26. Sept.
Rating:2

Read around the World: Argentinien

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit in Buenos Aires (Argentinien) und Montevideo (Uruguay). Eine Gruppe Männer führt einen Raubüberfall durch und verschanzt sich dann in einer Wohnung in Montevideo, um von dort auf die Panamericana zu gelangen und nach New York zu fliehen. Es könnte schon als Spoiler gelten, wenn ich jetzt sage: es endet überaus blutig für alle Beteiligten in Montevideo, die Flucht gelingt nicht, nach einem Tag Belagerung wird der letzte Kriminelle schwer verletzt/halbtot ins Krankenhaus gefahren. Ich habe mir unfassbar schwer getan bei diesem Buch, obwohl es "nur" 180 Seiten umfasst. Ich bin nicht ganz sicher, an was es lag. Der Schreibstil war nicht super anstrengend, aber durch die dauernden Sprünge zwischen den PoVs oder auch den Zeiten, wann die Handlung stattfindet, wurde ich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Manchmal wirkte es, als hätte der Autor einfach jeden Gedanken, der ihm beim Schreiben kam, einfach direkt aufgegriffen und ungefiltert aufgeschrieben, sodass das gerade behandelte Thema am Ende einer Seite ein ganz anderes war als zu Beginn. Dazu kamen die echt voll gedruckten Seiten und das Fehlen jeglichen Absatzes in der deutschen Version, was der Geschichte in diesem Fall auch keinen Gefallen getan hat. Oft hatte ich das Gefühl, dass ein Absatz einfach weggelassen wurde (um Seiten zu sparen?), obwohl es beim Lesen sehr deutlich einen gab. Die Personen bleiben das ganze Buch über sehr flach. Nur der letzte verbliebene Täter bekommt immer wieder etwas Tiefe verliehen, bis man im vorletzten Kapitel dann auch Blitzlichter seiner Vergangenheit erfährt. Alle anderen Figuren, egal ob sein Geliebter, der abführende Polizist in der Belagerung, der Kopf der Räuberbande, alle wirken wie Randfiguren, wie zufällig halt mit anwesend. Ich hatte mich vorher nicht mit dieser speziellen Geschichte auseinandergesetzt und hatte dementsprechend keine Ahnung, was mich erwartet. Man wird einfach hineingeworfen und muss dann versuchen, irgendwie klarzukommen. Durch die oben genannten Lesebedingungen echt nicht einfach. Die Handlung mit der Belagerung der Wohnung in Uruguay spitzt sich so sehr und so rasant zu, dass man sich beim Lesen immer wieder wundert und immer wieder ein "Well, that escalated quickly" einwerfen möchte. Durch den komplett fehlenden Handlungsbogen wird dieser Eindruck noch verstärkt. Alles in allem ist "Brennender Zaster" leider kein Buch, das ich empfehlen kann. Es lässt mich mehr als ratlos zurück, mit diesem Schnipsel an Kriminalgeschichte aus Argentinien, ohne aber irgendein Interesse zu wecken, weiter in das Land und seine Literatur einzutauchen...schade, aber man kann ja leider nicht alles toll finden...

Brennender Zaster
Brennender Zasterby Ricardo PigliaWagenbach, K