17. Sept.
Rating:2

Nachdem ich bereits das satirische Buch "Faschist werden. Eine Anleitung" von Michela Murgia gelesen habe, habe ich mir von "Camilla im Callcenterland" viel versprochen, nicht zuletzt, da ich selbst knapp zwei Jahre im Callcenter gearbeitet habe. Doch anders als bei mir damals geht es in Camillas Callcenter darum, ahnungslosen Hausfrauen monströse und überteuerte Staubsauger (den Kirby) zu verkaufen, die ihnen Vertreter, genannt Sharks, zu Hause vorführen. Michela Murgia hatte sich quasi investigativ als Telefonistin im Callcenter eingeschleust, das Buch ist das Ergebnis ihres 2006 erschienenen Blogs. Die überspitzte Erzählung ist sehr amüsant, insbesondere die Dialoge zwischen Telefonistinnen und Hausfrauen, die lächerlichen Prämien oder die Spitznamen, die Murgia den Figuren gibt. Doch in ihrem Nachwort schreibt sie, dass es eigentlich kein lustiges Buch ist - denn es erzählt die Geschichte des Prekariats, von Ausbeutung und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Passender dazu ist der italienische Originaltitel: "Il mondo deve sapere" (Die Welt soll es erfahren). Bei allem Witz (oder auch Ernst) haben mich ein paar Punkte sehr gestört. Zum einen die sehr altmodische, sexistische Darstellung von Frauen und Männern (wobei hier davon auszugehen ist, dass das 2006 Unternehmenskultur war und es zugunsten der Satire übernommen wurde). Zum anderen ist die Sprache oft etwas holprig, was ggf. der Übersetzung geschuldet ist. Ich habe das Buch vorgelesen, dabei bin ich oft über verschlungene Sätze gestolpert, manchmal auch über italienische Referenzen, die für die Übersetzung leider nicht erklärt wurden. Es kommt daher bei weitem nicht an "Faschist werden" oder auch den wundervollen Roman "Chirù" ran, aber wie Murgia im Nachwort auch schreibt: "Camilla im Callcenterland" sei kein Roman, es sei eine Teufelsaustreibung.

Camilla im Callcenterland
Camilla im Callcenterlandby Michela MurgiaWagenbach, K