16. Mai
Rating:3

Bei Bedarf zweimal lesen

Faschist werden ist an sich eine gute und bissige Satire. Schon Kapitelüberschriften wie „Im Zweifel zuschlagen“ machen ziemlich klar, in welche Richtung das Buch geht und wie überspitzt es mit faschistischen Denkweisen spielt. Gleichzeitig war mir der Schreibstil an vielen Stellen aber etwas zu geschwollen und hochgestochen, sodass ich manche Sätze erst beim zweiten Lesen richtig verstanden habe. Dadurch verliert das Buch für mich etwas an Schlagkraft, obwohl die Ideen dahinter spannend sind. Vieles ist aus dem Buch nur auf Italien bezogen daher fiel mir da der Bezug auch etwas schwer. Das Cover dagegen ist wirklich markant und passt perfekt zur provokanten Art des Buches. Da es nur eine Leihgabe von einem Freund war, bin ich immerhin froh, jetzt bei Gesprächen darüber mitreden zu können.

Faschist werden
Faschist werdenby Michela MurgiaWagenbach, K
29. Okt.
Rating:5

Michela Murgias "Faschist werden. Eine Anleitung" ist eine scharfsinnige Satire und Polemik, die das Erstarken des Populismus und Rechtsextremismus in Europa analysiert. ​Die Autorin nimmt die Rolle einer Faschismus-Befürworterin ein, um schonungslos die Taktiken und die Rhetorik des modernen Faschismus zu entlarven. Sie beschreibt, wie das System die Schwächen der "mühsamen" Demokratie ausnutzt, indem es einfache, schnelle Lösungen und starke Führer verspricht. ​Das Buch dient als Weckruf, der die Zerbrechlichkeit der Demokratie aufzeigt und den Leser durch das beiliegende "Faschistometer" zur Selbstreflexion anregt: Wie anfällig sind wir selbst für reaktionäres Denken? Viele Dinge waren auch direkt an Italien gerichtet, wenn man sich dahingehend nicht bewandert ist, gibt es aber auch Anmerkungen. Super wichtiges und auch konrketes Buch, dass den Finger in die Wunde der Gesellschaft legt.

Faschist werden
Faschist werdenby Michela MurgiaWagenbach, K
2. Aug.
Rating:3.5

Ein kurzes, spannendes und informatives Buch, das einem Faschismus erklärt, ohne sachlich zu sein. Eine Satire, die sich zu lesen lohnt — vor allem, leider, in der aktuellen Zeit, wo der Faschismus an jeder Ecke lauert und sich nicht mehr verstecken will.

Faschist werden
Faschist werdenby Michela MurgiaWagenbach, K
10. März
Rating:5

Ein Buch, welches ganz gezielt den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft legt.

Zuallererst: ich habe nicht bestanden. Mit meinen sehr wenigen Punkten im Test am Ende des Buches, stehen die Chancen eine richtige Faschistin zu werden sehr schlecht. Einer der wenigen Tests, bei denen ich doch enorm froh war, durchgefallen zu sein. Das Buch „Faschist werden“ enthält genau das, was es verspricht: eine Anleitung zu eben diesem. Diese knallharte Satire hat mich des Öfteren innehalten lassen und ich habe tatsächlich nochmal geschaut, ob ich die Intension des Buches richtig verstanden habe. Es legt schmerzhaft dar, wie die Grenzen des Sagbaren immer mehr verschoben werden, die Entmenschlichung des Feindes in kleinen Etappen stattfindet und dieses für viele zunehmend als normal und richtig gilt. Der Teil, in dem es um Satire geht, hat zum Beispiel genau das bestätigt, was gerade @roma_liest widerfährt. Unter dem Deckmantel der Satire werden Aussagen getätigt, welche dann doch aber bitte nicht zu ernst genommen werden dürften, denn: „Alles nur Satire“ und „Diese darf schließlich alles“. Die Opfer stehen aber nicht selten vor einem Scherbenhaufen, denn der Mob lässt meist nicht lange auf sich warten. Für mich war es eine schmerzliche, aber enorm wichtige Lektüre, welche ich jedem ans Herz legen kann, der sich mit der Methodik der Faschisten/Rechten, ihr Gedankengut Stück für Stück in die Mitte zu verschieben, befassen möchte.

