihrer unterschiedlichen Intentionen an. Über drei Dekaden, beginnend in den 90ern mit dem 13. Lebensjahr, blicken wir aus Marens Sicht auf die Freundschaft beider Mädchen und die zentrale Frage schwingt bei jeder Begegnung und jeder Lebenslage mit, wie lange diese Verbindung Bestand haben kann, da die Freundschaft oft auf die Probe gestellt wird. Mit unnachahmlichem Zungenschlag und Humor, beschreibt die Autorin beide gesellschaftlichen Familiensysteme, bewegt sich gekonnt sprachlich z.B. in den 90er (hat mir richtig gut gefallen 😆😍) und ich denke, viele Leser werden einen großen Wiedererkennungswert im Roman vorfinden wenn es darum geht, die beschriebenen Situationen vor dem inneren Auge vorbeiziehen zu lassen. „Große Lieben“, ein nicht immer emotional bequemes Buch über das Erwachsenwerden, patriarchale Strukturen, der Vielschichtigkeit an Lebenssituationen, feinen Rissen in freundschaftlichen Gefügen und unausgesprochenen, schwelenden Differenzen.

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag
10. März
Rating:5

Vielschichtig, dicht geschrieben und eindrucksvoll erzählt! Jahreshighlight

Der Roman erzählt von Maren und Inga, zwei Freundinnen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Wir erleben die Freundschaft der beiden zu drei verschiedenen Zeitpunkt: der Beginn der Freundschaft mit 13 Jahren, die Selbstfindungsphase mit 23 Jahren und das Erwachsensein mit 33 Jahren. Der Roman erzählt von Kindheitserinnerung, in denen soziale Ungleichheit zwar wahrgenommen, aber als gegeben hingenommen wird. Von alltäglichen Erlebnissen, die zunächst mit kindlicher Unschuld abgetan , langsam aber hinterfragt werden. Von Machtverhältnissen, patriarchalen Strukturen, und dem Bedürfnis, dazuzugehören und den eigenen Platz in der Welt zu finden. Von zwei Freundinnen, die sich auseinander leben, sich aber trotzdem an die Freundschaft klammern. Der guten Zeiten wegen? Weil sie doch beste Freundinnen sind. Oder waren sie das überhaupt jemals? Das alles wird transportiert durch eine genialen Schreibstil, der den Fokus auf das legt, was zwischen den Zeilen steht. Was zwischen den Freundinnen steht, aber nie gesagt wird.

Große Lieben
Große Liebenby Katharina HartwellBerlin Verlag