Zwei Leben, eine Freundschaft
„Große Lieben“ fühlt sich an wie ein leicht verkratzter Discman-Soundtrack aus den späten 90ern: melancholisch, ehrlich und emotionaler, als man zugeben will. Im Kern erzählt das Buch von einer Freundschaft zwischen zwei Frauen, die gemeinsam erwachsen werden und dabei merken, dass Nähe nicht automatisch Gleichheit bedeutet. Die beiden stammen aus völlig unterschiedlichen Sozialstrukturen, was anfangs spannend und bereichernd wirkt, sich mit den Jahren aber immer stärker bemerkbar macht. Gerade diese Unterschiede treiben die Geschichte voran. Wir begleiten nicht nur schöne Coming-of-Age-Momente, sondern auch Tiefpunkte: Entfremdung, Missverständnisse und das schmerzhafte Gefühl, dass man sich zwar kennt, aber nicht mehr erreicht. Das ist manchmal unangenehm nah an der eigenen Realität – und genau deshalb so wirkungsvoll. Inhaltlich ist das alles sehr gelungen, die Message sitzt. Sprachlich hätte ich mir stellenweise etwas mehr Raffinesse gewünscht; manche Formulierungen bleiben recht schlicht, obwohl der Stoff nach mehr Tiefe schreit. Trotzdem überzeugt das Buch durch seinen Vibe und seine Ehrlichkeit. „Große Lieben“ zeigt, dass Freundschaft genauso prägend, kompliziert und intensiv sein kann wie jede große Liebe – und genau dafür lohnt sich die Lektüre.