Faschist werden
Faschist werdenby Michela MurgiaWagenbach, K
27. Dez.
Rating:5

Erinnert ihr euch noch an dieses Buch? Das ist das eine, bei dem ich euch geschworen habe, dass das Cover im echten Leben viel besser aussieht, da es nicht ganz so grellpink ist. Der Meinung bin ich immer noch. Gerade habe ich nämlich wieder einen halben Herzinfarkt bekommen, weil mich das Pink so geblendet hat! Lieber Verlag: Wie geht das, dass das Pink hier so unglaublich grell ist? Das tut ja in den Augen weh! Jetzt aber ab zum Thema, um das es eigentlich geht: Der Buchinhalt! "Faschist werden" ist ein Sachbuch, das seinen Lesern erklärt, wie man die Demokratie umstürzen und den Faschismus an die Macht bringen kann. Das beginnt bei der richtigen Ausdrucksweise ("Das wird man wohl noch sagen dürfen!"/"MEINUNGSFREIHEIT!!!!"), geht weiter über die Erschaffung des richtigen Feindbildes (die bösen, bösen Flüchtlinge/Homosexuellen/Muslime/Juden/Feministen/...) bis hin zum Ergreifen der Macht. Das Buch ist dabei so geschrieben, dass es zu großen Teilen kaum als Satire erkennbar ist. Ich habe regelmäßig die Lektüre unterbrochen, um nochmal nachzuschauen, ob das wirklich Satire ist - oder ob ich nicht aus Versehen das Parteiprogramm einer faschistischen Partei in die Hand bekommen habe. Stellenweise kam mir fast schon wieder mein Schwarztee hoch! Gerade aber dadurch, dass dieses Buch so wenig wie eine Satire scheint, hat es mich zum Nachdenken gebracht und mich sensibilisiert. Zum Beispiel wird in diesem Buch erwähnt, dass immer mehr Lehrer es nicht schaffen, den zweiten Weltkrieg im Unterricht durchzunehen, da "leider keine Zeit mehr da war". Und ich hatte, hoffentlich als einzige Schülerin der Weltgeschichte, erst in der Oberstufe einen Lehrer, der mit uns über den zweiten Weltkrieg gesprochen hat. Davor wurde das Thema zwar immer wieder mal angesprochen, aber so richtig viel gelernt haben wir darüber weder in der Volkschule, noch in der Hauptschule. Begründet wurde das immer mit eben diesem Argument: Es war halt keine Zeit mehr da. Heißt also, wenn es meinem Opa nicht so wichtig gewesen wäre, dass ich weiß, wie schrecklich die Zeit des zweiten Weltkrieges war, und wenn ich nicht immer schon viel gelesen hätte, dann hätte ich zum ersten Mal mit 17 Jahren vom zweiten Weltkrieg gehört. Und das finde ich ganz schön krank. Ich dachte immer, dass meine Lehrer einfach eine Ausnahme waren, aber wenn es dieses Phänomen sogar in ein Buch schafft, dann wird es wohl doch weiter verbreitet sein, als ich dachte. Ich will meinen Lehrern auch gar nichts unterstellen - Ich war in sehr schwierigen Klassen, da kann ich mir gut vorstellen, dass die Zeit tatsächlich knapp geworden ist, da man zu viel Zeit damit verbringen musste, die Kids irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Aber trotzdem: Um jeden einzelnen der Habsburger-Kaiser zu behandeln, hat die Zeit offensichtlich gereicht. Nun aber wieder zurück zum Buch. Es ist auf jeden Fall sehr, sehr, sehr provokant. Dass das eine Satire ist und nicht ernst gemeint, war nur an sehr wenigen Stellen sichtbar. Auf der einen Seite hat mich das zum Nachdenken angeregt, andererseits fand ich das aber auch riskant, da ich mir vorstellen könnte, dass es manche Leute gibt, die einen Text wie diesen ernst nehmen würde. Ob die allerdings ein Buch mit dem Titel "Faschist werden" kaufen würden? Oder überhaupt Bücher? Zu guter Letzt möchte ich euch noch mein Ergebnis des Faschistometers vorstellen: Ich hatte zwölf von 65 Punkten und bin damit ein "Aspirant". Meine "Entwicklung zum Faschisten" steckt also noch "in den Kinderschuhen" und ich ähnle eher einem "wütenden Demokraten als einem heiteren, gut ausgebildeten Faschisten". Tja, kann man nichts machen! Werd ich halt doch keine Faschistin.

Faschist werden
Faschist werdenby Michela MurgiaWagenbach, K