6. Jan.
Rating:3.5

„Von Kafka bis Kant“ mit Kafka aber ohne Kant…

Mit der Rhetorik eines Philosophieprofessors der 80er Jahre, gespickt mit aufwendig umgestapelten Schachtelsätzen, die eher im Gesprochenen als im Geschriebenen angenehm fürs Ohr sind (als sachdienliches Beispiel kann dieser Satz hier dienen), umschreibt Otto Böhmer einige literarische Persönlichkeiten der letzten 2500 Jahre. Er geht beinahe liebevoll auf kleine, oft bisher unbekannte Details im Leben von Nietzsche, Dante und Co ein, ohne seinen Auftrag, nämlich die großen Erkenntnismomente in deren Leben zu beleuchten, zu vergessen. Die Dichter und Denker bekommen in diesem Buch sehr viel Lebendigkeit und Farbe- einfach sehr viel Menschlichkeit, was das Lesen zu einem wirklichen Vergnügen machte. Großer Wermutstropfen und gleichzeitig berechtigter Grund zur Irritation war allerdings, dass einer der beiden titelgebenden Persönlichkeiten Immanuel Kant, überhaupt nicht Objekt der Betrachtung wurde. Dass er kein eigenes Kapitel bekam und nur kurz in den Lebensläufen anderer Philosophen erwähnt wurde, empfand ich als enttäuschend. Ob da wohl das Lektorat eine nicht bis zum Ende durchdachte Streichung vorgenommen hat…?

Von Kafka bis Kant. Die größten Philosophen, Dichter und Denker
Von Kafka bis Kant. Die größten Philosophen, Dichter und Denkerby Otto A. BöhmerBassermann